Alexander lief unruhig in der Küche auf und ab, das Handy fest in der Hand umklammert, während der Bildschirm erneut aufleuchtete – wieder ein gescheiterter Anruf bei Isabella. Seine Finger zitterten, als er gefühlt zum hundertsten Mal auf „Wahlwiederholung“ drückte und dafür betete, dass ihre Stimme endlich die Stille durchbrechen würde. Das Klingeln hallte in seinen Ohren, bis es schließlich abbrach und direkt zur Mailbox ging.
„Isabella, ich bin’s schon wieder … wo bist du?“ Seine Stimme brach, als er die Nachricht hinterließ, die Nerven vom stundenlangen Warten ohne ein Lebenszeichen zerrüttet. „Bitte ruf mich zurück, ich mache mir Sorgen. Bitte … ruf einfach an.“
Er legte auf und starrte fassungslos auf das Telefon. Wie lange war es her, seit er sie zum ersten Mal angerufen hatte? Sein Herz hämmerte in der Brust, seine Gedanken überschlugen sich. Es hatte ganz harmlos begonnen – er war in einer Besprechung gewesen, das Handy auf lautlos. Als er es danach überprüfte, hatte er einen Anruf von Isabella verpasst. Damals hatte er sich nichts dabei gedacht. Vielleicht war sie einkaufen oder bei einer Freundin. Aber das war vor Stunden gewesen.
Jetzt fühlte sich etwas schrecklich falsch an.
Er ließ den Blick durch die Küche schweifen, bis seine Augen auf eine Einkaufstasche auf der Arbeitsfläche fielen. Die Tasche war noch voller frischer Lebensmittel – Karotten, Kartoffeln, ein paar Kräuter – alles unberührt. Sie war zu Hause gewesen, wurde ihm klar. Sie hatte eingekauft, vermutlich mit dem Plan, das Abendessen zu kochen. Aber warum war sie ohne ein Wort gegangen?
Alexander schluckte, fuhr sich frustriert durchs Haar. Er hatte ihre Freunde angerufen, bei den Nachbarn nachgefragt und die Gegend unzählige Male mit dem Auto abgefahren. Niemand hatte sie gesehen. Es war, als wäre sie einfach verschwunden.
Entschlossen griff er nach seinen Schlüsseln und stürmte erneut aus dem Haus. Er musste etwas tun – irgendetwas –, um sie zu finden. Die Sonne war längst untergegangen, und die Nachbarschaft lag im Dunkeln, die Straßenlaternen warfen lange, unheimliche Schatten. Er klopfte an jede Tür, die Verzweiflung schlich sich in seine Stimme, als er jedem Nachbarn dieselbe Frage stellte: „Haben Sie Isabella gesehen?“
Jede Antwort war dieselbe. Niemand hatte sie gesehen. Niemand hatte von ihr gehört.
Sein Kopf war voller Möglichkeiten, jede furchteinflößender als die letzte. Hatte sie einen Unfall gehabt? Hatte jemand sie mitgenommen? Er schüttelte den Kopf und versuchte, die dunklen Gedanken zu vertreiben, die an den Rändern seines Bewusstseins nagten. Er durfte seine Gedanken nicht dorthin abgleiten lassen – noch nicht.
Nach stundenlanger, erfolgloser Suche kehrte Alexander nach Hause zurück, die Schultern schwer vor Sorge. Er schloss die Tür auf und trat ein, das Haus unheimlich still. Der Atem stockte ihm im Hals, als er sich umsah, halb erwartend, dass Isabella plötzlich auftauchen würde, ihn anlächelnd beruhigte, alles sei in Ordnung, sie sei nur kurz weg gewesen.
Aber das Haus war leer. Und kalt. Und still.
Alexander sackte gegen die Küchenarbeitsplatte, sein Blick fiel erneut auf die Einkaufstasche. Er griff hinein und zog einen Blumenstrauß heraus – Lilien, ihre Lieblingsblumen. Sie hatte sie heute gekauft. Er hielt die zarten Blüten in den Händen, spürte die weichen Blätter an seinen Fingerspitzen, und ein Kloß bildete sich in seinem Hals. Sie hatte etwas geplant, wurde ihm klar. Einen schönen Abend vielleicht, ein Dinner, vielleicht mehr. Und jetzt war sie weg.
Sein Handy vibrierte in der Tasche und riss ihn aus seinen Gedanken. Hastig zog er es hervor, Hoffnung flackerte für den Bruchteil einer Sekunde in seiner Brust auf – nur um sofort zu verglühen. Es war nicht sie. Es war eine Nachricht von einem Kollegen. Sein Herz sank.
Die Stunden vergingen, und Alexander konnte nicht stillsitzen. Er lief durch das Haus, ließ das letzte Gespräch mit Isabella immer wieder in seinem Kopf ablaufen, versuchte, sich an jedes Detail, jedes Wort zu erinnern. War sie verärgert gewesen? Hatte es etwas gegeben, das sie ihm nicht gesagt hatte? Sein Magen zog sich vor Schuld zusammen, als er an den Streit vor ein paar Tagen dachte. Es war eine Lappalie gewesen, nichts Wichtiges – aber jetzt wünschte er, er könnte alles zurücknehmen. War sie wegen ihm gegangen?
Schließlich, nach fast zwölf qualvollen Stunden, nahm Alexander sein Handy und wählte die Polizei.
„Ja, ich möchte meine Frau als vermisst melden“, sagte er mit zitternder Stimme. „Es sind über zwölf Stunden vergangen, und sie geht nicht ans Telefon. Ich habe überall gesucht, und … ich habe Angst, dass ihr etwas zugestoßen ist.“
Die Mitarbeiterin am anderen Ende nahm seine Angaben auf, ihre Stimme ruhig und sachlich, doch das vermochte die Panik in ihm kaum zu lindern. Man sagte ihm, dass jemand vorbeikommen würde, um eine offizielle Anzeige aufzunehmen, aber das war nur ein schwacher Trost. Er wusste, wie so etwas lief – Menschen mussten eine gewisse Zeit vermisst sein, bevor die Polizei wirklich aktiv wurde. Aber er konnte nicht so lange warten. Er musste sie jetzt finden.
Als die Beamten eintrafen, erzählte Alexander alles – den letzten Anruf, die Einkäufe auf der Arbeitsfläche, seine Suche in der Nachbarschaft. Seine Hände zitterten, seine Stimme brach vor Angst. Die Polizisten hörten aufmerksam zu, nickten, stellten Fragen, doch er merkte, dass sie noch in diesem ruhigen, routinierten Modus waren, als wäre es nur ein weiterer Fall unter vielen.
„Das hat sie noch nie getan“, sagte er verzweifelt. „Isabella würde nicht einfach verschwinden. Etwas stimmt nicht. Ich spüre es.“
„Wir werden alles tun, was wir können, Mr. Hemsworth“, sagte einer der Beamten, der Tonfall neutral und professionell. „Gibt es noch andere Orte, an die sie gegangen sein könnte? Familie oder Freunde, bei denen sie sein könnte?“
„Ich habe schon alle angerufen. Niemand hat sie gesehen“, erwiderte Alexander und fuhr sich durchs Haar. „Ich bin überall herumgefahren. Sie ist nicht … sie ist nirgendwo.“
Als die Polizei ging und ihm versicherte, sie würden die Anzeige aufnehmen und mit der Suche beginnen, fühlte Alexander sich vollkommen hilflos. Das Haus war wieder still, und die Stille drohte ihn in den Wahnsinn zu treiben. Er ließ sich auf das Sofa fallen und starrte auf die Blumen, die noch immer auf der Küchenarbeitsplatte lagen.
Tränen brannten in seinen Augenwinkeln, doch er blinzelte sie weg und weigerte sich, zusammenzubrechen. Noch nicht. Nicht, bevor er Antworten hatte.
Er schloss die Augen und presste die Hände gegen sein Gesicht. „Wo bist du, Isabella?“, flüsterte er in die Dunkelheit. „Bitte … komm zurück.“
Doch das Haus blieb still, und die Leere hallte um ihn herum wider.