Kapitel 10

1330 Worte
***Alessandro*** Ich trat mit meinen beiden ständigen Begleitern, Tyson und Mikael, in den Club ein. Der grelle Lichtschein der Außenbeleuchtung verschwand sofort hinter uns, und wir wurden von der dröhnenden Musik und dem pulsierenden Rhythmus empfangen. Tyson, der immer wie ein Schatten an meiner Seite war, nickte dem Türsteher zu, der uns augenblicklich durch die Sicherheitskontrolle ließ. Mikael, der zweite Teil meines Sicherheitsteams, hielt einen respektvollen Abstand, war jedoch stets in Sichtweite. Der Club war ein schillerndes Labyrinth aus Farben und Geräuschen. Die Wände waren mit schimmernden LED-Streifen gesäumt, die in einem hypnotisierenden Muster wechselten, und die Luft war durchzogen von dem betörenden Duft eines teuren Parfums, das von den gut gekleideten Gästen und dem exklusiven Ambiente stammte. Wir wurden schnell zu meiner reservierten Lounge im VIP-Bereich geführt. Der Weg dorthin war gesäumt von neugierigen Blicken und gelegentlichen anerkennenden Kommentaren, die mich jedoch nicht weiter interessierten. Als wir schließlich die Lounge erreichten, ließ ich mich in den weichen Loungesessel sinken. Das satte Leder fühlte sich angenehm kühl auf meiner Haut an, und ich schloss für einen Moment die Augen, um den Stress des Tages von mir abfallen zu lassen. Die Gedanken an die 7530 Luxushotels, um die ich mich täglich kümmerte, kamen wie ein endloser Strom zurück. Es war eine Mammutaufgabe, diese Kette weltweit am Laufen zu halten, und obwohl ich mich an den hektischen Alltag gewöhnt hatte, forderte die Arbeit ihren Tribut. Kaum war ich in meinem Sessel angekommen, schien die Welt um mich herum lebendig zu werden. Die ersten Gäste meiner Lounge, darunter mehrere junge Frauen, näherten sich und begannen, sich um mich zu gruppieren. Ihre Blicke waren ein Mix aus Bewunderung und Neugier, und ich konnte mir vorstellen, dass die meisten von ihnen nur ein Stück vom glamourösen Leben abhaben wollten, das ich ihnen zu bieten hatte. Die Frauen waren in eleganten Kleidern gehüllt, die sich perfekt an ihre Körper schmiegten und das Licht der Clubbeleuchtung auf eine fast magische Weise reflektierten. „Guten Abend, Alessandro“, begann eine der Frauen, die besonders auffällig in einem tiefblauen Kleid gekleidet war. Ihr Lächeln war aufrichtig, aber in ihren Augen lag ein Funkeln, das ich nur allzu gut kannte. Sie streckte mir die Hand entgegen, und ich nahm sie lächelnd an. „Ich bin Sarah.“ „Guten Abend, Sarah“, antwortete ich höflich, „es freut mich, dich kennenzulernen.“ Während wir uns unterhielten, bestellte ich einen Wodka bei dem aufmerksamen Kellner, der meine Bestellung bereits zu kennen schien. Es war eine meiner Gewohnheiten, nach einem langen Tag in der Firma einen klaren Wodka zu genießen. Der Alkohol half mir, den Stress abzubauen und in den geselligen Teil des Abends einzutauchen. Sarah und ihre Freundinnen machten es sich um mich herum gemütlich. Die Gespräche waren leicht und unbeschwert, und ich ließ mich von der angenehmen Atmosphäre des Clubs mitreißen. Die Musik war laut, aber nicht unangenehm, und der Bass pulsierte in meinem ganzen Körper, während ich mich weiter entspannte. Es war eine willkommene Ablenkung von den unzähligen Meetings, den unermüdlichen Verhandlungen und den unzähligen E-Mails, die meine tägliche Routine bestimmten. Neben Sarah gesellten sich noch weitere Gäste zu uns. Ein paar Männer, die offensichtlich gut vernetzt waren, mischten sich in die Runde. Die Gespräche drehten sich bald um das neueste Trendthema der Stadt – ein aufsehenerregendes Immobilienprojekt, das sich als die nächste große Sensation ankündigte. Die Herren diskutierten leidenschaftlich über die Vorzüge und potenziellen Gewinne des Projekts, während ich mich zurücklehnte und versuchte, den Überblick zu behalten. Der Wodka kam, und ich nahm einen tiefen Schluck. Der klare, scharfe Geschmack breitete sich wohltuend in meinem Mund aus und ließ die letzten Spuren der Erschöpfung verfliegen. Um mich herum lachten die Menschen, tanzen und amüsierten sich, und ich ließ mich von dieser positiven Energie mitreißen. Einige der Frauen um mich herum begannen, sich näher an mich her anzulehnen, und ich konnte die Neugier und das Interesse in ihren Augen sehen. Sie versuchten, Gespräche mit mir zu beginnen, aber ich bemerkte, dass ihre wirkliche Absicht nicht unbedingt in den tiefgründigen Gesprächen lag. Die Verlockung des Glamours und des Luxus hatte sie hierhergebracht, und es war klar, dass sie sich ein Stück von diesem Glanz erhofften. Tyson und Mikael standen wie immer in der Nähe und beobachteten das Geschehen mit scharfem Blick. Ihre Präsenz war eine beruhigende Gewissheit, dass ich trotz der freundlichen Gesellschaft und der lockeren Atmosphäre immer sicher war. Es war ein notwendiges Übel, wie ich es manchmal nannte, aber ich wusste, dass es ohne diese ständige Wachsamkeit nicht gehen würde. Ich nahm einen weiteren Schluck von meinem Wodka. Der klare Alkohol brannte meine Kehle hinunter, heiß wie die Gedanken, die mich quälten. Die vertraute Wärme breitete sich in meiner Brust aus, doch sie war trügerisch, kaum mehr als ein schwacher Trost. Mein Blick glitt über die Tanzfläche, wo Körper wie von unsichtbaren Fäden gezogen in Trance wogten, verschlungen im Takt der pulsierenden Musik. Doch all das war nichts als ein Schatten, ein Rauschen am Rande meines Bewusstseins. Mein Fokus lag einzig auf ihr. Zum dritten Mal an diesem Tag durchfuhr ihr Anblick mich wie ein elektrischer Schlag, ein greller Blitz, der die Dunkelheit meiner innersten Gedanken zerriss. Ihr nachtschwarzes Haar schimmerte im zuckenden Licht der Scheinwerfer, wie ein dunkler Schleier, der Geheimnisse verbarg, die ich mit jeder Faser meines Wesens ergründen wollte. Ihre eisblauen Augen – wie ein unnahbarer, unendlich tiefer Ozean – verfolgten mich seit jenem ersten Augenblick, als ich sie vorgestern gesehen hatte. Ihre Blicke schienen durch mich hindurchzugehen, als würde sie meine Seele lesen, und ich fühlte mich entblößt, und doch unwillkürlich angezogen. Jetzt war sie hier, in meinem Hotel, als hätte das Schicksal selbst eine unausweichliche Linie zwischen uns gezogen. Jede Begegnung mit ihr ließ die Grenzen zwischen meinem Verstand und meinem Verlangen bröckeln. Ich war ein Mann, der gewohnt war, die Kontrolle zu behalten – über meine Arbeit, mein Leben, meine Gefühle. Doch sie brachte diese Kontrolle zum Wanken, ein Beben, das ich nicht ignorieren konnte. Ich wusste, dass ich mich ihr nähern musste. Aber es war kein einfaches Begehren, das mich antrieb, keine flüchtige Lust. Es war ein tiefer Drang, eine brennende Neugier, die mich von innen verzehrte. Wer war sie? Was verbarg sich hinter diesem Blick, der so unschuldig schien und doch eine Tiefe hatte, die an meine dunkelsten Abgründe rührte? Ich ließ meinen Blick nicht von ihr ab, mein Herz schlug schneller, während ich mit einem kaum merklichen Nicken Mikael, meinen treuen Schatten, anwies. Er verstand sofort. Seit Jahren an meiner Seite, kannte er meine unausgesprochenen Befehle besser als ich selbst. Zielstrebig glitt er durch die Menge, ein Raubtier, das seine Beute nicht aus den Augen ließ. Ich wartete, während die Sekunden sich zu Minuten dehnten, mein Puls wie ein Trommelschlag in meinen Ohren. Was würde sie tun? Würde sie kommen, oder würde sie zögern? Ich malte mir aus, wie sie näherkam, das Spiel von Neugier und Zurückhaltung in ihrem Blick. Doch tief in mir wusste ich: Sie war nicht wie die anderen. Sie war nicht hier, um beeindruckt zu sein von meinem Namen, meiner Macht oder meinem Geld. Etwas an ihr rief in mir die verzweifelte Sehnsucht hervor, mehr zu sein als die Fassade, die ich so mühsam aufgebaut hatte. Mit ihr wollte ich die Maske ablegen, wollte ich sein, wer ich wirklich war – oder wer ich einst gewesen sein könnte. Dann endlich sah ich sie. Mikael führte sie zu mir, so unauffällig wie ein Schatten. Sie kam näher, ihre Schritte vorsichtig, ihr Blick wachsam und durchdringend. Eine leichte Röte lag auf ihren Wangen, ihre Lippen leicht geöffnet – gerade genug, um eine Spur Nervosität zu verraten. Doch ihre Augen… diese Augen waren voller Fragen. Ich lehnte mich zurück, das Glas in meiner Hand, die Hitze des Wodkas längst vergessen. Meine Gedanken waren bei ihr. Bei dem, was jetzt kommen würde. Sie war hier, in meiner Welt, und für den Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich, als hätte ich etwas Unwiederbringliches entfesselt. So Venturi, it’s Showtime.
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