Kapitel Drei

979 Worte
Avas Perspektive Sie zerrten mich hinaus, und die Peitsche krachte auf meine Haut — immer wieder. Ich biss mir auf die Lippe, bis sie blutete, und weigerte mich zu schreien, aber der Schmerz war unerträglich. Fünfzehn Hiebe. Fünfzehn Erinnerungen daran, dass ich für sie nichts war. Als es vorbei war, zogen die Wachen mich hoch und stießen mich wieder hinein. Meine Knie schlugen auf den Marmorboden vor Luna Ember auf. „Jetzt entschuldige dich bei meiner Mutter, wenn du weißt, was gut für dich ist“, erfüllte Marcos kalte Stimme die Halle. Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen. Er sah Mario so ähnlich, aber ich hätte es wissen müssen — Marco war schlimmer. Lilian berührte sanft seinen Arm. „Mario, lass mich mit ihr reden. Die Leute werden anfangen zu sagen, dass du sie schlecht behandelst, nur weil ihr Gefährte tot ist.“ Sein Kiefer spannte sich an, aber er nickte kurz. In dem Moment, als sie auf mich zukam, beugte sie sich herunter und seufzte. „Ava, warum machst du dir alles so schwer? Entschuldige dich einfach.“ Ich stieß ein trockenes Lachen aus. „Entschuldigen? Wofür? Dafür, dass ich kein Teil dieser verdorbenen Familie sein will?“ Ihr Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Du hast sonst nirgendwohin zu gehen. Wenn sie dich rausschmeißen, landest du auf der Straße. Nicht einmal unsere Eltern wollen dich. Also hör auf, so zu tun, als hättest du eine Wahl.“ Ich lächelte schief, sagte aber nichts. Ihre Geduld riss. „Willst du, dass ich dein Geheimnis aufdecke?“ Lilian hob die Stimme. Ich runzelte die Stirn. „Welches Geheimnis?“ Sie drehte sich zur Menge um, ein listiges Lächeln auf den Lippen. „Sie hat eine Affäre! Ich habe sie nachts rausschleichen sehen, und ich habe auch gesehen, wie sie in Richtung der Schatzkammer des Alphas ging. Sie wollte das Familienerbstück stehlen!“ Ein Keuchen ging durch den Raum. Ich ballte die Fäuste. Lilian war schon immer eine Schlange gewesen, aber das hier? Das war Krieg. „Was zum Teufel redest du da?“ fauchte ich, mein Körper schrie vor Schmerz, aber ich weigerte mich, Schwäche zu zeigen. Luna Embers Stimme donnerte durch die Halle. „Also hast du meinen Sohn betrogen? Wie lächerlich!“ Ich starrte sie an, Unglauben überschwemmte mich. Wie konnte sie so oberflächlich sein, so schnell eine Lüge glauben? Aber was hatte ich von jemandem erwartet, der mich ohnehin hasste? „Ich habe ihn nie betrogen! Das ist die größte Lüge, die ich je gehört habe. Wenn ihr mich beschuldigen wollt, dann zeigt mir Beweise!“ Ich zwang mich aufzurichten und ignorierte den brennenden Schmerz in meinem Körper. Ich wusste genau, was Lilian tat. Sie wollte, dass man mich des Verrats anklagte — damit man mich hinrichtete. Aber ich würde hier nicht sterben. Nicht heute. Marcos Blick verdunkelte sich. „Nennst du Lilian eine Lügnerin?“ Seine Stimme war scharf, gefährlich. Ich hob das Kinn. „Ihr könnt mir nichts antun, bis sie es beweist. Lasst sie die Beweise zeigen.“ Der Raum wurde still. Mein Herzschlag dröhnte in meinen Ohren. Marco trat vor und packte mein Handgelenk, sein Griff fest, schmerzhaft. Luna Ember wandte sich an Lilian. „Hast du Beweise? Wenn wir sie richtig bestrafen wollen, brauchen wir Belege.“ Lilian zögerte. Und in diesem Moment wusste ich — sie hatte nichts. „Ich werde bald Beweise finden“, stammelte Lilian. Ich schnaubte. Zum ersten Mal stand das Gesetz des Rudels auf meiner Seite. Keine Strafe ohne Beweise. Schade nur, dass ich selbst keine Beweise für Marcos Lügen hatte. „Dann bring deine Beweise zusammen und komm wieder zu mir.“ Ich zwang mich aufzustehen, jede Bewegung pure Qual. „Ich bin auch eine Ehefrau in dieser Familie. Ich verdiene Respekt.“ Ich drehte mich um und ging in Richtung meines Zimmers. Meine Zofe eilte herbei und legte mir einen Arm um, um mich zu stützen. Drinnen versorgte sie vorsichtig meine Wunden. Als ich auf dem Bett lag, der Schmerz schwer auf mir lastend, starrte ich an die Decke. Hatte die Muttergöttin mich vergessen? Denn wenn sie sich an mich erinnern würde, hätte sie mich nicht so leiden lassen. „Ich sollte dir ein paar Kräuter holen, um die Schmerzen zu lindern“, sagte sie, und ich nickte. Sie ging, und ich blieb allein zurück, so schrecklich einsam in diesem Moment. Die Erinnerungen daran, wie Marco einmal ein guter Ehemann gewesen war, waren unvergesslich. Eine Welle aus Wut überkam mich, ich stand auf und ging zum Kleiderschrank, in dem all seine Sachen lagen, nachdem er seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte. Ich begann alles auszuräumen und zog die Fotos heraus, die wir zusammen gemacht hatten. All diese Erinnerungen — jetzt war ich bereit, sie alle zu verbrennen. Gerade als ich seine Sachen durchwühlte, fielen ein paar Pillen aus der Kleidung. Sie waren in zwei verschiedenen Plastiktüten. Ich sah sie mir genau an und versuchte herauszufinden, wofür sie waren. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich eine der Tabletten — es war genau dasselbe Medikament, das der Arzt uns im Krankenhaus gegeben hatte, um mir zu helfen, schwanger zu werden. Aber die andere verwirrte mich. Welches andere Geheimnis hatte Marco noch verborgen, und warum hatte er diese Medikamente? Ich nahm mein Handy, machte von beiden ein Foto und schickte sie an meinen befreundeten Arzt. Es dauerte nicht lange, bis mein Handy mit einer Antwort piepte. „Das sind zwei verschiedene Medikamente“, las ich laut. „Das erste wird häufig verschrieben, um Frauen bei Schwangerschaftsproblemen zu helfen. Das zweite jedoch wurde verboten. Es verhindert eine Schwangerschaft, solange man es einnimmt.“ Mir klappte der Kiefer herunter, als die Wahrheit mich traf. Die Medikamente, die ich in den letzten drei Jahren genommen hatte, waren nicht dazu da gewesen, mir zu helfen, schwanger zu werden — sie waren dazu da gewesen, es zu verhindern.
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