Sie versuchte zu gehen. Mehrmals. Doch immer, wenn sie dachte, sie hätte es geschafft, zog er sie zurück. Manchmal mit Worten, manchmal mit Schweigen. Er wusste, wie er sie finden konnte, selbst in den Momenten, in denen sie sich selbst nicht finden konnte. Und Ayla? Sie wusste, dass es falsch war, dass sie sich auf einen Pfad begab, der sie beide zerstören würde. Aber sie wusste auch, dass sie ohne Daniel bereits verloren war. Manche Verbindungen waren toxisch, aber unzertrennlich. Sie waren wie zwei Hälften eines dunklen Spiegels – zerbrochen und doch eins. „Du wirst mich immer hassen", flüsterte Daniel eines Nachts, als sie in seinen Armen lag. „Ja", gab sie zu. „Aber ich werde dich auch immer lieben." Und so tanzten sie weiter, an der Grenze zwischen Verlangen und Zerstörung, zwischen Leben und Abgrund – ein toxisches, unentwirrbares Band, das sie nie loslassen konnten.
Der letzte Vorhang
Die Nacht war kalt, und die Stadt lag unter einem dichten Schleier aus Regen und Nebel. Ayla hatte Daniel ein letztes Mal getroffen, obwohl alles in ihr geschrien hatte, dass sie es nicht tun sollte. Sie wusste, dass dies das Ende sein musste – für beide. Daniel hatte es gespürt. Er saß auf seinem Ledersessel, ein Glas Whiskey in der Hand, während er sie mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht betrachtete. „Du bist heute anders", bemerkte er leise. „Ich bin müde, Daniel", sagte Ayla. Es war das erste Mal, dass ihre Stimme so ruhig klang, fast gelöst. Er lehnte sich zurück, doch die Spannung in seinen Schultern verriet ihn. „Das hast du schon einmal gesagt. Und trotzdem bist du hier."„Weil ich heute das letzte Mal hier bin." Für einen Moment war nur das Prasseln des Regens zu hören, der gegen die Fenster schlug. Daniels Augen wurden schmal, seine Fassade aus Selbstsicherheit begann zu bröckeln. „Du kannst mich nicht verlassen", sagte er schließlich, seine Stimme tiefer und kälter als sonst. „Doch", flüsterte Ayla. „Und diesmal tue ich es nicht für dich, sondern für mich."
Die Entscheidung
Daniel versuchte, die Kontrolle zu behalten, doch sein Inneres war ein Sturm. Sie konnte es an der Art sehen, wie er das Glas in seiner Hand drehte, an der Anspannung in seinem Kiefer. „Du verstehst nicht, was du da sagst", begann er, doch Ayla unterbrach ihn. „Doch, Daniel. Ich verstehe es besser als du. Wir beide zerstören uns gegenseitig. Und ich kann so nicht weiterleben." „Du lebst wegen mir!" Seine Stimme wurde lauter, schärfer, voller Verzweiflung. „Ich habe dir gezeigt, wer du bist. Ohne mich wärst du nichts!" „Vielleicht", sagte Ayla und stand auf. „Aber ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen." Daniel sprang auf und packte sie am Arm, seine Augen dunkel und unberechenbar. „Du wirst es nicht schaffen. Du brauchst mich, Sophie." „Und was, wenn ich es nicht schaffe?" Ihre Stimme war leise, aber fest. „Dann ist das meine Entscheidung. Nicht deine."