Am Abend ging Joshua noch mit Amy ins Restaurant. Er war immer sehr fürsorglich, wenn er mit ihr ausging, und Amy genoss die Art von Zuwendung, auch wenn sie sich wünschte, dass es jemand anders wäre, der bei ihr war.
„Amy, ich habe eine Überraschung für dich. Nach dem Essen hier gehen wir shoppen. Ich möchte dir ein paar schöne Kleider kaufen!"
„Oh, das ist schön, Joshua. Aber die Geschäfte haben gleich alle geschlossen."
„Nicht für uns, ich habe dort angerufen. Der Besitzer ist ein Fan meiner Arbeit und öffnet uns nachher die Tür."
Amy lächelte. So etwas kannte sie nicht. Sie ist noch nie mit Joshua einkaufen gewesen, er ließ sonst immer alles liefern. Daher kannte sie es nicht, in ein Kaufhaus zu gehen, welches schon geschlossen hatte. Irgendwie kam sie sich gerade vor als wäre sie etwas ganz Besonderes. Vielleicht hatte Joshua jetzt endlich eingesehen, dass er sie besser behandeln musste oder er wollte sich mehr bemühen, damit sie an seiner Seite bleibt. Was immer der Grund für dieses Verhalten war, Amy mochte es sehr.
„Amy, du bist schon sehr lange ein Teil meines Lebens und ich weiß nicht, was ich noch tun kann um dir zu zeigen, dass ich dich liebe. Ich weiß, dass ich manchmal schwierig sein kann und dass ich auch nicht viel Zeit für dich habe, aber du solltest immer wissen das ich dich liebe und ich dich nicht verlieren möchte. Du weißt doch noch, dass wir unsere Hochzeit geplant hatten. Ich möchte, dass wir in den nächsten Monaten heiraten."
Amy hatte irgendwie gehofft, dass er die Sache mit der Hochzeit vergessen hatte oder wenigstens auf längere Zeit verschieben würde, aber jetzt wollte er in den nächsten paar Monaten heiraten. Wie sollte sie jetzt nur dieser Situation entkommen?
„Ok, Joshua. Hast du einen genauen Monat im Visier?"
„Ich hatte ans Ende des Jahres gedacht. Vielleicht sogar am Strand von Hawaii."
Amy lächelte ihn an. Das wäre eine absolute Traumhochzeit, wenn es nicht gerade mit ihm wäre.
Auf dem Weg zum Auto hielt er ihre Hand. Sie ließ es zu, denn sie wollte ihn nicht zeigen, wie sie sich wirklich fühlte, verärgert, verängstigt und seine Hand zu halten war ihr unangenehm. Sie musste sich zusammenreißen, wenn sie einen angenehmen Abend mit ihm haben wollte.
„Such dir ein paar Sachen aus, mein Schatz!„ sagte Joshua als sie im Kaufhaus ankamen.
Amy war überwältigt! Das hier war kein gewöhnliches Kaufhaus, das hier war eine riesige Boutique. Es gab die schönsten Kleider, die Amy jemals gesehen hatte, aber sie hielt sich zurück und hatte Angst etwas anzufassen, da diese Kleider sehr teuer waren.
„Joshua, meinst du nicht, dass diese Sachen etwas zu teuer für eine Frau wie mich sind?„ fragte sie zurückhaltend.
Er lächelte sie an, rief eine Verkäuferin und zeigte auf mehrere Kleidungsstücke, die Amy anprobieren sollte. Amy fühlte sich wie eine Prinzessin. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie sich, als wäre sie etwas Besonderes.
Als sie damals zu ihm kam, bekam sie zwar auch viele neue Kleider von ihm, allerdings war sie nie mit ihm Einkaufen und durfte sich auch nichts aussuchen. Die Kleider waren vom Personal ausgesucht. Sie konnte sich damals auch nicht beschweren, aber dieses Erlebnis war einfach unglaublich. Es war wie ein Traum.
Es schien, dass die Zeit schnell vorbeiging, aber sie waren mindestens eine Stunde in dieser Boutique bis Joshua und Amy sich einig waren, welche Kleider nun gekauft werden sollten. Ihm waren einige zu kurz und ihr waren andere wiederum zu bunt. Es war eine schöne Zeit, die er mit ihr verbrachte, und bald hatten sie alles zusammen und wollten wieder fahren.
„Joshua, draußen steht wieder die Presse!"
" Ich weiß, Liebes. Wir schaffen das schon. Lass mich einfach nicht los."
Er nahm ihre Hand und ging los. Das Blitzlichtgewitter ging los und ein Haufen Journalisten riefen dutzende von Fragen, die keiner wirklich verstand. Joshua ignorierte die Fragen und ging schnellen Schrittes zum Wagen, wo schon der Fahrer mit der offenen Tür wartete. Sie stiegen ein und Joshua winkte noch einmal zum Abschied den Journalisten zu, dann fuhren sie nach Hause.
„Ich werde alles dafür tun, dass du bei mir bleibst!", flüsterte Joshua ihr ins Ohr.
Amy wurde ganz warm ums Herz. Irgendwie wollte sie glauben, dass er sich vielleicht ändern würde, doch traute sie ihm nicht. Es war einfach immer wieder zu viel passiert. Immer wieder hatte sie gehofft, dass sich etwas ändert und nie passierte etwas. Warum sollte das jetzt anders sein?
Spät am Abend klingelte das Telefon, Denise. Joshua ging wieder einmal ins Büro um zu telefonieren.
„Ich habe lange nichts mehr von dir gehört, ist alles in Ordnung?", fragte sie ihn.
„Ja, natürlich. Ich bereite nur meine Hochzeit vor."
„Joshua, du kannst diese Person nicht heiraten. Sie ist nicht die richtige für dich!"
„Du kennst sie nur flüchtig, also glaube ich nicht, dass du dir darüber ein Urteil machen kannst."
„Du machst einen Fehler, mein Liebster. Du weißt nicht was du tust!"
„Lass mich endlich in Ruhe mein Leben leben, Denise!", brüllte er und legte auf.
Amy hörte, wie laut er wurde und die Angst stieg in ihr hoch. Würde er jetzt wieder seinen Ärger an ihr auslassen? Doch nichts passierte. Sie hörte nur wie eine Tür knallte.
Joshua hatte das Haus verlassen. Sie sah aus dem Fenster, wie er im Anwesen umherging um sich zu beruhigen. Amy atmete durch, vielleicht wollte er sich tatsächlich ändern und sie sollte ihn einfach vertrauen.
Als sie merkte, dass er etwas ruhiger in seinen Bewegungen wurde, ging sie zu ihm.
„Joshua, was ist los? Kann ich irgendetwas für dich tun?"
Er schaute sie überrascht an, doch dann lächelte er. „Nein, ich brauche einfach etwas frische Luft. Vielleicht können wir nachher noch einen netten Abend zusammen verbringen."
Amy war irritiert. Warum war er so anders als sonst? Warum ließ er seine Wut nicht an ihr aus? Waren die Tabletten, die er von Dr. Johnson bekommen hatte, eventuell für ihn selbst und nicht für sie bestimmt? Stand er unter dem Einfluss von Medikamenten?
Amy wusste nicht genau, was sie denken sollte. Zum einen war sie froh über diesen Wandel, zum anderen schien es ihr mehr als fraglich, was denn mit ihm los wäre. Sie blieb noch ein bisschen in seiner Nähe und versuchte ihn abzulenken, indem sie versuchte, über die bevorstehende Hochzeit zu reden und ging dann wieder rein. Sie hasste es, über die Hochzeit zu reden, die sie nicht wollte, aber noch mehr würde sie es hassen, wenn er seine ganze Wut wieder an ihr auslassen würde. Deswegen spielte sie die Rolle der fürsorglichen Verlobten. Sie musste es verhindern, dass er wieder zum alten Joshua wurde - aber noch mehr wollte sie auch diese Hochzeit verhindern.
Sie ging wieder ins Haus und versuchte die negativen Gedanken zu verdrängen. Vielleicht wollte er sich wirklich ändern und sie sollte nicht immer so schlecht von ihm denken. Aber so sehr sie versuchte, positiv zu denken, desto mehr hatte sie das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte.
Sie musste einfach abwarten und hoffen, dass sie falsch lag. Denn eigentlich war Joshua, wenn er so bleiben würde wie er sich jetzt zeigte, ein sehr angenehmer und großzügiger Mann, und trotzdem konnte sie sich nicht vorstellen, diesen Mann zu heiraten.
Wenn sie ihr nicht sagen wollte, was sie an Medikamenten zu sich nahm, dann musste sie das selbst herausfinden. Sie ging ins Bad und durchsuchte die Kommoden, doch fand sie nichts. Auch in den anderen Badezimmern konnte sie nichts finden. Und in Joshuas Büro war nur ein abgeschlossener Tresor und viele Dokumente auf seinem Schreibtisch. Ihr Blick schweifte auf einem Stapel Papiere auf seinem Tisch. Plötzlich sah sie ein Attest. Sie setzte sich an den Schreibtisch um einen näheren Blick darauf zu werfen.
DEPRESSIONEN! Sie hatte keine Depressionen, doch hatte dieser Arzt festgestellt, dass sie Depressionen hatte und er deswegen Antidepressiva aufgeschrieben hatte. Sie war entsetzt. Was war das nur für ein Arzt, den Joshua da engagiert hatte? Und warum hatte er, weiter unten auf dem Dokument protokolliert, dass sie Selbstmord gefährdet sei? Sie glaubte kaum, was sie dort sah.
„Was machst du da?", sagte plötzlich Joshua. Sie war so vertieft gewesen, dass sie gar nicht bemerkte, wie er rein kam.
„Ich habe keine Depressionen und ich bin auch nicht selbstmordgefährdet!", brach es aus ihr heraus.
„Du hast hier nichts verloren!", schrie er sie an und zerrte sie am Arm aus seinem Büro.
„Ich bin nicht depressiv", schrie sie immer wieder.
„Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, Amy", sagte er und schmunzelte.
Amy verstand es nicht. Eine Vorsichtsmaßnahme, aber wofür?
„Ich habe mit dem Arzt und der Polizei gesprochen. Wenn du wieder auf die Idee bekommst wegzulaufen, bringen sie dich wieder her. Wir wollen doch alle nicht, dass du dir was antust, oder, Amy?"