"Schön, dass alle hier sind. Außer natürlich Belphegor, wieder einmal.", knurrte Satan und sah die Fürsten nacheinander an. "Wundert es irgendjemanden? Er macht seinem Titel als Fürst der Faulheit alle Ehre.", ergriff Asmodai das Wort, ein schelmisches Funkeln in den Augen. Der Fürst der Sünde Wollust rekelte sich am Stuhl, als wäre dies hier ein freundschaftliches Treffen, keine Ratsversammlung. "Gibt es hier auch etwas zu essen, oder hat unser Fürst der Völlerei bereits alles geplündert?", fragte er und sah dabei Beelzebub an, der ihn entzürnt über solch respektloses Verhalten, anfunkelte. "Du solltest nicht vergessen, wo dein Platz ist, Asmodai.", flüsterte er warnend, doch Asmodai zuckte bloß mit den Schultern. "Noch sind wir auf Augenhöhe, kleiner Prinz.", spottete er, als Satanas ihn plötzlich anfuhr: "Das reicht jetzt, Asmodai!" Sofort saß dieser gerade in seinem Stuhl und blickte Satan unschuldig an, der sich erneut mit ungeduldig funkelnden Augen zur Tür drehte. "Ich könnte ihn holen gehen.", bot Mammon, Fürst der Sünde Habgier, an, doch in diesem Moment schwang auch schon die Tür auf und Belphegor kam herein getaumelt. "Entschuldigt die Verspätung.", nuschelte er nur und ließ sich auf seinen Platz nieder. Während Beelzebub und Satanas ihn wütend anfunkelten, hoben Leviathan und Luzifer bloß eine Augenbraue, während Asmodais Augen amüsiert funkelten. Mammon saß mit neutraler Miene da, und wartete darauf, dass Satanas endlich den Grund ihres Kommens verriet, was dieser auch sogleich tat, nachdem nun endlich alle vollzählig anwesend waren. "Wir haben ein Problem. Mehrere, genau genommen. Drei Archangeloi sind von ihrem hohen Ross herabgestiegen und mischen sich nun in unsere Angelegenheiten ein. Das dürfen wir nicht gestatten." Mammon und Belphegor hoben überrascht die Augenbrauen und auch Asmodai entglitt das Grinsen. "Erzengel? Mehrzahl? Auf der Erde?", wiederholte er verblüfft und Leviathan nickte. "Sagte er ja.", antwortete sie an Satanas Stelle, der bloß die Arme verschränkte. "Das könnte Probleme geben. Erzengel mögen zwar für uns persönlich keine sonderlich große Gefahr darstellen, aber sie können uns sehr wohl ins Handwerk pfuschen, und unsere ganzen Bemühungen zunichtemachen. Alle was wir uns langsam im Laufe der Jahre aufgebaut haben, worauf wir hingearbeitet haben, könnte von ihnen zerstört werden.", murmelte Mammon nachdenklich. Alarmiert wanderte Belphegors Blick zu ihm. "Das dürfen wir nicht zulassen! Ich mühe mich da die ganzen Jahrzehnte über ab und dann soll alles umsonst gewesen sein?" Luzifer verdrehte die Augen. "Natürlich machst du dir darum die größte Sorge, nicht das die Anwesenheit der Erzengel unseren Plänen im Weg stehen könnten.", spottete er woraufhin Belphegor eine Grimasse in seine Richtung schnitt, welche Luzifer bloß mit einem herablassenden Lächeln quittierte. "Wenn ihr mit diesen Kinderleien fertig seid, könnten wir uns langsam um das Problem kümmern?", wies Leviathan sie genervt zurecht und sofort lag die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf ihr. "Vorschläge, Leviathan?", fragte Satanas sie interessiert. Die Fürstin des Neides legte einen Moment den Kopf schief ganz so als ob sie überlegen würde, ehe ein hinterlistiges Lächeln sich auf ihre Lippen stahl. "Allerdings.", flüsterte sie geheimnisvoll. Für einen Moment herrschte ein angespanntes Schweigen im Raum, ehe Asmodai die Stille durchbrach. "Weihst du uns auch ein oder sollen wir dir deinen Vorschlag von den Augen ablesen?", fragte er spöttisch und bekam einen vernichtenden Blick Leviathans, ehe sie sich wieder an alle wandte. "Es mag riskant sein, doch sollten wir damit Erfolg haben, löst es gleich zwei unserer Probleme auf einmal." Asmodai verdrehte die Augen. "Kryptisch. Geht es auch etwas präziser?" "Du solltest meine Geduld nicht überstrapazieren, Asmodai.", zischte Leviathan, und sofort zog dieser den Kopf ein und hob beschwichtigend die Hände. Ohne ihm eines weiteren Blickes zu würdigen beugte sich Leviathan vor, um die Anderen in ihren Plan einzuweihen.
Azrael stand im Schatten eines Baumes an der Spitze eines kleinen Hügels und betrachtete melancholisch die Menschen unter sich, die über die Wiese tollten, auf großen Decken saßen, aßen, lachten oder den Kindern beim Spielen zusahen. Die Szene hatte etwas friedvolles, diese Menschen schienen so glücklich zu sein. Es musste wahrlich ein Geschenk sein, unwissend zu sein, die Augen vor all dem Schrecken das in der Welt lauert verschließen zu können, nicht gezwungen zu sein, mit dem Wissen zu leben, zwischen zwei Fronten zu leben, die jeden Moment übereinander hereinbrechen könnten. "Man weiß nicht, ob sie einem leidtun sollen, oder ob man sie nicht doch besser beneiden sollte." Azrael unterdrückte ein genervtes Stöhnen und drehte sich zu Uriel um, der hinter ihm aufgetaucht war. "Kann es sein das ihr mich verfolgt?", fragte er, ohne auf seine Worte einzugehen. Uriel hob beschwichtigend die Hände. "Ich bin alleine.", meinte er, ohne Azraels Frage zu beantworten. Als er auch keine Anstalten machte dies zu tun, seufzte Azrael ergeben und wandte sich wieder der friedlichen Szene vor sich zu. "Ich frage mich wie viele der anwesenden Seelen schlussendlich in die Hände der Dämonen fallen werden.", murmelte Uriel und stellte sich ungefragt neben Azrael, der nur die Schultern zuckte. "Auch ich werde es erst herausfinden, wenn die Zeit gekommen ist.", antwortete er nur. Uriel betrachtete ihn aus dem Augenwinkel. "Du bist nur noch selten Zuhause, Bruder. Und wenn du das Himmelsreich besuchst, meist nur um die Seelen bei Gabriel abzuliefern und daraufhin gleich wieder zu verschwinden." Trotz der Tatsache das es wie eine Feststellung klang, war Azrael klar, dass es doch eher einem Vorwurf gleichkam. "Meine Aufgabe lässt mir nicht sonderlich viel Freizeit.", wich er geschickt aus. "Aber Zeit genug, um hier zu stehen und die Menschen zu beobachten?", gab Uriel spöttisch zurück. Azrael sah zu ihm. "Wer sagt das ich nicht auch jetzt arbeite?", flüsterte er und sah vielsagend zu einer Gruppe Menschen, die plötzlich anfingen Hilferufe auszustoßen. Eine alte Frau lag bewegungslos in der Wiese, umringt von Kindern, die ihren Namen riefen. "Entschuldige mich, die Pflicht ruft.", wisperte Azrael, ehe er den Hügel herab schritt, um eine weitere Seele seiner Sammlung hinzuzufügen. Er merkte das Uriel ihm nicht folgte, sondern unter dem Baum stehen blieb und ihm nachsah, und war seinen Bruder dafür unendlich dankbar. Dies war eine Aufgabe, eine Pflicht, die er nur allzu gerne allein verrichtete, denn so war es schon immer gewesen, und so wird es auch immer sein.