KAPITEL 2

1673 Worte
Ambers Sicht Ihre Worte trafen mich wie ein Güterzug, die Verwirrung traf mich mit voller Wucht ins Gesicht. Der Boden unter mir verschwindet. Ich kann nicht atmen. Ich kann nicht denken. 'Meine Tochter, Tiffany.' Diese Worte hallen so laut in meinen Ohren wider, dass es weh tut. „Was – was meinen Sie mit Ihrer Tochter, Tiffany?“, stammle ich, meine Lippen zittern vor Angst. Vor drei Jahren brachte Ryan die einjährige Tiffany mit nach Hause. Er erzählte mir, sie sei die Tochter seines entfernten Cousins, der bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Und ich habe ihn nie in Frage gestellt. Ich habe Tiffany wie meine eigene Tochter angenommen. Und selbst als er mich bat, meinen Job aufzugeben, um ihr die mütterliche Zuwendung geben zu können, die sie brauchte, tat ich das sofort. Aber nun ist das Baby, für das ich meine gesamte Karriere geopfert habe, plötzlich Jades Tochter? Ich drehe mich zu Ryan um. „Was zum Teufel ist hier los?“ Meine Stimme überschlägt sich gefährlich. „Und du sagst mir gefälligst die verdammte Wahrheit!“ „Entspann dich, Amber. Lass uns das wie vernünftige Erwachsene durchsprechen“, sagt Ryan. Woher nimmt er sich die Dreistigkeit, absoluten Unsinn zu verbreiten? Als ob das nicht genug wäre, beginnt er, den Abstand zwischen uns zu verringern und macht Anstalten, seinen Arm um mich zu legen. Ich bin zutiefst angewidert. Lass das in Ruhe durchgehen? Wie kann er nur so tun, als wäre das nichts Schlimmes? Die Wut blendet mich, und bevor ich mich beherrschen kann, reiße ich seine Hand weg und gebe ihm eine heftige Ohrfeige. "Ich sagte, gib mir verdammt nochmal eine Erklärung!" Ein gefährliches Funkeln huscht über seine Augen, als er seine geröteten Wangen hält. "Ich hab's für dich getan, Amber.", bellt er, Speichel spritzt. „Wie hätte ich dir denn sagen sollen, dass ich meine Seelenverwandte gefunden habe und dass sie von mir schwanger ist? Ich wollte nicht, dass du dich schlecht fühlst.“ „Ich habe dich so sehr geliebt, dass ich sogar mein Kind seiner Mutter weggenommen habe, nur damit du dich wie eine Mutter fühlst!“ Schock beschreibt nicht einmal annähernd, was ich gerade fühle. Dürfen Menschen so schamlos sein? Ich kann es nicht fassen, dass ich vier Jahre lang mit diesem widerlichen Versager verheiratet war. „Du hast mich meinetwegen betrogen?“ Wut schwingt in meiner Stimme mit. „Mach das zu einem Sinn, du verdammter Psycho!“ "Amber!", presst Ryan hervor, die Adern auf seiner Stirn treten hervor. „Glaubst du, du hast irgendein Recht, wütend auf mich zu sein? Ich habe dir alles gegeben! Geld, Komfort, Status! Vielleicht wäre das nie passiert, wenn du mich so befriedigt hättest, wie du es hättest tun sollen!“ Mir entfährt ein ungläubiger Ausruf. Ich kann nicht glauben, dass er das wirklich gesagt hat. Ich sehe Ryan an. Ich sehe ihn mir wirklich an und sehe einen Fremden. Einen jämmerlichen Fremden mit einem schwachen Kinn und zurückweichendem Haaransatz. Wie konnte ich nur vier Jahre lang so blind sein und seine wahren Absichten nicht erkennen? Er hat mich so lange zum Narren gehalten. Irgendwas in mir zerbricht. Es ist Zeit, seinen Spielchen ein Ende zu setzen. Warum sollte ich einem Mann nachtrauern, der mich nicht verdient? Warum sollte ich meiner narzisstischen Schwester die Genugtuung geben, mich zu verletzen? Der Schmerz in meinem Herzen lässt nach und wird durch eine kalte, klare Ruhe ersetzt. Ich wische mir die Tränen ab und schaue Ryan direkt in die Augen. "Ich will die Scheidung!" Die Worte klingen knackig, klar und endgültig. Ryan und Jade schnappen beide entsetzt nach Luft. Sie starren mich an, als hätte ich plötzlich zwei Köpfe. Dann kichert Ryan: „Das meinst du nicht ernst. Was kannst du schon ohne mich und mein Geld tun?“ Seine Worte treffen mich, und ich muss mich beherrschen, nicht zusammenzuzucken. Ich darf ihm nicht zeigen, dass mich seine Worte getroffen haben. „Du und dein Geld könnt in der Hölle schmoren, Ryan!“, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Mein Anwalt wird sich morgen bei dir melden!“ Ohne seine Reaktion abzuwarten, drehe ich mich um und gehe hinaus. Ich habe es satt, die unterwürfige Hausfrau zu sein, die sich von jedem herumschubsen lässt. Wenn Ryan denkt, ich wäre ohne ihn nichts, dann wird es Zeit, ihm das Gegenteil zu beweisen. **** Einige Minuten später sitze ich in einer Bar gleich um die Ecke und kippe gefährliche Wodka-Shots, in der Hoffnung, damit die letzten vier Jahre meines Lebens auszulöschen. Ich greife nach meinem letzten Wodkaglas, aber gerade als ich es an die Lippen setze, reißt mir eine Hand es aus der Hand. Mein Blick fällt auf eine Frau in einem knappen schwarzen Kleid, die ein Headset über den Ohren trägt. „Wo zum Teufel warst du, Suzy?“, faucht sie ihn an und sieht stinksauer aus. „Der VIP wartet schon. Ich rufe dich schon seit einer Stunde an!“ Ich runzle verwirrt die Stirn und hebe die Hand. "Tut mir leid, aber ich bin nicht –" „Keine Ausreden!“, faucht sie mich an und zerrt mich schon von der Bar; ihr Griff ist überraschend fest. Bevor ich überhaupt meine Gedanken ordnen kann, zieht sie mich mit sich in den Aufzug. „Du bist eine Stunde zu spät. Eine Stunde!“, schimpft sie weiter mit mir, während der Aufzug nach oben fährt und sich immer weiter von der Bar entfernt. "Weißt du, wie viel der Kunde pro Stunde zahlt? Das war nicht unsere Abmachung, als du gestern Abend verzweifelt um diesen Job gebettelt hast." Da dämmert es mir. Ich sehe wahrscheinlich aus wie eine der Stripperinnen, die hier arbeiten. Mondgöttin, kann meine Nacht noch schlimmer werden? „Hey!“, presse ich hervor und versuche, mich aus ihrem Griff zu befreien. Aber verdammt! Sie ist stark! „Mrs. Anderson!“, platze ich heraus. „Ich bin Mrs. Anderson, nicht Suzy.“ Nun ja, es gibt nur eine Familie Anderson in ganz Moonbloom, und das ist ein sehr großer Name. So sehr ich es auch hasse, mit Ryans Namen in Verbindung gebracht zu werden, ist dies das Einzige, was diese Frau vielleicht aus meinem Leben verbannen kann. Doch zu meinem Entsetzen wirft sie mir einen finsteren Blick zu. „Wenn du Mrs. Anderson bist, dann bin ich verdammt nochmal die Frau des Alphas! Bist du wahnsinnig geworden, Schlampe?“ Sie lässt mir nicht einmal Zeit zu antworten, sondern zerrt mich aus dem Aufzug in einen mit VIP gekennzeichneten Raum. Bevor ich protestieren kann, schiebt sie mich hinein und knallt mir die Tür vor der Nase zu. Ich schlage mit meinem Körper gegen die Tür und rüttele wie wild an der Türklinke, aber die Tür rührt sich nicht einmal. Mondgöttin, ich bin so verdammt. Ich stieß einen frustrierten Seufzer aus, drehte mich um und erstarrte im nächsten Moment, als mein Blick auf die dunkelsten Augen fiel, die ich je gesehen hatte. Der Mann lehnt an den Fenstern, seine scharfsinnigen, berechnenden Augen sind auf mich gerichtet, und zwar so, dass ich erschaudere. Verdammt! Diese Augen sind dunkel. Sehr, sehr dunkel, wie der Meeresgrund. Sein dichtes braunes Haar ist übertrieben nach hinten gegelt, sein Kinn trägt einen leichten Bartansatz, was ihm einen sexy-anrüchigen Look verleiht. Selbst seine Kieferpartie sieht so aus, als könnte man sich daran einen Papierschnitt zufügen, wenn man sie berührt. Alles an ihm ist gefährlich und überwältigend sexy. Es würde mich nicht mal wundern, wenn sein zweiter Vorname „Sex am Stiel“ wäre. Ich weiß einfach, dass er neu im Team ist. Denn es ist absolut unmöglich, dass jemand, der wie ein majestätischer Gott aussieht, nicht in den Moonbloom-Schlagzeilen gelandet wäre. Mein Blick fällt auf seine Lippen. Heiliges Paradies! Sie sind zu dieser sexy, dünnen Linie gezogen. Man merkt einfach, dass sie zum Küssen gemacht sind. Warten! Was zum Teufel stimmt nicht mit meinem Gehirn? Ich müsste eigentlich Todesangst haben. Ich wurde gerade in einen Deal hineingezogen, von dem ich absolut nichts weiß. Außerdem sieht dieser Mann eher gefährlich als sexy aus. Er ist sehr groß. Mindestens 1,88 Meter, und breitschultrig – so einer, der eine 1,70 Meter große Frau wie mich mühelos in zwei Hälften brechen kann. Doch statt Angst spüre ich ein Kribbeln der l**t, das mir den Rücken hinunterläuft. Es muss am Wodka liegen. Das muss jetzt wirklich die Wirkung einsetzen. Denn meine Augen können einfach nicht aufhören, über jedes einzelne, verführerische Detail an diesem Manns Körper zu wandern. Und da dämmert es mir. Dieser Mann ist fast nackt – bis auf das Tattoo, das perfekt auf seiner Brust sitzt und seine Bauch- und Brustmuskeln anspannt. Ansonsten ist es nur ein winziges Handtuch, das um seine Hüften gewickelt ist und so aussieht, als könnte es sich bei der geringsten Bewegung lösen. Heilige Scheiße, ich bin sowas von erledigt! Ist dieses Mädchen Suzy etwa nicht nur eine Stripperin, sondern eine Hure? Ich räuspere mich verlegen. „Mein Herr, die Sache ist die: Sie irren sich –“ „Pst“, er bringt mich mit dem Finger auf meinen Lippen zum Schweigen. Ich schnappe scharf nach Luft, fassungslos darüber, wie schnell er sich bewegt hat. Und...verdammt! Aus der Nähe sieht er noch viel verheerender aus, eine kleine Narbe verläuft quer über seine linke Augenbraue. Und diese Augen. Verdammt, diese Augen. Ich kann ihm nicht einmal direkt in die Augen schauen, sonst würde ich darin ertrinken. Oder vielleicht ertrinke ich bereits. Denn dieser umwerfend schöne Mann riecht unbeschreiblich gut – Moschus-Kölnischwasser vermischt sich mit seiner Körperwärme und berauscht meine Sinne gnadenlos. Alpha-Aura, ich spüre, wie sie sich um meine empfindlichsten Nervenenden legt. Er ist ein Alpha-Mann. Herrisch, triebhaft und verführerisch männlich! "Hmmm." Er krächzt, als ob er meine Gedanken hören könnte, sein Blick verdunkelt sich vor Verlangen. Dann senkt er den Kopf, seine Lippen nur noch einen winzigen Zentimeter von meinen entfernt. „Was hat dich denn glauben lassen, dass du mir wirklich entkommen könntest, Suzy?“, schnurrt er leise und bedrohlich, und mir läuft ein Schauer über den Rücken.
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