KAPITEL 6: Ganz auf dich allein gestellt

1179 Worte
CAMILLA Aufregung durchströmte mich, als Lyra flüsterte, dass es Zeit war, gemeinsam zu laufen. Das war ein Moment, von dem ich mein ganzes Leben geträumt hatte – etwas, das ich in meinem früheren Leben nie erleben durfte. Ich hatte jahrelang zugesehen, wie andere sich in ihre prächtigen Wölfe verwandelten, sehnte mich nach derselben Verbindung, derselben Freiheit. Aber jetzt hatte ich Lyra. Meinen eigenen Wolf. Meine zweite Hälfte. Und sie war absolut perfekt. „Bist du bereit?“, fragte Lyra. Ich nickte eifrig und bereitete mich auf die Verwandlung vor. „Es könnte weh tun", warnte sie. „Das ist deine erste Verwandlung.“ Ich wusste das bereits. Ich hatte gesehen, wie andere es durchmachten, ihre Qualen zu beobachten, als sich ihre Körper verdrehten und verwandelten. Ich war auf den Schmerz vorbereitet. „Ich werde mein Bestes tun, ihn zu lindern, aber wenn es zu viel wird, ruf Malakai. "Deine Gedankenverbindung sollte jetzt stärker sein.“ „Nein“, sagte ich fest. „Teile den Schmerz mit mir. Das ist etwas, das ich durchmachen muss. "Ich kann das schaffen.“ Lyra zögerte einen Moment, bevor sie bestimmt. Ich holte tief Luft und bereitete mich mental vor. Anders als bei den anderen musste ich meinen Wolf nicht erwecken – sie war bereits bei mir. Ich musste mich nur verwandeln. Schmerz schoss durch meinen Körper, wie Feuer in meinen Adern. Meine Knochen verdrehten sich und knacken, veränderten sich auf eine Weise, die ich nie für möglich gehalten hätte. Ich stürzte zu Boden, als sich meine Glieder verzogen, meine Haut brannte, während sie das Fell wich. Der Schmerz war scharf, aber nicht unerträglich. Ich wusste warum – Lyra nahm die Hälfte davon auf sich, schirmte mich vor dem Schlimmsten ab. „Bereit?“, fragte sie. „Ja!“ Mit einem letzten, qualvollen Ruck sprang ich nach vorn – auf allen vieren. Ich hatte es geschafft! Meine erste Verwandlung! Ich drehte mich im Kreis auf der Lichtung und nahm die Empfindungen meiner neuen Gestalt in mich auf. Alles war intensiver – schärfer, klarer. Der Wind trug tausend verschiedene Düfte zu mir, die Erde unter meinen Pfoten vibrierte vor Energie, und die Welt fühlte sich plötzlich… lebendig an. Das war der beste Geburtstag aller Zeiten. „Lass uns rennen!“, jaulte Lyra. Und das taten wir – schnell und wild, der Wald raste an uns vorbei, während wir in die Nacht sprinteten. Ich ließ Lyra die Kontrolle übernehmen, genoss die Macht, die durch uns floss. Die kühle Brise fuhr durch mein Fell und trug meine Sorgen . Ich fühlte mich frei. Wir rannten ziellos, bis ich beschloss, zu meinem Lieblingsbaum im Wald zu laufen. Nicht wegen Malakai, nicht, weil es unser geheimer Ort war – sondern weil die Aussicht atemberaubend war. Ein kleiner Bach spiegelte das Mondlicht wie verstreute Kristalle, und tagsüber blühten wilde Blumen ringsum, die den Ort zu einem Naturkunstwerk machten. Ich musste dort sein, wollte in seiner Ruhe baden. Doch als wir näher kamen, nahm ich einen unverkennbaren Duft wahr – Zedernholz. Mein Magen zog sich zusammen. „Verdammt!“ Er war hier. Wenn ich ihn riechen konnte, bedeutete das, es war schon nach Mitternacht, und er war ganz in der Nähe. Zu nah. Warum hörte er nie auf mich? Er war stur wie kein anderer. Lyra bog scharf ab, versuchte, zu entkommen, bevor er uns einholte. Doch es war sinnlos. Malakai war Alpha – niemand war schneller als er. Innerhalb von Sekunden holte uns sein Wolf, Soren, ein und stellte uns uns in den Weg. Wir kamen ins Rutschen und hielten an, gefangen zwischen seinen massiven Pfoten, während er über uns stand. Unsere Blicke trafen sich. Das Band zwischen den Gefährten klickte ein. Funken sprühten über meinen Körper, als er sich an Lyra schmiegte, seine Zunge ihr Fell streifte. Ich erschauderte, Erregung stieg in mir auf, trotz meines Widerstands. Das Band war zu stark. Mein Körper reagierte auf ihn, ergab sich, obwohl mein Verstand dagegen anschrie. Oh Göttin, hilf mir. Aber etwas war anders. Alles fühlte sich intensiver an – sein Duft, das Ziehen zwischen uns, die elektrische Spannung in meinen Adern. In unserem früheren Leben war es nicht so gewesen. Lag es daran, dass ich endlich meinen Wolf hatte? Ich hatte Lyra vorher nie gehabt. Vielleicht war das der Grund, warum alles stärker war – warum Widerstand unmöglich schien. Wenn dem so war, war das ein verlorener Kampf. Ich gehörte ihm. Und es gab kein Zurück. „Es tut mir leid“, murmelte Lyra. „Wofür?“, fragte ich verwirrt. Und dann verstand ich. Wieder durchfuhr mich Schmerz, als sich meine Knochen erneut verformten und schrumpften. Ehe ich reagieren konnte, war ich zurück in meiner menschlichen Gestalt. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Nein. Nein, nein, nein. Ich wusste, was passierte, wenn ein Wolf sich zurückverwandelt – und in welchem Zustand man danach war. Hitze stieg mir ins Gesicht, als ich versuchte, mich zu bedecken, aber es war zwecklos. Ich war völlig nackt – direkt vor Malakai. Seine dunklen Augen glitten über mich, die Pupillen geweitet. Ein tiefes, kehliges Knurren entwich seiner Brust. Ein langsames, wissendes Lächeln spielte um seine Lippen. Soren stupste mich erneut an, ließ wieder Funken über meine Haut fließen. Ich schloss fest die Augen, versuchte meine Reaktion zu unterdrücken, aber es war sinnlos. Ich konnte es nicht bekämpfen. Sogar Lyra war ihm verfallen. „Du riechst unglaublich, Camilla.“ Mir stockte der Atem. Meine Augen rissen sich auf, und ich schnappte nach Luft. Soren hatte sich verwandelt. Jetzt war es Malakai, der sich über mich beugte, sein warmer Atem an meinem Hals. Seine Lippen streiften meine Haut und jagten mir Schauer über den Rücken. Dann spürte ich etwas – heiß und fest – an meinem Oberschenkel. Oh Göttin. Panik durchfuhr mich. Mit all meiner Kraft stieß ich ihn von mir. Er stolperte zurück und landete mit einem dumpfen Schlag auf dem Boden, aber ich wartete nicht auf seine Reaktion. Ich rannte hinter den nächsten Baum, mein Herz raste, mein Körper brannte. Malakai war gefährlich. Zu gefährlich. „Warum versteckst du dich?“, seine Stimme war ein tiefes, amüsiertes Grollen. „Ich hab doch schon alles gesehen, Camilla.“ Ich biss mir auf die Lippe, presste mich gegen die raue Rinde und hoffte – betete – dass ich diesem Moment entkommen konnte. Aber ich kannte die Wahrheit. Es gab kein Entkommen vor Malakai. Nicht jetzt. Nicht je. „Du weißt schon, dass du Kleidung mitnehmen solltest, wenn du dich verwandeln willst, oder?“, hörte ich ihn sagen. „Ich könnte dir mein Hemd geben, wenn du willst. "Aber du musst es dir selbst holen.“ Großartig! Einfach großartig! Als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte. „Wir einfach das verdammte Hemd!“ „Und mir die Gelegenheit entgehen lassen, meine Gefährtin zu bewundern? Auf keinen Fall! "Komm raus.“ befahl er. Was zur Hölle! Ist er verrückt? „Nein !“, sagte ich entschieden. „Na schön! Dann gehe ich eben mit meinem Hemd. "Du musst dann nackt und ganz allein zurück zum Rudel laufen.“ Was?!
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