Kapitel 2

1462 Worte
Mein Seufzen stockte zu einem zitternden Zucken. Fragmente, flüchtige Blicke auf den früheren Moment flackerten durch meinen Geist, bevor sie sich zu einem entsetzlich vollständigen Bild zusammensetzten. Mein Vater, meine Stiefmutter und Ronan, mein Stiefbruder, standen vor mir. Alles kam zurück. „Ich habe nachgesehen“, sagte meine Stiefmutter, „sie ist noch intakt. Nur wenn sie mehr Zeit gehabt hätte, wären wir in Gefahr gewesen.“ Ronans Stimme, durchzogen von einem Grinsen, schnitt durch die Luft. „Sie hätte ihre Jungfräulichkeit an den … Dildo verloren.“ Mein Vater lachte trocken und rasselnd. „Danke, Ronan. Dass du ihn gefunden hast.“ Er klopfte Ronan auf die Schulter. Ich versuchte aufzustehen, und die plötzliche Bewegung brachte einen scharfen Stich in meinen Handgelenken. Gefesselt. Ich war gefesselt, an einen Stuhl gebunden. „Was?“, murmelte ich. Mein Vater trat näher und flüsterte: „Wir müssen dich fesseln. Ein Auto wurde geschickt, um dich abzuholen. Ich werde nicht zusehen, wie du mich vor Alpha-König Maguire entehrst.“ „Was?!“, rief ich aus – es war keine Frage. „Ja, du verlässt dieses Haus heute.“ „Und genau das werde ich tun“, schrie ich. „Ich werde dich entehren, Vater.“ Seine Hand schoss hervor und traf meine Wange mit brutaler Kraft. Schmerz explodierte in meinem Kopf. Es war ein blendend weißer Blitz, gefolgt von einem dröhnenden, pochenden Schmerz, der mir den Atem raubte. Es war nicht nur körperlich; es war das erdrückende Gewicht seiner Ablehnung, die jahrelange stille Misshandlung, die endlich Stimme bekam in dem brennenden Stechen über mein Gesicht. Langsam hob ich den Kopf. Ich wollte weinen, doch ich schaffte ein geisterhaftes Lächeln. „Du hast einen Bastard deiner Tochter vorgezogen, ihn zu deinem Erben gemacht. Und bald wirst du das bereuen …“ Ein weiterer Schlag landete, diesmal härter. Mein Kopf schnappte zur Seite. Sterne tanzten hinter meinen Lidern, die Welt kippte gefährlich. Der Geschmack von Blut füllte meinen Mund, vermischte sich mit dem bitteren Geschmack meiner Demütigung. „Jetzt glaube ich an Verhexung, Vater“, murmelte ich. „Du bist verhext worden.“ Der dritte Schlag landete – ein letzter, brutaler Punkt seiner Ablehnung. Ich schrie nicht auf; der Schmerz war ein dumpfes Brüllen im Vergleich zu dem brennenden Schmerz in meinem Herzen. „Vorwärts“, spuckte mein Vater. „Ich will dich nie wiedersehen.“ „Sie sind da“, sagte meine Stiefmutter und spähte durch die Jalousien. „Ronan, hol sie rauf“, befahl mein Vater. Ronan eilte eifrig die Treppe hinunter. Ich senkte den Kopf. Die Tränen, die ich zurückgehalten hatte, flossen endlich über. Es war nicht der Schmerz der Ohrfeigen, der mich brach; es war nicht die Demütigung, wie ein wertloses Gut verkauft zu werden. Es war die erdrückende Einsamkeit, die trostlose Leere, die mich ganz zu verschlingen drohte. Der Gedanke, allein auf der Welt zu sein, ohne jemanden, der sich um mich kümmerte, ohne jemanden, der mich liebte – das war die wahre Qual. Alles, weil ich niemanden hatte, den ich Mutter nennen konnte. Wenn ich mit meinem Schicksalsgefährten verheiratet worden wäre, wäre mein Wolf gereift; ich hätte mein Rudel aufbauen können. Ich hätte eine Zukunft gehabt, eine Chance, mein Schicksal selbst zu gestalten. Aber jetzt? Ich würde eine Spielfigur sein, benutzt und weggeworfen. Und schlimmer, es war das Ende meiner sorgfältig geplanten Rachefantasie – ein Rudel zu haben und zurückzuschlagen. Jeder Schritt, der die Treppe heraufkam, war ein Countdown zu meinem Schicksal. Ich wusste, was mich erwartete – ein Leben in Knechtschaft und Erniedrigung, ein Schicksal schlimmer als der Tod. Ich würde Alpha-König Maguire heiraten, einen mächtigen Mann, bekannt für seine Grausamkeit und völlige Missachtung der Gefühle anderer. Ein Mann, dessen Ruf allein mich mit eisigem Schrecken erfüllte. Meine Träume von Rache würden erlöschen. Ich würde durch Schwangerschaft und Geburt gebrochen werden. Ich schloss die Augen, und eine einzelne Träne zog eine Spur über meine Wange. Ich hörte die Tür aufgehen und seufzte. „Es ist vorbei“, flüsterte ich mir selbst zu. „Grüße, Alpha-Prinz Jonathan“, hörte ich meinen Vater sagen. „Willkommen“, fügte meine Stiefmutter hinzu. „Wir freuen uns, Sie hier zu haben“, stimmte Ronan ein. Jonathan jedoch schien nicht getäuscht. Ich hörte seine Schritte. Er ging im Haus auf und ab. „Ihr freut euch wirklich, uns zu haben?“, fragte er. „Ja, mein Prinz“, hörte ich die Stimme meines Vaters. Jonathan erwiderte: „Familien sind normalerweise nicht so … fröhlich, wenn sie ihre Töchter als Ehefrauen an meinen Vater abgeben. Warum diese Freude hier?“ Ich erkannte die völlige Nutzlosigkeit meiner eigenen Familie. Sie waren glücklich, mich als Sexpuppe wegzuschicken. Mein Vater räusperte sich. „Elara … ist nutzlos. Unmoralisch. Ich tue ihr einen Gefallen, indem ich sie ins angesehenste Haus des Clans schicke.“ Langsam hob ich den Kopf. Die Bewegung sandte eine neue Welle von Schmerz durch meine Handgelenke. Ich wollte einen Schwall von Flüchen entfesseln, meinen Vater und die anderen zerreißen, ihre Heuchelei und Grausamkeit entlarven. Doch mein Blick blieb hängen, gefangen vom Anblick Jonathans. Er war atemberaubend. Der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Vielleicht ein Gott. Groß und kraftvoll gebaut, mit langen, schlanken Gliedmaßen, die sowohl Stärke als auch Anmut andeuteten. Seine Züge waren markant: hohe Wangenknochen, ein starkes Kinn, Augen in der Farbe eines stürmischen Meeres und ein fesselnder Mund, der zugleich sinnlich und ernst war. Ein einfaches, elegantes Tattoo umschloss seinen Hals, ein Zeugnis seiner Herkunft, seiner Macht, seiner Identität. Er war der schönste Mann, den ich je gesehen hatte, eine Vision, die die Grenzen des schäbigen Zimmers und die brutale Realität meiner Situation überstieg. Zum ersten Mal keimte ein rebellischer Gedanke in meinem Herzen auf, ein stiller Wunsch, den ich mir selbst zuflüsterte: Ich wünschte, ich würde ihn heiraten, nicht seinen Vater. Doch die Logik meldete sich wieder, eine bittere Erinnerung, dass ich gehandelt wurde, nicht gewählt. Er war der Alpha-Prinz; ich würde die Braut des Alpha-Königs sein. „Sie ist hübsch“, kommentierte Jonathan, sein Blick verweilte einen Moment länger auf mir als nötig. „Aber nutzlos“, warf meine Stiefmutter ein. Jonathans Ausdruck wurde ernst. „Ist sie Jungfrau? Wenn nicht, wird Vater sie in Stücken zurückschicken.“ Mein Vater antwortete: „Sie ist Jungfrau.“ Jonathans Blick wanderte zurück zu mir. „Ich muss es herausfinden.“ Er bewegte sich auf mich zu. Seine langen Beine fraßen die Distanz zwischen uns. Nah bei mir beugte er sich. Sein mächtiger Körper überragte meine kleine, gefesselte Gestalt im Stuhl. Seine Hände, groß und stark, ruhten zu beiden Seiten von mir, und der raue Stoff seiner Hose streifte meine Haut. Er beugte sich näher, und ich spürte seinen warmen Atem an meinem Ohr. Aus nächster Nähe konnte ich seine Züge sehen. Seine Augen, als er sie hob, um mich anzusehen, waren weich, mit einem Schimmer von Mitgefühl, dachte ich. Er hob mich ein wenig an, seine Berührung leicht, aber invasiv. Er streckte eine Hand aus und seine Finger tauchten in meinen Innenschenkel, zeichneten die zarte Kurve meines Beins nach. Ich keuchte. Ein scharfer Atemzug blieb in meiner Kehle stecken. Es war nicht nur die körperliche Empfindung; es war etwas viel Tieferes, ein Schock, der durch mein ganzes Wesen vibrierte. Seine Berührung fühlte sich … anders an. Es fühlte sich an, als würde seine Hand meine Seele berühren, als würden seine Finger etwas viel Tieferes als Haut und Knochen streifen. Ich hatte unzählige Geschichten von Schicksalsgefährten gelesen, von der seelentiefen Verbindung, die nur wahre Liebe schmieden konnte, und der seltsamen Energie, die zwischen solchen Bindungen zu fließen schien. Ein Gefühl von Erkenntnis, von Zugehörigkeit, überkam mich. Ich fragte mich, ob das so war, wie sich die Berührung eines Gefährten anfühlte, wie es sich anfühlte, wirklich erkannt, wirklich gesehen zu werden. Doch meine Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als seine Finger meinen Slip zur Seite schoben und meinen Kitzler fanden, sanft über die empfindliche Knospe strichen. Dann zeichneten seine Finger die Naht meines Eingangs nach. Ich zuckte vor, mein Körper bäumte sich gegen die Fesseln auf. Ein Keuchen entkam meinen Lippen, roh und unwillkürlich. „Du bist nass“, murmelte Jonathan. „Ja“, flüsterte ich. Er sah mich an, sein Ausdruck für einen Moment unlesbar, bevor ein langsames, fast unmerkliches Lächeln seine Lippen berührte. Da bemerkte ich, dass er weiche Grübchen hatte. „Sie ist Jungfrau“, stellte er fest, seine Stimme bestätigte die Behauptung meines Vaters, während ein Hauch von Belustigung in seinen Augen flackerte. „Packt sie ein. Wir gehen.“ Er wandte sich an die beiden Männer, die schweigend hinter ihm standen. „Ich wünschte, ich wünschte, er würde rebellieren und mich für sich selbst nehmen“, flüsterte ich mir zu.
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