Kapitle 8: Gut oder Böse

1000 Worte
Azrael verstaute gerade die Seele in der goldenen Schatulle, als ihm ein Schauer über den Rücken lief. Etwas stimmte nicht. Er sah sich um, konnte jedoch nur Uriel am Hügel sehen, der nach wie vor geduldig dastand und Azrael aus der Ferne beobachtete. Nein, er war nicht allein. Hinter ihm erhob sich im Schatten eine zweite Gestalt. Auch Uriel muss die Präsenz gespürt haben, denn er wirbelte herum. Im selben Moment trat die Gestalt aus den Schatten und Asmodais Gesichtszüge wurden erkennbar. Für einen Dämon konnte man ihn wahrlich als gutaussehend bezeichnen, was ihm bei seiner Aufgabe als Fürst der Wollust nur zugutekommen konnte. Azrael beobachtete von weitem wie Uriel von Asmodai in ein Gespräch verwickelt wurde, und auch von der Ferne konnte man erkennen, dass die Konversation alles andere als freundlich ablief, auch wenn keiner der beiden Anstalten machte, den anderen zu attackieren. Kurz war Azrael dazu geneigt, zu den beiden hinüberzugehen, doch er wollte nicht riskieren in eine Streitigkeit zwischen Abgesandten des Himmels und der Hölle hinein gezogen zu werden, denn damit würde seine Neutralität schwer auf die Probe gestellt werden. Denn auch wenn er sich einredete, er wäre unparteiisch, war er sich nicht sicher, ob er nicht im Fall eines Kampfes zwischen Uriel und Asmodai, nicht doch seinem Bruder zur Seite stehen würde. Also zwang sich Azrael, sich von den beiden abzuwenden, breitete seine Flügel aus, und ließ Uriel schweren Herzens mit dem Fürsten der Hölle allein zurück. "Und da fliegt er, wie ich gesagt habe.", wisperte Asmodai mit einem bösen Lächeln und sah Azrael hinterher, der am Horizont immer kleiner wurde. Auch Uriel sah seinem Bruder hinterher, der ihn hier zurückließ, alleine, mit dem Dämonenfürst. "Im Stich gelassen vom eigenen Bruder. Gott, bin ich froh Einzelkind zu sein.", spottete Asmodai hämisch. Uriel wirbelte zu ihm herum "Wage es nicht den Namen des Herrn in den Mund zu nehmen.", knurrte er warnend. Asmodai lächelte bloß provokant. "Zwing mich doch dazu. Ich sage Gott so oft ich will. Gott, Gott, Gott, Gott." "Das reicht!", unterbrach Uriel ihn entzürnt, was Asmodai nur noch mehr zu amüsieren schien. "Es scheint ganz so als hätte Gott nichts dagegen wenn ich seinen Namen ausspreche, aber das ist doch nicht weiter verwunderlich, schließlich hält er sich schon seit Jahren aus Himmels-, Höllen- und Erden- Angelegenheiten raus. Hat den hochwohlgeborenen Seraphim alles übertragen, und genießt jetzt, was? Seinen Ruhestand?", provozierte Asmodai ihn weiter, während Uriel die Hände zu Fäusten geballt hatte, und versuchte die ansteigende Wut in ihm zu zügeln. "Rede weiter über ihn, und ich ziehe dich für deine Respektlosigkeit zur Rechenschaft.", drohte Uriel. Asmodai begann zu lachen. "Und löst somit einen Krieg aus? Bitte, nur zu, versuch es." Gelassen schlenderte er an Uriel vorbei und den Hügel hinab. Kaum kam er am ersten Paar vorbei, fielen die übereinander her, und während sich die Frau an den Mann klammerte, wie eine ertrinkende und ihre Lippen auf seine presste, stürmte ein anderer Mann, der wohl ihr Ehemann zu sein schien, heran um dem fremden Mann, der es wagte, seine Frau zu küssen eine reinzuhauen, und schon herrschte Chaos, wo einst ein idyllischer Frieden herrschte. Während Uriel versuchte, die Menschen durch das ein oder andere beruhigende Wort wieder zur Vernunft zu bringen, lachte Asmodai zufrieden. "Die Menschen machen es einem zu leicht. Hochmut, Habgier, Wollust, Neid, all die Sünden schlummern bereits in ihnen, und es braucht nur einen winzigen Funken, um das Feuer zu entfachen. Kein Wunder, dass die Ausbeute an Seelen für den Himmel in den letzten Jahren immer magerer wurden, während die Hölle floriert!", rief Asmodai, und Uriel wandte sich überrascht zu ihm. "Woher wisst ihr das?", flüsterte er fassungslos. Asmodais Grinsen wurde breiter. "Na woher wohl?", gab er zurück, breitete die Arme aus und wedelte mit ihnen, als wolle er Flügel darstellen. Uriel schüttelte den Kopf. "Azrael würde niemals Partei für die Hölle ergreifen. Als ob ich den Worten eines Dämons Glauben schenke, der behauptet, einer von uns, mein Bruder, wäre ein Verräter." Asmodai zuckte gleichgültig mit den Schultern. "Das ist so eine Sache mit dem Glauben. Aber es wäre doch nicht das erste Mal, das sich ein Erzengel gegen euch wendet. War nicht auch Samael einst dein Bruder, bevor er Luzifer folgte und sich uns anschloss. Und was ist mit Murmur? Einst ein Ophanim, nun Herzog der Hölle und einer unserer größten Legionsgeneräle. Oder Luzifer selbst, auch er wechselte die Seiten. Ganz zu schweigen von Leviathan, war sie nicht sogar eine Seraph, bevor sie beschloss Königin der Hölle zu werden. So viele Engel verließen bereits den Himmel und schlossen sich der Hölle an, doch es gab noch keinen einzigen Dämon, der beschloss, die Hölle für den Himmel zu verlassen. Das sagt doch wohl schon einiges aus." "Ich werde mir deine Lügen nicht weiter anhören.", rief Uriel und ließ seiner Wut freien Lauf. Er breitete seine Flügel aus und die Aura der Macht, die ihn plötzlich umgab, ließ selbst Asmodai ein wenig zurückweichen, doch es brachte ihn nicht dazu, sein breites Grinsen abzulegen. "Flieg davon vor der Wahrheit, Uriel, doch denke stets an meine Worte. Denke stets daran, wie viele Engel ihr verlieren werdet, sollte es zum Krieg kommen, und da rede ich nicht davon, dass wir sie vernichten, nein, sie werden sich uns freiwillig anschießen. Angefangen bei Azrael, und wer weiß welchen Erzengel wir noch auf unsere Seite ziehen.", rief er Uriel hinterher, während dieser in den Himmel schoss, um den Fürsten der Hölle und seine giftigen Worte hinter sich zurückzulassen. Asmodai sah dem Engel nach wie er zwischen den Wolken verschwand, ein triumphierendes Lächeln auf seinen Lippen. "Das klappte ja wunderbar.", flüsterte eine Stimme hinter ihm. Asmodai drehte sich zu Belial um, der aus dem Schatten heraustrat, den Kopf ebenfalls gen Himmel gereckt, um dem entzürnten Erzengel hinterher zu sehen. "Ich muss mich wohl für die Worte bedanken, die du mir zurechtgelegt hast.", meinte Asmodai dessen Blick wieder gen Horizont wanderte. Belial sah zu ihm, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. "Oh, du weißt ja, ich helfe immer wieder gerne."
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