Kapitel 3-2

1149 Worte
Es war bereits dunkel, als sie sich hinunterteleportierten. Sie hatten beschlossen, den Schutz der Dunkelheit auszunutzen. Die Dunkelheit machte ihnen nichts aus. Sie ließen sich einfach von ihren Drachen helfen, die nachts genauso gut sehen konnten wie am Tag. Kelan suchte die Wiese ab, auf der Zoran gelandet war. Er musste seinen Drachen fast schon festbinden, um ihn unter Kontrolle zu halten. Das Einzige, was bis jetzt funktioniert hatte, war, ihm anzudrohen, dass er auf dem Kriegsschiff bleiben und jemand anderen losschicken würde. Erst dann hatte sich sein Drache endlich etwas beruhigt und sich zusammengerissen. Sein Symbiont lief über die Wiese und kundschaftete sie langsam und ohne wirkliches Interesse aus. Kelan hatte in letzter Zeit eine Veränderung an seinem Symbionten bemerkt und war etwas besorgt. Er hatte noch nie gehört, dass ein Symbiont seinen Lebenswillen verloren hatte, da seine Essenz mit seiner eigenen verbunden war, doch sein Symbiont lag immer öfter nur noch herum und beobachtete die anderen Symbionten und ihre Krieger. Er suchte nicht mehr aktiv die Gesellschaft der anderen Symbionten auf dem Kriegsschiff, so wie früher. Kelan machte sich im Geiste eine Notiz, Zoran zu bitten, in den Wissensarchiven nachzusehen, ob er darin etwas über die Symptome finden konnte, die sein Symbiont zeigte. Als Herrscher der Valdierer war Zoran der Einzige, der Zugang dazu hatte, da dort angeblich die Herkunft der Symbionten erklärt wurde. Kelan ging zu Trelon und Zoran hinüber. Er war so in Gedanken, dass er die plötzliche Veränderung an Zoran erst gar nicht bemerkte, bis Trelon etwas sagte. Prüfend musterte Kelan das Gesicht seines älteren Bruders, um zu sehen, ob er irgendwie anders aussah, nun da er eine wahre Gefährtin hatte. „Zoran, ist alles in Ordnung?“, fragte Trelon. Wenn er sich den Gesichtsausdruck seines Bruders so ansah, der erst benommen und dann plötzlich erleichtert und freudig dreinblickte, konnte er diese Frage wohl mit „ja“ beantworten; er hatte sich definitiv verändert. Er hatte gar nicht gewusst, dass Zoran auch mal nicht ernst und reserviert sein konnte. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich vollkommen, als er auf Trelons Frage antwortete. Zoran sah Trelon an, als ob er gerade aus einer Trance erwacht wäre und lächelte über das ganze Gesicht. „Sie ist wieder da.“ Kelan grinste Zoran an. Trelon musste die Veränderung ebenfalls bemerkt haben, denn auch er hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Kelan unterdrückte ein Kichern, als er sah, wie Zorans Drache sich bemühte, hervorzukommen. Er wollte seine Gefährtin. Er ist nicht der Einzige, der gerne seine Gefährtin sehen würde, sagte Kelans Drache sarkastisch. Überrascht zuckte Kelan zusammen. Seit wann war sein Drache sarkastisch? Was zur Hölle ging hier vor? Erst lief sein Symbiont herum, als ob er seinen besten Freund getötet hätte und jetzt wurde auch noch sein Drache pampig. Wann hatte er die Kontrolle über seine anderen Teile verloren? Er verlor doch sonst nie die Kontrolle! Er war für seine strikte Selbstdisziplin bekannt. Tatsächlich sprachen die Krieger immer noch voller Ehrfurcht über sein Talent, jeder Situation Herr zu werden, egal wie schwierig oder gefährlich sie auch sein mochten. Außerdem war er dafür bekannt, alle Herausforderungen zu meistern, egal wie ausweglos sie schienen. Er hatte sich immer wieder bewiesen, nicht nur während der Drei Kriege, sondern auch davor und danach. Ja, aber keine dieser Fähigkeiten haben uns geholfen, eine Gefährtin zu finden, oder?, gab sein Drache wütend zurück. Halt die Klappe, okay?, dachte Kelan erzürnt. Konzentrier dich einfach darauf, Zoran und seine Gefährtin von diesem Planeten wegzubringen oder ich schwöre, ich lasse dich einen Monat lang nicht raus, sobald wir wieder zurück sind. Es waren zwar nur leere Drohungen, doch Kelan wusste langsam nicht mehr, wie er seinen Drachen zum Schweigen bringen konnte, um ein paar Sekunden Ruhe zu haben. Kelans Symbiont kam einfach nur zu ihm, legte sich neben seine Füße und ignorierte die Auseinandersetzung zwischen Kelan und seinem Drachen. Zoran lächelte und sagte erleichtert: „Schon bald werdet ihr meine wahre Gefährtin kennenlernen.“ Kelan sah zu, wie sein kleiner Bruder Zoran ärgerte. Als Trelon Kelan spielerisch gegen den Arm boxte und wollte, dass er Zoran packte, schüttelte Kelan nur grinsend den Kopf. Sie hatten schon lange nicht mehr miteinander gekämpft. Die fünf Brüder hatten sich als Kinder sehr nahegestanden und hatten sich oft in Schwierigkeiten gebracht. Ihre Eltern hatten mehrmals vergeblich versucht, sie zu trennen, wenn sie sich besonders schlimm aufgeführt hatten. Davon hatten sie sich jedoch nie aufhalten lassen. Sie hatten sich dann einfach verwandelt und waren in den dichten Wald geflogen, der ihren Planeten bedeckte. Kelan kicherte, als Trelon die Hände nach Zoran ausstreckte. Plötzlich wurde Zoran jedoch ganz still und runzelte angespannt die Stirn. „Abby kommt nicht alleine. Drei Frauen sind bei ihr“, brummte Zoran. „Vielleicht bringt sie unsere wahren Gefährtinnen mit“, neckte Trelon ihn. „Ich bin zwar noch nicht bereit dafür, aber vielleicht hätten Kelan, Mandra und Kreon gerne eine. Ich muss mich noch etwas austoben, bevor ich mich auf eine Frau festlege.“ Kelan legte lachend seine Hände um Trelons Hals und stellte sich vor, es wäre der seines Drachens, da das verdammte Ding bei der Vorstellung, seine potentielle Gefährtin zu treffen, erfreut aufbrüllte. Während Kelan versuchte, seinen Drachen wieder unter Kontrolle zu bringen, konnte er es sich nicht verkneifen, Trelon etwas aufzuziehen. „Du hältst dich wohl für einen Drachenbullen, dass du glaubst, so viele Frauen befriedigen zu können. Es müssen schon viele sein, denn keine hält es allzu lange mit dir aus.“ Trelon reagierte genauso auf Kelans Kommentar, wie Kelan erwartet hatte, nämlich indem er versuchte, ihn zu schlagen. Kelan war zwar etwas größer und ein Jahr älter als Trelon, aber Trelon war entschieden breiter und muskulöser. Kelan hatte sich gerade umgedreht, um sich aus Trelons Griff zu befreien, da ertönte Zorans wütendes Brüllen. Im Nu verwandelte er sich und rief nach seinem Symbionten. Rasch wurden seine Arme, Beine und seine Brust von einer goldenen Rüstung bedeckt. Er stieg in die Luft, bereit für den Kampf. * * * * Aufmerksam hörte Kelan dem Gespräch seiner beiden Brüder zu. Er bereute sofort, dass er die anderen Krieger wieder zum Kriegsschiff zurückgeschickt hatte. Doch falls es nötig sein sollte, konnte er sie wieder zurückrufen. Bis er wusste, was los war, wollte er seine Männer nicht in Gefahr bringen. Als Zoran gesagt hatte, dass seine wahre Gefährtin angegriffen worden war, hatte er sich Strategien überlegt, um sie zu retten. Soweit sie sehen konnten, war nur ein Mann darin verwickelt. Es war also nicht nötig, mehr Unterstützung anzufordern. Ein primitiver Mann würde es mit drei talentierten Kriegern nicht aufnehmen können. Mithilfe seines Symbionten benachrichtigte Kelan die V’ager, um sie für einen schnellen Abflug vorbereiten zu lassen. Außerdem sollte medizinische Versorgung bereitgestellt werden, falls Zorans Gefährtin behandelt werden musste. Um das Wohlergehen des Mannes, der sie entführt hatte, machte er sich keine Sorgen. Wenn es nach Kelan ging, war er bereits tot.
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