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Der Klang der Musik hallte durch den Raum, und ich kämpfte darum, zu hören, was die Gäste bestellten.
„Whisky on the rocks,“ verkündete er. Ich schwor, dass ich langsam richtig gut im Lippenlesen wurde.
Ich war gerade auf meiner dritten Schicht hinter der Bar im Glanz & Schatten. Es war so voll. Männer waren überall, und auch wenn ich es nie zugeben würde, freute ich mich inzwischen darauf, hierher zu kommen. Die Mädchen waren wirklich nett, und die Mitglieder alle höflich und freundlich. Das Geld war fantastisch, und ich begann erst, nachdem Kuno im Bett lag, sicher und geborgen. Ich hätte mir keinen besseren Nebenjob wünschen können.
Nie hatte ich mich billig gefühlt.
Heute Abend waren wir unterbesetzt. Morgen stand die Barr-Prüfung für alle unsere Jurastudenten an, also mussten wir alle ein bisschen mehr arbeiten, um sie zu vertreten.
„Vivienne, kannst du kurz die Tür machen, während ich diese Bestellung in die Escape Lounge bringe?“ fragte mich Ebony.
Ich runzelte die Stirn. „Ich habe noch nie die Tür gemacht. Was genau soll ich tun?“
„Komm, ich zeige es dir.“
Ich folgte ihr zu dem kleinen Schreibtisch am Eingang, und sie wischte über den Touchscreen-Computer.
„Wenn sie durchkommen, scannst du den Barcode auf ihrer Karte mit dieser Pistole.“ Sie nahm so ein kleines Lasergerät und zeigte mir, wie es funktionierte.
„Okay.“
„Dann erscheinen alle Namen auf dem Bildschirm von den Männern, die heute Abend im Club sind.“
„Aha.“
„Begrüße sie einfach mit ‚Willkommen im Glanz & Schatten‘ und überprüfe dann den Bildschirm, ob ihr Name unten in der Liste erscheint.“
„Verstanden.“ Ich runzelte die Stirn. „Moment, frage ich sie nach ihrem Namen?“
„Nein. Sie sagen dir nie ihren echten Namen, aber der erscheint auf dem Bildschirm. Und du darfst niemals zeigen, dass du ihn kennst. Sehr wichtig. Sie dürfen nie merken, dass du weißt, wer sie sind.“
Meine Augen wurden groß. „Oh, okay.“
„Wenn jemand heute Abend in die Escape Lounge geht, musst du warten, bis ich zurückkomme. Lass sie einfach rein, aber sag ihnen, sie sollen wiederkommen, um mich zu sehen.“
Ich nickte. „Verstanden. Woran erkenne ich, wer in die Escape Lounge geht?“
„Ihr Name wird rot auf dem Bildschirm angezeigt.“
„Alles klar.“
Sie verschwand in der Dunkelheit, und ich stellte mich an meiner Position bei der Tür auf. Ich trug mein kleines cremefarbenes Lederoutfit, die Haare offen, und die Mädchen hatten mir heute Abend im Personalraum das Make-up gemacht. Ich fühlte mich, um ehrlich zu sein, ein wenig sexy.
Ich beobachtete, wie Simone, eine meiner neuen Freundinnen, in ihrem durchsichtigen Top und den kleinen Lederhotpants an mir vorbeiging. Sie war gerade dabei, einem Mann einen Lapdance zu geben. Der Song Naughty Girl von Beyoncé ertönte, und ich sah ihr zu, wie sie langsam auf den Mann im Stuhl zuging, als wollte sie ihn verschlingen. Seine Augen hielten ihre, und er lehnte sich zurück, während er auf ihre private Show wartete.
Die sexuelle Spannung zwischen ihnen war greifbar, und ich hielt den Atem an. Der hypnotische Beat dröhnte um mich herum, und ich sah zu, wie sie sich vor ihm auf den Boden kniete. Er lehnte sich dominant zurück, während sie beide Hände auf seine Oberschenkel legte und über ihn kroch.
Ein breites Lächeln huschte über mein Gesicht. Heilige Scheiße, das war wie eine andere Welt hier. Mein privates Peepshow-Erlebnis wurde bald unterbrochen, als ein Mann durch die Tür kam. Er reichte mir seine Karte.
„Hallo.“ Er lächelte.
„Willkommen.“ Ich lächelte, tat so, als wüsste ich genau, was ich tat, und scannte den Barcode auf seiner Karte mit meiner kleinen Pistole. Dann ging er hinein. Gar nicht so schwer. Tatsächlich gefiel mir die Arbeit an der Tür; ich konnte sehen, was im Club passierte. Oh Mist, ich hatte nicht überprüft, ob sein Name in der Liste erschien. Ich berührte den Bildschirm, er leuchtete auf, und ich ging die Namen von unten nach oben durch:
Lukas Hartmann
Jürgen Müller
Siegfried Weber
Vincent Stein
Karl Reich
Meine Augen weiteten sich, als ich auf einen Namen stieß, der mir viel zu vertraut war.
Heilige Scheiße. Er war hier.