Kapitel 7 Seite 5

1439 Worte
Am nächsten Morgen war er wieder fort. Alles, was sie fand, war ein Zettel auf ihren Kissen. „Liebste Amy, die Nacht war wieder wunderbar mit dir. Nächste Woche heiraten wir, mein Schatz. Ich kann es kaum erwarten, bis du ganz legal mir gehörst.“ Hatte sie das richtig gelesen? Sollte sie nächste Woche wirklich heiraten? Das konnte sie auf gar keinen Fall zulassen. Nein - das durfte auf gar keinen Fall passieren, diese Hochzeit durfte auf gar keinen Fall stattfinden. Sie fing an panisch zu werden, eilte runter zum Telefon. Sofort rief sie Michael an. „Beruhige dich, Kleines. Wir finden einen Weg!“, besänftigte er sie. „Ich kann nicht mehr, Michael! Ich habe keine Kraft mehr. Er ist ein Monster, ich will nicht mehr!” „Amy, bitte! Hör auf so zu reden. Du bist stark, das weiß ich!” Sie beendete das Gespräch. Einer der Mitarbeiter hatte etwas mitbekommen und Amy fürchtete, dass er etwas Joshua sagen würde. Sie schaute ihn nur hilfesuchend an und ging in ihr Zimmer. Sie schmiss sich auf das Bett und fing heftig an zu weinen. „Das kann er nicht machen! Er kann mir nicht einfach sagen, dass ich ihn nächste Woche heiraten soll, das kann er nicht!“, schluchzte sie. Sie musste schnell handeln, bevor alles zu spät war. Sie musste handeln, und zwar sofort! Im Haus wurde gerade Renoviert und es schien, als ob jeder Amy beobachten würde, obwohl sie ihre Aufmerksamkeit dem Flur widmete. Dort war eine Marmorplatte im Fußbodenbereich angeknackst und musste ausgetauscht werden. Amy fühlte sich etwas genervt von dieser Situation, da sie nie wirklich Ruhe bekam. Es wurde gehämmert und gebohrt, es war laut und Amy wollte unbedingt telefonieren, aber der Lärm war unerträglich. Sie musste Michael anrufen. Sie wollte unbedingt noch seine Stimme hören, bevor Joshua nach Hause kommen würde. Am Ende des Flurs war die Geräuschkulisse etwas erträglicher und sie beschloss, Michael von Joshuas Büro aus anzurufen. „Michael, ich weiß, dass ich beobachtet werde und ich würde mich nicht wundern, wenn sie alles protokollieren und Joshua übergeben!” „Amy, ich finde, jetzt übertreibst du etwas!” „Michael, was sagst du da? Ich dachte, du verstehst mich!” “ Liebes, so allmählich glaube ich, du siehst Gespenster. Ich habe nochmal alles durchdacht, Amy, und ich glaube, dass du ernsthaft Hilfe brauchst. Aber nicht die Hilfe die du erwartest, sondern eher um mit deinem eigenen Leben zurechtzukommen. Amy, du musst dir helfen lassen!” „Ich habe dich angerufen, weil ich dachte, dass du mich verstehst und mich nicht für depressiv hältst!“, schrie sie ihn an und knallte dann den Hörer auf. Sie war fassungslos. Wie konnte er nur seine Meinung so ändern? Was war geschehen? Auf einmal merkte sie, wie die Einsamkeit hochkroch. Nicht die Leere, die sie sonst plagte, aber das starke Gefühl, plötzlich ganz allein zu sein. Sonst hatte sie wenigstens Michael gehabt oder die Erinnerung daran, dass er ihr seelische Unterstützung gab und er sie verstand. Doch nun stellte er sich auch noch gegen sie. Was sollte sie nun tun? Sie wollte nur noch allein sein. Sie war verzweifelt und wollte sich etwas fangen, bevor Joshua nach Hause kommen würde. Also ging sie in ihr Zimmer. Eine halbe Stunde später kam Joshua dann nach Hause. „Amy, zieh dich an, wir gehen heute Essen!“, rief er als er durch die Tür kam. „Wo ist sie?“, fragte er einen der Angestellten. „Sie ist in ihrem Zimmer. Es ist sehr laut hier und sie wollte etwas Ruhe.” „Okay, ich sehe nach ihr. Sieh zu, dass mein Wagen vollgetankt wird, ich will mit ihr Essen fahren!” Joshua ging hoch in ihr Zimmer. „Amy, zieh dich bitte um!“ Doch als er in ihr Zimmer kam, stockte ihm der Atem. „Amy! Amy!“, rief er immer wieder als er sie auf dem Boden sah. Tabletten lagen auf ihrem Nachttisch und das Wasserglas, aus dem sie getrunken hatte, war umgekippt. „Amy, bitte lebe! Hilf mir doch jemand. Hilfe!“, schrie er immer wieder während er panisch versuchte, sie ins zu Bewusstsein zurückzuholen. Es schien eine halbe Ewigkeit zu dauern bis endlich zwei Angestellte gerannt kamen. „Holt Doktor Johnson!” „Das haben wir schon versucht, er ist nicht zu erreichen. Ich rufe jetzt den Notarzt.” Joshua nickte nur zustimmend. Er kniete neben Amy und versuchte verzweifelt, sie wieder aufzuwecken. Doch es passierte nichts. Er fühlte ihren Puls, er war schwach aber noch da. „Amy, was hast du getan! Bitte lebe, bitte. Du kannst mich nicht verlassen, ich liebe dich!” Er schaute hilfesuchend nach irgendetwas, was ihm helfen würde. Zum ersten Mal sahen die Angestellten einen Joshua, der zerbrechlich, hilflos und ängstlich war. Panisch ging er im Zimmer auf und ab. „Wo bleibt der Notarzt, wo ist der Rettungswagen?” Plötzlich ging die Tür auf und der Notarzt und zwei Sanitäter stürmten herein. „Sie müssen etwas Platz machen! Bitte gehen sie alle etwas zur Seite!” „Sie können ihr doch helfen, oder nicht?” „Was ist genau passiert!” „Ich kam gerade vom Studio und sah sie hier liegen. Ich habe gesehen, dass sie jede Menge Tabletten genommen hat. Sie wird doch wieder gesund, oder? Bitte tun Sie etwas!” „Wir tun was wir können. Aber ich denke, wir werden sie mitnehmen müssen um ihr den Magen auszupumpen. Joshua legte die Hände über sein Gesicht. Er konnte und wollte das alles nicht verstehen. „Ich habe ein Schreiben vom Arzt. Sie hat Depressionen und darf deshalb das Haus nicht verlassen. Er sagte, sie sei selbstmordgefährdet. Oh Gott, ich hätte zuhause bleiben sollen, aber heute Morgen war noch alles in Ordnung!” Joshua wollte dem Sanitäter nicht sagen, dass sie noch schlief als er ging. Nachher würden sie ihm eventuell noch die Schuld geben. Er war nicht schuld an dem Vorfall - nein, er war nicht schuld daran, dass sie sich umbringen wollte. Er war nicht Mals vor Ort als sie es tat, und er liebte sie doch so sehr. Warum hatte sie es getan? Vielleicht war es ein Unfall? Vielleicht wollte sie gar keine Überdosis nehmen? So viele Fragen gingen Joshua durch den Kopf. Die Sanitäter legten sie auf eine Trage und trugen sie raus. „Ich fahre hinterher!“, sagte er und griff nach seiner Jacke. „Sie sind besser hier aufgehoben. Erholen Sie sich etwas von dem Schock. Wir halten Sie auf dem Laufenden!” „Aber ich ... ” „Bitte. Ich sehe Ihnen an, dass es Ihnen nicht gut geht. Und das Mädchen muss sofort auf die Intensivstation. Da können Sie sowieso nichts weiter tun als warten. Tun sie sich selbst einen Gefallen und bleiben Sie hier. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht. Wir informieren Sie, wenn Sie zu sich kommt.” Joshua nickte nur und ließ sie fahren. Doch die Situation ließ ihm keine Ruhe. Was sollte er jetzt tun? Er musste mit jemanden reden. Er brauchte jetzt einfach jemanden, der ihm zuhören würde. Und obwohl er wusste, dass es nichts bringen würde und er sich nur Vorwürfe anhören müsste, rief er Denise an. „Ich hätte zuhause bleiben sollen, Denise. Dann wäre sie unter meiner Beobachtung und es wäre nicht passiert.” „Oh mein Schatz, mach dir keine Vorwürfe. Sie war schon immer etwas labil. Sie war nichts für dich, Joshua, das habe ich dir damals schon gesagt. Aber du wolltest ja nicht auf mich hören.” „Denise, bitte. Das brauche ich jetzt wirklich nicht. Ich habe gerade meine Verlobte leblos am Boden gefunden, deine Vorwürfe brauche ich jetzt nicht!” „Es tut mir leid, mein Schatz. Soll ich zu dir kommen, ich sehne mich so nach dir und ich glaube, dass dir etwas Abwechslung guttun würde.” „Ich weiß nicht. Ich glaube, du solltest zuhause bleiben“, sagte er und beendete das Gespräch. Eine Stunde später klingelte es an der Tür und ein Angestellter kündigte an, dass Denise gekommen sei. Wieder einmal hatte sie sich über Joshuas Entscheidung hinweggesetzt. „Was machst du hier Denise? Ich muss noch arbeiten!” „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, mein Liebster. Ich musste einfach zu dir.” Joshua versuchte, ihr aus dem Weg zu gehen und verschwand in sein Büro, doch Denise ließ nicht von ihm ab. Sie ging um seinen Schreibtisch herum und fing an, seine Schultern zu massieren. Joshua genoss ihre Nähe. Sie begann, an seinem Ohrläppchen zu knabbern und glitt mit Ihren Händen über seine Brust.
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