Kapitel 8

1485 Worte
Ich war auf dem Heimweg von der Schule. Es war der letzte Tag meines Abschlussjahres, und wie es Tradition ist, wurden wir früher entlassen. Es war ein schöner Frühlingstag, und anstatt auf Adam zu warten, der mich abholen sollte, beschloss ich, durch den Wald zu meinem geheimen Ort zu gehen. Auf dem Gipfel des Berges floss ein Wasserfall in ein kleines Becken. Ich hätte es besser wissen müssen. Ich hätte auf Adam warten sollen, dann wäre das alles nicht passiert. Ich stand da und bewunderte die schöne Aussicht auf das Wasser, das den Berg hinunterrauschte und sich in der blaugrünen Schlucht am Fuße des Berges sammelte. Ich atmete den frischen Duft der Kiefern ein, der sich mit den verrottenden Blättern vermischte, die den Waldboden bedeckten. Der Geruch war beruhigend, denn er roch nach Sicherheit vor der Grausamkeit der Welt. Es war wie meine eigene kleine geheime Welt hier. Ich zog mich aus und kicherte, bevor ich in das eiskalte Bergwasser sprang. Das eiskalte Wasser beruhigte mich und brachte das tobende Inferno der Angst zum Schweigen, das immer knapp unter der Oberfläche brodelte. Ich schwamm und trieb in dem ruhigen Becken umher, bevor ich zum Wasserfall schwamm und die Felsen hinaufkletterte, die zu meinem Zufluchtsort führten. Hinter dem Wasserfall befand sich eine kleine Höhle, die vom Rest der Welt abgeschirmt war, und ich kam oft hierher, um der Hölle, die mein Leben war, zu entfliehen. Ich kletterte die glatten Felsen hinauf und legte mich auf den Boden der Höhle. Hier fand ich meinen Frieden. Hier gab es keine Menschen, die mich verspotteten oder schlugen. Hier war ich glückselig allein. Ich schloss meine Augen und träumte von einer Zukunft fernab des Rudels. Eine Zukunft, in der ich Freunde hatte, die mich akzeptierten und mich für den kleinen Streber mochten, der ich war. Ich wurde durch das Geräusch von Steinen, die den felsigen Abhang hinunterpurzelten, der zu der kleinen Höhle führte, aus meinen Gedanken gerissen. Ich erstarrte, als sich mein Magen zusammenzog. Das Lachen hallte durch die Höhle. Zeke und seine Schergen hatten mein kleines Versteck gefunden. „Was haben wir denn hier, Freunde?“ Ich sprang auf und bedeckte meinen Körper mit den Händen, so gut ich konnte. „Sieht aus, als hätte sich ein kleiner Zwerg im Wald verirrt, Zeke“, sagte der große dunkelhäutige Mann lachend. Justin war einer von Zekes besten Freunden und gehörte zu den Nachwuchskriegern. Ich sah mich um und entdeckte Zeke und Cassandras Schar wütender Anhänger. „Ich weiß nicht, Zeke. Sie sieht aus, als würde sie hier auf jemanden warten. Ist es das, kleiner Zwerg? Wartest du auf jemanden, der dir Gesellschaft leistet?“ Calebs Worte ließen Angst in mir aufsteigen, während seine Augen mit grausamer Boshaftigkeit funkelten. „Ich weiß es nicht, Caleb. Ist es das, was du hier tust, Zwerg?“, sagte Zeke mit einem Grinsen. „Nein!“, wimmerte ich heraus. Ich spürte, wie die Tränen in meinen Augen aufstiegen. Die Jungs, die vor mir standen, sahen verstört aus, als ihre Augen über meinen nackten Körper glitten. Bevor ich einen weiteren Atemzug tun konnte, stürzte sich Justin auf mich. Er riss mich von der Wand und warf mich auf den Boden. Mein Kopf prallte schmerzhaft auf dem Boden der Höhle auf, so dass kleine bunte Punkte über meine Augen tanzten, während Gelächter die kleine Höhle erfüllte. „Bitte! Bitte tun Sie das nicht! Lassen Sie mich einfach gehen!“, flehte ich. Eine große Hand prallte an meinem Gesicht ab, zersplitterte meine Lippe und hinterließ Sterne, die meine Sicht trübten. „Halt die Klappe, du blöder Zwerg!“, spuckte Justin aus, während er mein Handgelenk auf den Boden drückte, so dass sich die Steine schmerzhaft in die empfindliche Haut gruben. Ich schluchzte leise, als ich hilflos auf dem Höhlenboden lag und hörte, wie die tollwütigen Hunde hysterisch über mein Elend lachten. Wie jedes Mal, wenn ich mich der Gnade dieser Tiere ausgeliefert sah, versuchte ich, mich in die Tiefen meines Geistes zu verkriechen. Bitte, Gott, wenn du zuhörst, bitte, lass es aufhören, betete ich. Zu meiner Überraschung wurden meine Gebete ausnahmsweise erhört. Ein lautes, gutturales Brüllen ertönte in der Höhle, und Justin wurde aus mir herausgerissen. Ich hielt mir die Ohren zu, als die Schreie und das Heulen an den Wänden der Höhle widerhallten. Ich spürte ihn, bevor ich seine Stimme hörte. „Was zum Teufel ist hier los?“, dröhnte Alpha Levi, während seine Aura aus ihm herausströmte. Alle erstarrten und fielen auf die Knie. Ich lag wimmernd auf dem Boden, die Tränen flossen immer noch aus meinen Augen. Ich spürte eine warme, sanfte Hand auf meiner Schulter, und ich zuckte zurück. „Hey, hey, Kürbis. Daddy ist hier. Es ist alles in Ordnung.“ Langsam blickte ich in die Augen meines Vaters. Unkontrollierte Schluchzer durchzuckten meinen Körper, als ich mich in seine Arme warf. „Adam, bring mir die Decke. Es ist alles in Ordnung, Addy. Du bist jetzt in Sicherheit.“ Adam drapierte die kratzige Decke um meine Schultern. „Was zum Teufel ist hier passiert?“ Das Gesicht meines Vaters wurde steinern, als sein Wolf auftauchte und die vier Teenager auf ihren Knien tödlich anfunkelte. „Was ist denn das für eine Scheißfrage?“, knurrte mein Bruder. „Adam!“ Mein Vater warnte ihn. „Nein, Dad! Sieh dir an, was sie mit meiner Schwester gemacht haben! Sieh dir ihren verdammten Alpha an!“ brüllte Adam. Ich schüttelte mich vor seiner Wut. Alpha Levi blickte mit Mitleid in seinen Augen auf mich herab. „Ezekiel, erkläre es. Und ich ermutige dich, deine Worte sorgfältig zu wählen. Irgendetwas sagt mir, dass Adam und Lee mörderisch sind. Und offen gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich sie aufhalten würde.“ Alpha Levis Stimme war leise und voller Abscheu. „Wir hatten nur ein bisschen Spaß. Stimmt's, Zwerg?“ Zekes Grinsen jagte mir Schauer über den Rücken, aber er kam nicht dazu, ein weiteres Wort zu sagen. Adam stürzte sich auf ihn und versetzte Zeke einen kräftigen Schlag gegen den Kopf. Alpha Levi stand einfach nur da. „Sie heißt Adeline, du arrogantes, selbstgerechtes Arschloch!“ Adam spuckte aus. „Ich bring dich um, verdammt!“ „Mr. McCloud, das reicht jetzt.“ Mein Vater warf dem Alpha einen tödlichen Blick zu. „Ist es Levi? Ihr Sohn und seine Freunde haben mein kleines Mädchen geschändet! Ich kann ihre Erregung und ihren Schrecken überall in dieser verdammten Höhle riechen. Wir sind schon lange befreundet, aber wenn du diese kleinen Scheißen mit freiem Oberkörper davonkommen lässt, bin ich erledigt. Ich packe meine Familie zusammen, und wir gehen.“ In der Stimme meines Vaters lag das Versprechen seiner Worte. Adam stand wie eine tödliche Statue mit geballten Fäusten an der Seite. Alpha Levi stand da und starrte die auf dem Boden knienden Jungen an, bevor er zu mir hinüberging und einen langen, tiefen Atemzug nahm. Ich zuckte zurück und vergrub mich an der Brust meines Vaters. „Adam, hol deine Schwester und bring sie nach Hause... und sag den McDowells und den Montgomerys, dass ihre Söhne es nicht nach Hause schaffen werden.“ Adam ging auf mich zu und hob mich in seine Arme. Ich schlang meine Arme um seinen Hals, bevor ich einen Blick auf Zeke erhaschte. Wut stieg in seinen Augen auf, als er zu meinem Vater und dem Alpha hinaufstarrte. „Papa, das kannst du nicht tun!“, flehte Zeke. Alpha Levi riss seinen Arm zurück und schlug Zeke ins Gesicht, so dass der Junge gegen die Höhlenwand flog. Alpha Levi pirschte sich an seinen Sohn heran und trat ihm wiederholt in den Magen. „Ich kann und ich werde es verdammt noch mal tun! Du hast Glück, dass ich dich nicht zusammen mit ihnen aufhänge! Ihr verdammten Hunde! Seht euch das Mädchen an! Die Tochter von meinem verdammten Beta! Ich kann ihre Unschuld auf dem verdammten Boden riechen!“ Alpha Levis Gebrüll verursachte ein Klingeln in meinen Ohren. „Aber Alpha, sie haben doch nicht...“ begann Cassandra, doch sie wurde von Alphas mächtigem Brüllen unterbrochen. „Halt verdammt noch mal die Klappe, Cassandra! Glaub ja nicht, dass ich dich nicht auch bei Adeline gerochen habe! Du widerst mich verdammt noch mal an! Du wirst gebrandmarkt, damit jeder genau weiß, was du bist!“ Mit diesen Worten streckte der Alpha seine Krallen aus und fuhr damit langsam und schmerzhaft über Cassandras nackte Brust. Das Kreischen, das sie von sich gab, linderte den frischen Schaden an meiner Seele. „Adam, bring deine Schwester nach Hause.“ Sagte mein Vater leise durch die Gedankenverbindung. „Nein. Ich will sie leiden sehen. Addykins, schließ die Augen und halt dir die Ohren zu.“ Ich tat, was Adam sagte. Ich konnte die gedämpften Schreie hören, während mir der Gestank von kupferfarbenem Blut in die Nase stieg. Mit einem zufriedenen Grunzen drehte sich Adam um und trug mich aus der Höhle.
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