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1216 Worte
Ellie Erna: Jemand hat sich gerade richtig im Büro von Quirin vergnügt. Ernan: Sag mir, du scherzt. Erny: Quirin feuert die beiden noch vor dem Mittagessen morgen. Keine Chance, dass er das unkommentiert lässt. Mein Handy brannte in meiner Hand. Erna: Es waren Mara und Evan. „Was?“ schrie ich hinter Matthias, der fast sofort die Bremse trat. Ernan: Alter… Ernsa: Hatte ich von weitem schon gesehen. Sie hat seit November ständig „versehentlich“ Sachen auf seinem Schreibtisch fallen lassen. „Alles in Ordnung, Ma’am?“ fragte Matthias. „Alles gut, Matthias. Entschuldige den Alarm.“ Erny: Maras LinkedIn wird bald eine Geisterstadt sein. Ich starrte, bis der Bildschirm verschwamm. Liesel: …Ihr habt sie rauskommen sehen? Erna: Mara gesehen, wie sie rauskam, ihren Rock wieder herunterzog. Evan zwei Minuten später, das klassische Krawatten-und-Gürtel-Check. Es waren sie. Die Luft strömte zurück in meine Lungen, als hätte ich gerade unter Wasser gewesen. Erst kam die Erleichterung—scharf, kalt, fast schmerzhaft. Dann rollte die Scham hinterher, schwerer, langsamer, klebend an meinen Rippen. Denn vor gerade mal siebenunddreißig Minuten war ich diejenige gewesen, deren Kleid bis zur Taille hochgerutscht war, deren Unterwäsche in Quirins Tasche gesteckt wurde, dessen Finger so tief in mir krümmten, dass ich vergaß, wie man Geräusche macht, ohne sich selbst in den Arm zu beißen. Er hatte nicht aufgehört, als ich zitterte. Er hatte mein Gesicht beobachtet, als wollte er sich einprägen, welcher Winkel mich zerbrechen ließ. Ich war auf Beinen hinausgegangen, die nicht mir gehörten, und hatte versucht, nicht an meinen Oberschenkeln herunterzutropfen, während ich am gesamten Marketingteam vorbeiging. Und jetzt hielt der Boden Mara und Evan für die Schuldigen. Ich hätte mich glücklich fühlen sollen. Stattdessen verdrehte sich mein Magen so stark, dass ich Galle schmeckte. Ernan: Jesus… das ist verrückt. Ernan: Verrückt ist untertrieben. Quirin wird ihnen den Kopf abreißen. Ich sperrte den Bildschirm und presste das Handy gegen meinen aufgewühlten Bauch. Das Auto glitt durch die Innenstadt, die Lichter der Stadt glitten über die getönten Scheiben wie flüssiges Gold. Morgen würde ich weg sein. Neue Stadt. Neues Leben, das nicht nach seinem Parfum roch und nicht mit seinen Zähnen an meinem Puls endete. Ich sagte mir immer wieder: Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Das Auto verlangsamte die Fahrt, und ich blickte hinaus. „Das ist nicht mein Ort.“ „Herr Arvid von Rheinhardt hat darum gebeten, Sie stattdessen zu seiner Residenz zu bringen.“ Mein Herz sank in den Keller. Die Tür öffnete sich, bevor ich etwas sagen konnte, und da stand Quirin im Dunkeln, Mantel offen über demselben anthrazitfarbenen Anzug. „Raus.“ Mein Mund wurde trocken. „Leck mich.“ Er griff nach mir, umschloss mein Handgelenk mit langen Fingern—nicht fest, aber endgültig—und zog. Ich riss mich zurück. Er ließ nicht los. Die Türsteher taten so, als würden sie nicht hinsehen. „Nach oben. Es sei denn, du willst das vor Publikum machen.“ „Ich gehe nirgendwo mit dir hin“, flüsterte ich wütend. „Du glaubst doch nicht, dass du mich so behandeln kannst?“ „Was hast du denn gewollt?“ schnappte er. „Dass das ganze Büro weiß, dass wir gerade auf meinem Schreibtisch gevögelt haben? Nach oben. Jetzt.“ Ich starrte ihn an. Er packte meine Hand und führte mich ins Gebäude, aber ich war zu wütend, um mich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren. Im nächsten Moment standen wir im Aufzug, die Türen glitten zu, als wir uns ihm zuwandten. „Fass mich nicht an, Quirin.“ Ich riss meine Hand aus seiner. „Bei Gott, ich verliere sonst die Beherrschung.“ Er grinste, sichtlich amüsiert. „Würdest du nicht übertreiben. Meine Kontrolle hängt ohnehin schon am seidenen Faden.“ „Du bist ein Arsch.“ „Das hat man mir schon einmal oder zweimal gesagt.“ „Warum bringst du mich dann hierher?“ Der Aufzug öffnete sich direkt in seine Wohnung. Er trat hinaus. Ich nicht. „Raus.“ Er packte meine Hand und zog mich vorwärts. Ich stolperte, verschluckte den Kloß in meinem Hals. Verdammt. Ich hatte immer gewusst, dass Quirin Arvid von Rheinhardt teuren Geschmack hatte, aber das hier war eine andere Liga. Die Wände glühten in sanftem Gold, die Decken schienen endlos hoch, und dunkle Holz-Bögen verbanden die Räume wie in einer historischen Kathedrale. Es fühlte sich an, als würde man einen Königspalast betreten. „Willkommen in meinem Zuhause.“ Seine Augen funkelten vor Stolz. „Sehr schön“, log ich durch zusammengebissene Zähne. Seine dunklen Augen hielten meine fest. „Sieh mich nicht so an.“ Ich ließ die Schultern hängen, versuchte, stark zu wirken. „Wie?“ Bevor ich antworten konnte, unterbrach er mich. „Wie ich jede Stelle deiner Haut kosten will?“ Ich schmolz zu einem Häufchen dahin. „Ja.“ „Aber das tue ich, Ellie. Ich kann es nicht verbergen. Ich werde es nicht einmal versuchen. Ich habe noch nicht einmal an der Oberfläche der Dinge gekratzt, die ich mit dir tun will.“ Erregung raubte mir den Verstand. „Du solltest dann nicht so ein Arsch sein“, flüsterte ich. Selbst mir klang das nicht überzeugend. „Kennst du mich überhaupt?“ Er hob meine Hand und küsste meine Fingerspitzen. Die Nackenhaare stellten sich auf. „Das ist das Problem. Ich kenne dich“, flüsterte ich. „Ich bin nicht dein Spielzeug, Quirin.“ Ich zog meine Hand zurück. „Wer sagt, dass du es bist?“ Er grinste und hob mein Kinn. „Ellie?“ Meine dummen Augen füllten sich mit Tränen, verrieten meine Fassade. Sein Gesicht wurde sanfter. „Was ist los?“ „Ich sollte… ich werde gehen.“ Ich stand auf. „Es war wirklich…“ Ich hielt inne, versuchte mich zu fassen. „…schön, für Sie zu arbeiten.“ Er stand abrupt auf. „Ellie, die Nacht ist jung. Geh nicht.“ „Das bin nicht ich, Quirin, und das hier ist…“ Ich deutete auf den Raum. „Es ist nicht, wer ich bin. Entschuldige, falls ich einen falschen Eindruck erweckt habe.“ Ich hastete ins Wohnzimmer, er dicht hinter mir. „Ellie.“ „Nein.“ Er griff nach meiner Hand und wirbelte mich zurück. „Vergib mir.“ Er suchte nach Worten. „Es ist lange her, dass…“ „Dass was?“ „…dass ich mit jemandem wie dir zusammen war.“ Ich starrte ihn an, hasste mich dafür, dass ich morgen vergessen und mich heute Nacht verlieren wollte. Er umfasste mein Gesicht und küsste mich sanft. „Geh nicht.“ Noch ein Kuss. „Bitte?“ Etwas hatte sich verändert—er war vom Jäger zu etwas Sanfterem geworden. „Liebling, es tut mir leid. Ich hätte nicht…“ Seine Lippen strichen erneut über meine, und meine Füße hoben sich vom Boden. „Morgen verlässt du mich für immer.“ Meine Hände glitten an sein Gesicht. „Sag so etwas erst gar nicht.“ „Können wir nicht einfach eine Nacht zusammen verbringen, um richtig Abschied zu nehmen?“ murmelte er. „Ich wollte dich all die Jahre, Ellie.“ Sein Kuss wurde intensiver, als wollte er meine Meinung ohne ein Wort ändern. Dann, so sanft—so unglaublich sanft: „Gib mir eine Nacht. Bevor ich es für immer bereue.“
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