Kapitel 7

1282 Worte
Als die Dämmerung hereinbrach, erreichten sie eine alte Jagdhütte am Rand eines dichten Fichtenwaldes. Das Dach war halb eingestürzt, doch die Wände standen noch. Die Krieger machten sich sofort daran, das Innere herzurichten. Felle wurden ausgebreitet, ein Feuer entzündet. Draußen stellten Wachen auf. Liesel und Viktor zogen sich in den hinteren Teil der Hütte zurück, hinter eine provisorische Wand aus Fellen. Hier war es etwas wärmer. Er zog sie auf seinen Schoß, wickelte sie beide in einen dicken Pelz. „Deine Wunde“, murmelte sie besorgt und strich vorsichtig über die verheilende Bissstelle an seiner Schulter. „Ist fast nichts mehr“, sagte er. „Der Mondwolf... er heilt schneller.“ Sie sah ihn an. „Was war das heute Morgen? Dieses Leuchten? Diese Gestalt?“ Viktor schwieg lange. Dann seufzte er. „Ich weiß es nicht genau. Es war, als hätte etwas in mir gewartet. Etwas Altes. Etwas, das der Mond nur weckt, wenn der Bund wahr ist.“ Er legte eine Hand auf ihre Brust, genau über ihrem Herzen. „Es war dein Blut, das es rief. Dein silbernes Blut. Ohne dich wäre ich nur ein weiterer Alpha gewesen. Stark, aber nicht... das.“ Liesel legte ihre Stirn an seine. „Ich habe Angst, Viktor. Was, wenn sie mich im Sturmherzrudel nicht akzeptieren? Was, wenn sie mich immer noch als Bastard sehen?“ „Dann werden sie lernen“, sagte er ruhig. „Und wenn nicht, dann zeige ich es ihnen. Mit Zähnen, wenn es sein muss.“ Sie lächelte schwach. „Du bist unmöglich.“ „Und du bist mein.“ Er küsste sie langsam, tief. Der Kuss schmeckte nach Blut und Rauch und Zukunft. Ihre Hände wanderten über seinen Körper, suchten die Narben, die neuen Wunden, die alten Geschichten. Er zog ihr das weiße Kleid aus, vorsichtig, fast ehrfürchtig. Der Pelz fiel zur Seite. Ihre Haut glühte im Feuerschein. Er küsste jede Stelle, die er erreichen konnte. Ihre Schultern, ihren Hals, die empfindliche Stelle unter ihrem Ohr. Sie keuchte leise, als seine Zähne sanft über ihre Haut schabten. „Ich will dich markieren“, flüsterte er heiser. „Richtig. Für immer.“ „Dann tu es“, hauchte sie. Er drehte sie herum, sodass sie auf allen Vieren vor ihm kniete. Seine Hände umfassten ihre Hüften. Sie spürte ihn hart an ihrem Eingang, heiß und drängend. Langsam drang er ein. Zentimeter für Zentimeter. Sie bog den Rücken durch, ein leises Stöhnen entkam ihr. Der Bund flammte auf. Heller als je zuvor. Er begann sich zu bewegen. Erst langsam, dann schneller. Tiefer. Jeder Stoß sandte Wellen der Lust durch ihren Körper. Sie spürte ihn überall. In ihrem Blut. In ihrer Seele. Seine Zähne fanden die Stelle zwischen Hals und Schulter. Die Stelle, die für eine Markierung bestimmt war. „Sag es“, knurrte er. „Markiere mich“, flehte sie. „Mach mich zu deiner.“ Er biss zu. Der Schmerz war kurz, blendend, dann explodierte er in pure Ekstase. Sie schrie seinen Namen, als der Orgasmus sie überrollte. Er folgte ihr Sekunden später, ergoss sich tief in sie, sein Knurren vibrierte an ihrer Haut. Danach lagen sie eng umschlungen da. Die Markierung pochte warm an ihrem Hals. Ein silberner Halbmond, der im Feuerschein schimmerte. „Jetzt bist du wirklich meine Luna“, flüsterte er. „Und du mein Alpha“, antwortete sie. Sie schliefen ein, während draußen der Wind heulte und der erste Schnee fiel. Am nächsten Morgen war die Welt weiß. Der Schnee lag kniehoch. Die Krieger fluchten leise, während sie die Pferde freischaufelten. Torvald kam zu Viktor. „Der Pass könnte schwierig werden. Wir müssen höher hinaus, über den Kamm. Dort liegt der Weg frei, aber es ist riskant.“ Viktor nickte. „Wir gehen.“ Der Aufstieg war mörderisch. Der Schnee war pulvrig, die Pferde sanken tief ein. Liesel saß vor Viktor, seine Arme schützend um sie gelegt. Isolde ritt direkt hinter ihnen, Mara bei ihr. Die Heilerin murmelte leise Gebete zum Mond. Gegen Mittag erreichten sie den höchsten Punkt. Von hier aus konnte man weit nach Norden sehen. Eine endlose Kette aus Bergen, Tälern, Wäldern. Und irgendwo dort, verborgen zwischen schneebedeckten Gipfeln, lag das Herz des Sturmherzrudels. Die Festung aus schwarzem Stein, die seit Jahrhunderten stand. Plötzlich erstarrte Viktor. „Hörst du das?“, fragte er leise. Liesel lauschte. Zuerst nichts. Dann ein fernes Heulen. Nicht freundlich. Sondern warnend. „Wölfe“, sagte Torvald und zog sein Schwert. „Aber nicht unsere.“ Der Trupp formierte sich sofort. Liesel spürte, wie der Bund sich anspannte. Viktor stieg ab, half ihr herunter. Seine Augen leuchteten bereits silbern. „Bleib hinter mir“, sagte er. Aus dem Schneenebel tauchten Gestalten auf. Graue Wölfe. Mindestens zwanzig. Ihre Augen glühten rot. Keine normalen Tiere. Verfluchte. Oder Schlimmeres. Ein großer Wolf trat vor. Er verwandelte sich. Ein Mann mit langem, weißem Haar und einer Narbe quer über das Gesicht. Er trug einen Mantel aus Rabenfedern. „Viktor Sturmherz“, sagte er mit kalter Stimme. „Der Mondwolf. Wie... passend.“ „Wer bist du?“, fragte Viktor ruhig. „Nenn mich Silas. Ich bin der Sprecher der Vergessenen. Die, die der Mond verstoßen hat.“ Der Mann lächelte dünn. „Und wir sind hier, um zu holen, was uns zusteht.“ „Was wollt ihr?“, fragte Liesel und trat einen Schritt vor. Silas’ Blick fiel auf sie. Auf die frische Markierung. Seine Augen verengten sich. „Dich“, sagte er. „Die Silberne. Das Blut, das den Mondwolf erweckt hat. Ohne dich ist er nur ein Alpha. Mit dir... kann er alles sein. Und das lassen wir nicht zu.“ Viktor knurrte tief in der Kehle. „Sie gehört mir.“ „Dann nimm sie dir“, sagte Silas. „Wenn du kannst.“ Die Wölfe stürzten vor. Der Kampf begann. Viktor verwandelte sich sofort. Der silberne Schein breitete sich aus. Er war größer als je zuvor. Mächtiger. Liesel spürte den Bund wie einen Sturm in sich toben. Sie selbst hatte keine Klauen, keine Zähne. Doch sie hatte etwas anderes. Den Mond in ihrem Blut. Sie schloss die Augen. Konzentrierte sich. Der Bund sang. Laut. Hell. Und plötzlich spürte sie es. Eine Welle aus Licht. Aus Kraft. Sie hob die Hände. Silbernes Leuchten schoss aus ihren Fingern. Die angreifenden Wölfe jaulend zurück. Manche fielen, als hätte sie sie getroffen. Silas schrie auf, verwandelte sich ebenfalls. Ein riesiger weißer Wolf mit roten Augen. Viktor prallte auf ihn. Der Kampf war brutal. Zähne, Klauen, Blut im Schnee. Doch Viktor war stärker. Schneller. Der Mondwolf in ihm unbarmherzig. Mit einem letzten Biss riss er Silas die Kehle auf. Der weiße Wolf fiel. Die anderen wichen zurück. Jaulend. Fliehend. Stille kehrte ein. Viktor verwandelte sich zurück. Blutüberströmt, doch lebendig. Er ging zu Liesel, zog sie in die Arme. „Du hast es getan“, flüsterte er. „Du hast uns gerettet.“ „Ich habe nur... den Bund gerufen“, sagte sie zitternd. „Genug“, sagte er. „Mehr als genug.“ Isolde trat zu ihnen. Ihre Augen waren weit aufgerissen. „Was war das?“ „Die Legende wird größer“, murmelte Mara. „Nicht nur der Alpha. Auch die Luna trägt die Kraft des Mondes.“ Der Trupp sammelte sich. Die Verletzten wurden versorgt. Dann ritten sie weiter. Der Weg nach Norden war noch lang. Doch jetzt wussten sie: Sie waren nicht nur ein Paar. Sie waren etwas Neues. Etwas Mächtiges. Und nichts und niemand würde sie mehr trennen. Der Schnee fiel weiter. Die Berge schwiegen. Und in Liesels Brust sang das Lied des Bundes. Lauter. Heller. Ewiger.
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