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1008 Worte
Ellie Bester s*x meines Lebens? Check. Der Mann, der ihn mir gegeben hat? Weg. Ich lag einen Moment lang da, starrte auf die Delle im Kissen, wo sein Kopf gelegen hatte, halb erwartend, dass er mit diesem lässigen, gefährlichen Lächeln und einer Tasse Kaffee zurückspaziert, als sei nichts geschehen. Nichts passierte. Ich schwang die Beine über das Bett, stand auf und folgte dem Kaffeeduft in die Küche. Der Fernseher lief auf CNN, aber ich nahm ihn kaum wahr. „Quirin?“ rief ich. „Hier drüben“, antwortete er. Ich fand ihn in seinem Büro, vollständig angezogen, vertieft ins Tippen. Seine Haltung perfekt, sein Gesicht undurchdringlich. Der Mann, der die Nacht mit mir verbracht hatte, weich und warm, war verschwunden. Ich verharrte im Türrahmen. Er blickte auf. „Guten Morgen.“ „Du… arbeitest?“ Er lächelte, aber es erreichte nicht seine Augen. „Ja.“ Ich ging zu ihm und setzte mich auf seinen Schoß. Er küsste mich kurz. „Gib mir eine Minute, Liesel“, sagte er und tippte auf mein Hinterteil, um mich abzuschieben. „Zieh dich an.“ Das war… seltsam. Das hätte ein sanftes, verweilendes „Hallo“ sein sollen. Was zur Hölle war das? Zwanzig Minuten später trat er hinaus, musterte mich von Kopf bis Fuß, während er sich Kaffee einschenkte. „Ich dachte, du würdest dich anziehen.“ Meine Augen suchten seine, und er wandte sie scharf ab. „Geht es… um mein Weggehen?“ fragte ich leise. „Du musst gehen.“ „Gehen… wohin?“ „Wohin auch immer du ziehst.“ Sein Ton war giftig. Ich trat zurück. „Aber… ich dachte—“ „Du hast falsch gedacht.“ Er schnitt mir das Wort ab. „Was?“ Er starrte weiter aus dem Fenster, Rücken gerade, Schultern zurück. Ich schluckte schwer. „Sieh mich an, Quirin.“ Er drehte sich. „Wiederhole ich mich nicht, Liesel.“ „Warum? Ich verstehe es nicht. Wir hatten die unglaublichste Nacht.“ „Ich weiß.“ Seine Augen verfolgten mich. „Aber ich kann dir nicht geben, was du willst… oder was du verdienst.“ „Es ist okay.“ Ich nahm seine Hand, hob sie zu meinen Lippen und küsste seine Fingerspitzen. „Wir können das Dating-Ding zusammen herausfinden.“ „Ich kann dich nicht heiraten.“ Ich blinzelte. „Nun, wir haben gerade erst angefangen.“ Ich lachte. „Wer weiß schon, was passiert?“ „Ich weiß es.“ Sein Kiefer zuckte beim Zusammenbeißen, die Augen hielten meine. „Ich soll eine Erbin heiraten.“ „Was?“ Ich ließ seine Hand fallen. „Meine Mutter erwartet, dass ich jemanden… Geeignetes heirate“, sagte er, die Stimme angespannt. „Jemanden mit den richtigen… Verbindungen. Jemanden, der den Namen und das Erbe der Familie bewahrt. Eine richtige Ehefrau.“ Ich trat zurück, der Schmerz seiner Worte traf wie eine Peitsche gegen meine Brust. „Es tut mir… leid“, murmelte er. „Für meine Egozentrik letzte Nacht gibt es keine Entschuldigung.“ „Wir schreiben das einundzwanzigste Jahrhundert, Quirin.“ Ich biss die Zähne zusammen. „Warum glaubst du, dass du jemanden wie das brauchst?“ „Weil ich es will, Liesel.“ Er schnappte. „Weil ich es will.“ Seine Silhouette verschwamm vor mir, und ich spürte, wie sich der Boden unter meinem Herzen neigte. „Also… letzte Nacht…“ Ich verzog mein Gesicht zu Tränen. „…hat nichts bedeutet?“ „Es hat alles bedeutet“, flüsterte er, die Nüstern geweitet. „Es war ein Geschenk, das wir uns selbst gemacht haben. Eines, das ich für immer in Ehren halten werde.“ Und ich spürte es kommen, den Schmerz, als mein Herz in Millionen Stücke zersprang. Ich drehte mich um und stapfte den Flur hinauf zum Schlafzimmer. Ich stürmte ins Bad, sah meine Kleidung ordentlich auf dem Stuhl gefaltet und legte die Hände über meinen Mund, während ich schluchzte. Als er diese Dinge gefaltet hatte… wusste er. Er wusste, dass wir niemals eine Chance gehabt hatten, von Anfang an. Er wusste es. Ich dachte, meine Kündigung hätte unser Problem gelöst, aber ich hatte keine Ahnung, was wirklich in seinem Kopf vorging. Es war ihm egal, er war es nie gewesen. Mein Gott. Ich bin so ein liebeskranker Narr. Ich musste nur weg von ihm. Ich warf mir Kleid und Schuhe über, kramte hektisch in meiner Handtasche nach einer Sonnenbrille. Ich setzte sie auf und ging zurück nach draußen. Seine Augen hielten die meinen. „Ellie…“ flüsterte er, als er nach mir griff. „Fass mich verdammt noch mal nicht an“, flüsterte ich. Ich stapfte zum Aufzug und drückte den Knopf. Er stand still hinter mir, unsicher, ob ich ihn angreifen würde. Die Aufzugtüren öffneten sich, wir fuhren schweigend in die Tiefgarage. Mit meiner dunklen Brille konnte er meine Tränen nicht sehen, aber der Kloß in meinem Hals brannte, während ich sie zurückhielt. Unten im Parkhaus ging er voran, ich folgte ihm, während Stücke meines Herzens wie Konfetti auf den Beton fielen. Er erreichte ein schwarzes, luxuriöses Auto und die Lichter blitzten zweimal, als er den Knopf drückte. Ich wusste nicht einmal, um welche Art Auto es sich handelte, nur, dass es kalt war. Wie er. Wir fuhren schweigend zu mir, und ich betete zu Gott, dass er seine Meinung ändern würde, sobald wir angekommen waren. Wie konnte er es nicht? Wir waren füreinander bestimmt. Er hielt das Auto am Bordstein vor meinem Gebäude an, wir saßen schweigend. „Ellie…“ flüsterte er. „Hass mich nicht.“ Ich schloss die Augen, am Rande eines Zusammenbruchs. „Auf Wiedersehen, Quirin.“ Ich schob die Tür einen Spalt auf, kalte Nachtluft strömte herein. Dann knallten die Scheinwerfer über uns—weiß-heiß, alles verschlingend. Reifen quietschten wie etwas, das starb. Quirins Arm schlang sich um meine Taille, zog mich zurück—sein Körper legte sich wie ein Schild über mich. Metall kreischte. Glas zersplitterte in Zeitlupe. Die Welt kippte heftig. Und dann— nur noch das Klingeln in meinen Ohren.
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