Kapitel 5-2

1350 Worte
Diese plötzliche Begeisterung des Mädchens für das Essen belustigte Zaron, und er führte sie in die Küche. Er war froh, dass er die Möglichkeit gehabt hatte, sie auf eine beiläufige, nicht sexuelle Art und Weise zu berühren. Es war wichtig, dass sie sich an seine Berührungen gewöhnte. In vielen Punkten würde die Verführung von Emily wie die Domestizierung einer wilden Kreatur ablaufen. Er musste sich ihr langsam nähern und ihr Vertrauen gewinnen. Sie musste glauben, dass er ihr nicht wehtun würde; ansonsten würde sie bei dem ersten Hinweis auf seine sexuellen Absichten in Panik verfallen. Das Gute war, dass sie sich seiner bewusst war. Es war das primitive, weibliche Bewusstsein der Gegenwart eines gesunden, attraktiven Mannes. Sie hatte sich vielleicht erschreckt, als er sie berührt hatte, aber sie war auch unterschwellig erregt gewesen. Ihre Pupillen hatten sich leicht geweitet, und ihr Herzschlag war schneller geworden. Ihr weiblicher Geruch hatte sich ebenfalls verstärkt. Hätte Zaron die zarten Falten zwischen ihren Oberschenkeln berührt, wären sie zweifellos warm und feucht gewesen, da sich ihr Körper instinktiv auf den Paarungsakt vorbereitet hätte. Seine Rasse hatte vor langer Zeit herausgefunden, dass sie mit den Homo sapiens sexuell kompatibel war. Auch wenn die DNA ihrer Spezies zu verschieden waren, um eine Fortpflanzung zu ermöglichen, hatten die Bemühungen der Ältesten sichergestellt, dass die Menschen den Krinar ziemlich ähnlich sein würden, was die äußere Erscheinung und den Aufbau des Körpers betraf. Niemand wusste, warum die Ältesten beschlossen hatten, das zu tun, aber das endgültige Ergebnis war eine Spezies, die viele Krinar als Bettgefährten recht begehrenswert fanden – besonders wegen der aphrodisischen Eigenschaften des menschlichen Blutes. Und dieser spezielle Mensch war begehrenswerter als die meisten, dachte Zaron, während er beobachtete, wie Emily mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen den Tisch und die Stühle in der Küche betrachtete. Wie das Sofa im Wohnzimmer wurden auch sie durch irgendein Kraftfeld an Ort und Stelle gehalten und machten den Eindruck, als schwebten sie in der Luft. Auf eine typische menschliche Frau des einundzwanzigsten Jahrhunderts musste eine solche Technologie eher magisch wirken – auch wenn die meisten Menschen mittlerweile verstanden hatten, nicht alles übernatürlichen Kräften zuzuschreiben. Zaron wägte immer noch ab, wie viel er dem Mädchen erzählen sollte. Während der letzten zwei Tage, in denen er sie gepflegt hatte, hatte er über die Möglichkeit nachgedacht, ihr nichts zu erzählen – so zu tun, als sei er menschlich. Er hatte sogar überlegt, sie zurück zu der Brücke zu bringen und sie dort zurückzulassen, bevor sie zu Bewusstsein kam. Sie hätte denken können, dass sie ihr Überleben einem Wunder verdankte oder dass ihr Fall ein Traum gewesen war, was auch immer ihr Kopf einfacher akzeptiert hätte. Er hatte allerdings gezögert, da seine wachsende Lust auf sie gegen seinen Wunsch gekämpft hatte, eine potentiell schwierige Situation zu vermeiden – und dann war sie aufgewacht, einige Stunden eher, als er erwartet hatte. Jetzt hatte er eine misstrauische und verwirrte menschliche Frau bei sich – eine menschliche Frau, die ihn mit einem frustrierten Ausdruck in ihren hellblauen Augen anblickte. »Lassen Sie mich raten«, sagte sie und machte mit ihrer Hand eine Geste Richtung Tisch. »Mehr Kraftfeldtechnologie?« Zarons Belustigung verstärkte sich durch diesen kaum verhüllten Sarkasmus in der Frage des Mädchens. »Ja, genau«, sagte er und ging zu einem der schwebenden Sitze, um sich daraufzusetzen. Das intelligente Material passte sich augenblicklich an seinen Körper an, korrigierte die Form, um ihm die bequemste Sitzposition zu ermöglichen »Ich soll mich da draufsetzen?« Sie erhob ihre Stimme. »Auf ein Brett, das in der Luft schwebt?« »Ich verspreche dir, dass du nicht fallen wirst«, antwortete Zaron und unterdrückte seinen Drang, zu lächeln, als das Mädchen sich mit einer Begeisterung dem Tisch näherte, die der einer Person glich, gegen die wegen Mordes verhandelt werden soll. »Eigentlich ist es recht nett.« »Ja, ja«, murmelte sie und setzte sich vorsichtig hin. Dann bekam sie große Augen. Sie musste gespürt haben, dass sich der Stuhl unter ihr bewegte, um sich an sie anzupassen. Innerhalb weniger Sekunden hatte sich eine Lehne hinter ihrem Rücken gebildet, und sie sah schockiert aus. Dieses Mal konnte Zaron ein Lachen nicht unterdrücken. Er hatte nicht erwartet, diesen Teil so sehr zu genießen, aber das tat er. Diese kleine, menschliche Frau in seine Welt einzuführen könnte auf mehr als eine Art Spaß machen, dachte er, während er sie dabei beobachtete, wie sie sich umdrehte, weil sie versuchte, die Rückenlehne ihres Stuhls zu sehen. Natürlich bewegte sich der intelligente Stuhl mit ihr, und die Lehne verschwand genau in dem Moment, in dem Emily sie betrachten wollte. Als sie sich wieder zu ihm drehte, war ihr Gesichtsausdruck unbeschreiblich. »Ehrlich, was ist dieses Zeug?«, wollte sie wissen und umfasste die Tischkante. »Wo bin ich?« Zaron lachte leise. »Du bist in meinem Haus, Emily«, sagte er und wiederholte damit geduldig das, was er ihr bereits gesagt hatte. »Und dieses Zeug sind meine Möbel.« »Welche Art von Möbeln tut so etwas? Das Ding hat sich gerade bewegt. Es ist hinter mir verschwunden.« »Ja, das ist es«, stimmte Zaron ihr zu. »Es wurde dahingehend designet, sich deinem Körper anzupassen, um so bequem wie möglich zu sein. Als du dich umgedreht hast, war es nicht länger bequem für dich, also hat es sich verändert.« »Natürlich.« Sie kniff ihre Augen zusammen und massierte sich ihre Schläfen mit einem schmerzverzogenen Gesicht. Zaron, der sich sofort Sorgen machte, streckte sich über den Tisch aus und legte die Rückseite seiner Hand auf ihre Stirn. »Geht es dir gut?« Menschen waren unglaublich empfindlich, ihre Körper waren schwach und anfällig für alle möglichen Krankheiten, die seiner Rasse fremd waren. Kopfschmerzen zum Beispiel. Zaron hatte noch nie darunter gelitten, außer einige kurze Momente nach einer Kopfverletzung, aber er wusste, dass sie unter Emilys Spezies weit verbreitet waren. Als er sie berührte, zuckte sie zurück und riss die Augen auf. »Natürlich«, sagte sie mit gespielter Fröhlichkeit. »Mir geht es großartig.« Als Zaron sie weiterhin zweifelnd anschaute, fügte sie hinzu: »Ehrlich, es geht mir gut. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich einige hundert Meter in die Tiefe gestürzt bin, aber trotzdem geht es mir hervorragend.« Zaron beschloss, den letzten Teil ihrer Antwort zu ignorieren. »In Ordnung«, sagte er und lehnte sich zurück. »Aber solltest du Kopfschmerzen haben, lass es mich wissen. Ich kann sie verschwinden lassen.« Sie atmete langsam tief ein und zog damit seinen Blick auf die weichen Rundungen ihrer Brüste. »Wie können Sie sie verschwinden lassen?«, fragte sie, und Zaron zwang sich dazu, sich wieder auf ihr Gesicht zu konzentrieren. Jetzt war kein Zeitpunkt, um dieser Verlockung nachzugeben. »Haben Sie mich zuvor schon geheilt?«, hakte sie nach, als Zaron ihr nicht sofort antwortete. »Wie kann es sein, dass es mir so hervorragend geht, nachdem ich so tief gefallen bin?« Ihre Augen wurden groß, so als sei ihr gerade etwas eingefallen. »Moment, welcher Tag ist heute? War ich im Koma oder so?« »Nein, du warst nicht im Koma«, antwortete Zaron, als er ihre Besorgnis verstand. »Heute ist Donnerstag, der 6. Juni.« »Also war ich zwei Tage bewusstlos.« Zaron nickte. »Ja, genau.« Er bekam Hunger, und er war sich sicher, dass es bei dem Mädchen genauso war. Erklärungen konnten warten. Er wechselte zu Krinarisch und bestellte einen Salat für sie. Emily runzelte ihre Stirn. »Was haben Sie gerade gesagt?« »Ich habe Essen für uns bestellt«, erklärte ihr Zaron. »Es tut mir leid, dass mein Haus nicht darauf programmiert ist, auf englische Befehle zu reagieren.« »Aha.« Sie blickte ihn an, als sei er verrückt. »Aber Ihr Haus ist darauf programmiert, auf Befehle in der Sprache zu reagieren, in der Sie eben gesprochen haben?« »Die betreffende Sprache ist Krinarisch«, erwiderte Zaron, nachdem er endlich eine Entscheidung getroffen hatte. Er konnte das Mädchen weiterhin im Dunklen lassen, aber das war nicht wirklich nötig. Nachdem sie bereits so viel gesehen hatte, konnte er sie sowieso nicht mehr gehen lassen – und sie würde die Wahrheit früh genug erfahren. »Krinarisch?« Sie sah verwirrt aus, als sie das Wort mit einem leichten amerikanischen Akzent wiederholte. »In welchem Teil der Welt wird sie gesprochen?« »Krinarisch ist die Sprache, die auf Krina gesprochen wird«, erklärte Zaron leise, ohne seinen Blick von Emilys Gesicht abzuwenden. »Meinem Heimatplaneten.«
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN