Kapitel 2

997 Worte
Kapitel 2 Später an diesem Abend lehnte sich Carmen zurück und hörte den anderen Frauen zu, die sich über die verschiedenen kleinen und großen Dinge unterhielten, die ihre Kinder wieder angestellt hatten. Manchmal war es schwer zu glauben, dass sie alle auf einem außerirdischen Planeten waren, und von so tollen Männern geliebt wurden. Einen kurzen Moment lang wurde sie von einer Welle der Traurigkeit überrollt. Sie war so intensiv und so schmerzhaft, dass sie sich erhob und auf den Balkon von Pauls und Morians Wohnbereich ging. Carmen umfasste das steinerne Geländer und blickte zu den Sternen hinauf. Paul Grove, der Vater ihrer besten Freundin Trisha, und Morian, die Mutter von Kreon und seinen vier Brüdern, hatten nach dem Verlust eines Menschen wieder Liebe gefunden, genau wie sie. Sie fragte sich, ob die beiden auch immer noch die überwältigende Traurigkeit und den Schmerz spürten, die mit den Erinnerungen einhergingen. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie Kreons Hände an ihrer Taille spürte. Er zog sie an seinen warmen Körper, und sie ließ sich entspannt gegen ihn sinken, den Blick weiterhin in den Sternenhimmel gerichtet. „Ich habe deinen Schmerz gespürt“, flüsterte er und rieb sein Kinn an ihrem kurzen, blonden Haar, bevor er sich vorbeugte, um ihr einen Kuss auf das schwache Drachenmal in ihrem Nacken zu drücken. „Ich bin immer für dich da, Carmen.“ „Ich weiß“, flüsterte sie und die Liebe in seiner Stimme trieb ihr die Tränen in die Augen. „Manchmal trifft es mich immer noch hart, aber zum Glück nicht mehr so oft wie früher. Die Mädchen und du haben mir geholfen, zu heilen.“ Sie drehte sich in seinen Armen, um ihn anzusehen, dann hob sie ihre Hand und legte sie auf seine Wange. „Ich kann ihn nicht vergessen, Kreon – keinen von ihnen.“ Kreon drehte seinen Kopf und drückte ihr einen Kuss auf die Handfläche. Sie genoss die Wärme und die sanfte Berührung. Ihre Liebe zu ihm schwoll in ihr an und sie ließ ihre Hand nach oben gleiten, um mit ihren Fingern durch sein Haar zu fahren. „Ich würde nie von dir verlangen, Scott oder das Kind, das du verloren hast, zu vergessen. Ich wünschte nur, ich könnte dich vor dem Schmerz bewahren“, murmelte er. „Das tust du“, erwiderte Carmen und begegnete seinen Lippen, als er sich herunterbeugte, um sie zu küssen. Es stimmte, er schützte sie vor dem Schmerz. Als sie auf dem Planeten angekommen war, war es unerträglich gewesen. Die Ermordung ihres ersten Mannes Scott und der Verlust ihres gemeinsamen Babys aufgrund der schweren Verletzungen hatten sie gebrochen. In ihrem Kummer hatte sie nur an Rache denken können. Es hatte Jahre gedauert, bis sie damit abschließen konnte. Nicht durch ihren eigenen Tod, wie sie erwartet hatte, sondern indem sie eine neue Liebe fand – mit einem außerirdischen Mann, der sich geweigert hatte, sie aufzugeben. Ein Schauer der l**t durchfuhr Carmen, als Kreon stöhnte und sie fest an seinen Körper zog. Ihre Hände gruben sich in sein Haar, und ihre Atemzüge vermischten sich und wurden durch die Hitze des Drachenfeuers immer fordernder. „Ich habe dir doch gesagt, dass sie sich küssen werden. Das machen sie immer, wenn sie denken, dass wir nicht hinsehen.“ Kreons gedämpftes Lachen vibrierte durch seinen Körper und er ließ Carmens Lippen widerwillig los. Er lehnte seine Stirn an ihre, schloss die Augen und atmete tief durch, um seinen erregten Körper zu beruhigen. Die Mädchen waren sehr aufmerksam und hatten sogar schon einmal gefragt, warum Daddys Hose sich ausbeulte und ihre nicht. „Was brauchst du, Spring?“, fragte Carmen und legte den Kopf schief, um an Kreons Schulter vorbeizuschauen. „Eine Geschichte“, sagte Spring und blickte zu ihren Eltern auf. „Du hast gesagt, wir könnten Kekse zur Geschichte essen.“ „Wir sind gleich da“, versprach Carmen. „Frag Tante Ariel, ob sie die Milch einschenken kann.“ „Okay“, antwortete Spring erfreut. „Was ist denn mit deinem Daddy los?“, flüsterte Jabir, der Kreon stirnrunzelnd musterte. „Er wartet, bis seine Hose wieder normal wird“, sagte Spring. „Sie beult sich immer aus, wenn er Mommy küsst.“ „Oh“, sagte Jabir und starrte auf Kreons Rücken. „Bei meinem Vater passiert das nur morgens.“ Carmen vergrub ihr Gesicht an Kreons Schulter, um ihr Lachen zu verbergen. Das war zu viel. Das Bild von Kreons Gesicht, als die Mädchen ihn zum ersten Mal morgens gesehen hatten, schoss ihr durch den Kopf, und sie brach in ein unkontrollierbares Kichern aus. „Ich glaube, Töchter zu haben, ist viel schwieriger, als ich dachte“, meinte Kreon schließlich reumütig. „Und es wird nur noch schlimmer werden“, erwiderte Carmen und holte zwischen zwei Lachern tief Luft. „Arme Ariel, ich kann mir ihr Gesicht nur allzu gut vorstellen, als Jabir völlig ratlos war.“ Kreons Schultern bebten, als er wieder kicherte. Carmen liebte sein Lachen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihm einen weiteren Kuss auf die Lippen. „Bist du bereit?“, fragte sie und sah ihn mit einem fröhlichen Funkeln in den Augen an. „Ja, aber ich warne dich, wir schleichen uns heute Nacht hinaus. Mein Drache will ein wenig spielen“, erwiderte Kreon. Widerwillig ließ er Carmen los und trat zurück. „Ich denke, das lässt sich arrangieren“, murmelte Carmen und strich mit einem verführerischen Lächeln über die Vorderseite seiner Hose. „Na toll! Jetzt geht es wieder los!“, murmelte Kreon und starrte auf die Beule in seiner Hose hinunter. „Ich komme gleich nach.“ Carmen lachte vergnügt und nickte. Sie warf Kreon einen Blick über die Schulter zu, als er sich umdrehte und zu den Sternen hinaufblickte, um seinen Körper abzukühlen. Das war es, was sie brauchte, um sich aus ihren melancholischen Erinnerungen zu befreien: neue, fröhliche Erinnerungen.
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