Der zwölfte Winter nach Nyx’ Geburt kam ohne Vorwarnung. Eines Morgens war der Himmel noch klar, das Blau so scharf wie frisch geschliffenes Eis, und die silbernen Bäume standen stolz und leuchtend da, als hätten sie alle Stürme der vergangenen Jahre vergessen. Am nächsten Morgen war alles grau. Nicht das sanfte, tröstende Grau eines ruhigen Schneetags, sondern ein aggressives, metallisches Grau, das sich wie eine Faust um das Tal legte und zudrückte. Der Wind kam zuerst. Er pfiff nicht. Er heulte nicht. Er flüsterte. Ein endloses, leises Flüstern, das durch die Ritzen der Festung kroch, unter Türen hindurchsickerte und in den Ohren der Schlafenden summte. Es war kein Lied mehr. Es war das Gegenteil eines Liedes. Die Abwesenheit von Melodie. Die Lücke zwischen zwei Tönen, die immer größer

