Zwei Wochen zuvor~
Meine Schuhabsätze hallten durch den dunklen Flur. Kostbare Kunst, vom berühmten Salvator Mundi von Leonardo da Vinci bis zur Mona Lisa, schmückte das Hartholz der exquisiten Wand.
„Meine Herren“, nickte ich ihnen zu, als die Wache die Tür öffnete und hinter mir schloss.
Eine Rauchwolke, die von seinem Tisch herrührte, erfüllte den Raum.
Als er meine Anwesenheit bemerkte, lehnte er sich in seinem bequemen Sessel zurück, eine brennende Zigarette von Treasurer London Executive zwischen den Lippen. Er winkte mir, eine zu nehmen, und ich tat es.
„Gutes Zeug, ja?“ Er grinste, als ich nickte, und drückte den roten Stummel auf den Tisch.
„Nur das Beste.“
Nach einem weiteren Zug schob ich ihm ein Foto über den Tisch zu.
„Mein Job ist getan.“ Der Gedanke an mein Leben von hier an war aufregend. Noch ein letzter Punkt auf meiner Liste, dann kann ich in den Urlaub fahren, eine schöne Blondine ficken und mich bräunen.
Noch ein Zug. Es war gut.
Raphael spottete halb.
„Wozu die Eile, Sohn? Zeit für eine Party, hab Spaß. Anita wird da sein“, schlug er vor.
„Ganz bestimmt.“ Ich rauchte zu dieser offensichtlichen, vermeintlich aufregenden Sache, die ich eher nervig fand.
Er hatte die verrückte Verliebtheit seiner Tochter in mich immer unterstützt. Anita Rodriguez, 28, Tochter des reichsten Untergrund-Dons und einer Hure, einer wunderschönen.
Aber sie war nicht mein Typ. Ich würde sie ficken, das habe ich, weil sie sich mir praktisch die ganze Zeit an den Hals geworfen hat, aber alles andere stand nie auf meiner Wunschliste.
„Also, der Name.“ Ich kam zur Sache. Das war der Moment, auf den ich gewartet hatte, das war der Sinn der ganzen Sache.
Jedes Blut vergossen, alles, für diesen einen Moment, und er würde ihn nicht hinauszögern.
Der Humor in seinem Gesicht verwandelte sich in eine Art Ernsthaftigkeit. Er zog eine Akte aus seinem Schließfach und warf sie mir über den Tisch zu.
„Aber ich möchte zuerst etwas anderes von dir.“ Meine Nerven waren angespannt.
„Das war nicht Teil der Vereinbarung“, sagte ich schärfer. Meine Gunst war am Ende.
Mit dieser Akte in der Hand hing meine Geduld am seidenen Faden. Das Feuer in meinem Herzen musste gelöscht werden.
„Nein, war es nicht, aber jetzt ist es so. Ich mache dir einen Vorschlag, einen guten Deal.“ Er machte mir einen Antrag und musterte dabei meinen neutralen Gesichtsausdruck.
Einige Jahre haben mich doch einiges über die Kontrolle von Emotionen gelehrt.
„Ich brauche ihn lebend, vorerst“, fügte er schnell hinzu, als könne er meine Reaktion voraussehen.
„Ein Mann von seiner Größe könnte mich unter meine Kontrolle bringen. Hol ihn für eine Weile rein, und wenn ich fertig bin, gehört er dir.“ Ich dachte einen Moment nach.
Mit Raphael war nichts so einfach.
Zwölf Jahre unter seiner Fittiche, ich musste ihm meine Seele verkaufen, um hier zu sein. Es gibt immer einen Haken.
„Das ist keine Bitte. Was springt für mich dabei heraus? Ich schulde dir nichts mehr.“ Er lachte und klatschte in die Hände.
„Gesprochen wie ein echter Mann, der wahre Sohn von Alec Moore.“ Meine Zähne zuckten. Seit Jahren hatte niemand diesen Namen erwähnt.
Zwölf Jahre nach dem Tod meines Vaters hatte ihn niemand mehr Alec genannt. Allein das machte mich wütend.
„Was hast du vor, Raphael?“ Ich hatte genug von Parabeln.
„Ich muss die volle Kontrolle über sein gesamtes Unternehmen übernehmen. Du musst es von innen heraus übernehmen, und wenn du fertig bist, sollst du hier herrschen“, er deutete auf den Platz, auf dem er saß.
Ich wusste schon, worauf das hinauslief.
„An der Seite von Anita. Sie wird deine Königin sein.“
* ~ *
„RHYS! Mein Gott“, schimpfte sie auf Japanisch. Ich antwortete in derselben Sprache und schockierte damit alle im Raum. Niemand hatte erwartet, dass ich die Muttersprache meiner Mutter verstand.
Keiner von uns hatte je Interesse daran gehabt, Japanisch zu lernen, aber durch jahrelanges Reisen hatte ich viele Sprachen gemeistert.
Sichtlich genervt zog sie eine Zigarette aus der Schachtel, aber ihr Mann versuchte, sie ihr mit so einem „Du darfst nicht rauchen“-Wort abzunehmen, als wollte er einen verdammten Ehemann des Jahres-Preis oder so einen Scheiß.
Ich weiß nicht. Ich hasste ihn einfach.
Sie hörte nicht zu, sondern zeigte mit dem Finger auf mich.
„Ich hoffe, du bist diesmal wieder da, denn ich habe es satt. Du bist von zu Hause weggegangen und mit einer Schusswunde zurückgekommen. Du musst anfangen, dich wie ein Mann zu benehmen und Verantwortung zu übernehmen.“
Ich schnaube und finde es sehr ironisch, dass ausgerechnet sie einen Vortrag über Verantwortung halten konnte.
Ich dachte, sie sollte sich das Drama für jemand anderen aufheben, dem es wirklich etwas ausmacht, aber nachdem ich so viele Jahre lang wütend auf sie war und ihr ständig die Meinung gesagt hatte, hatte ich einfach keine Energie mehr dafür.
Ich seufzte.
„Ich bin für eine Weile zurück, Mutter, aber in offizieller Angelegenheit. Es gibt da ein paar Dinge, um die ich mich kümmern muss. Wenn das Geschäft so wichtig ist, bin ich hier so ein Loverboy, der liebend gern die Verantwortung für die Firma übernehmen würde, die seinen ganzen Luxus finanziert, findest du nicht?“ Lucs hasserfüllter Blick brannte ein Loch in mein Gesicht.
„Verpiss dich, Rhysand. Komm nicht einfach so hierher und tu so, als wärst du besser als wir.“ Ich kicherte leise, mein Gewissen nagte an meinem Inneren wie ein von Morth befallenes Stück.
Ich sagte Scheiße, vielleicht weil ich eifersüchtig war. Ihr Name lag mir auf der Zunge, und ich ließ meine Gedanken an Mavie schweifen.
Aber sie gehörte mir nicht.
Konnte es nie sein.
„Hör auf! Ihr beide.“ Die strenge Stimme meiner Mutter durchbrach den dicken Block aus Hass oder Abneigung, der zwischen uns hing.
„Ich bin sehr enttäuscht von dir, Rhys.“ Ich verdrehte die Augen, aber nur, um den Schmerz zu überdecken, der diesen Worten folgte. Sie trafen ins Schwarze.
Sie klang tatsächlich enttäuscht.
Und na ja, scheiß auf mich, denn es war erst ein paar Tage her, seit ich zurückkam, und schon stand alles Kopf.
Wenn sie nur nicht hier gewesen wären, hätte ich meine Geschäfte erledigt und wäre wie immer gegangen.
Ich hörte, wie meine Mutter ihren Mann und Luc entließ und mich bat, noch zu bleiben. Sie schenkte mir ein Glas Whisky ein.
„Ich brauche dich für einen Monat als Interims-CEO für Moreno Enterprise. Und ich frage dich, weil ich weiß, dass du dazu in der Lage bist. MBA von Yale, mit Auszeichnung in Betriebswirtschaftslehre von Stanford. Ich denke, du bist der geeignete Kandidat für meine Nachfolge.“ Ich runzelte die Stirn.
„Warum redest du von Nachfolge?“ Unbewusst wanderte mein Blick über ihre Gestalt. Sie war kerngesund.
Sie kicherte und zündete sich eine weitere Zigarette an.
„Ich werde nicht jünger, und du auch nicht. Jemand muss übernehmen, und du hast Recht, Lucas ist noch ein Kind, das sich zurechtfinden muss, und nicht so geschäftstüchtig wie du.“ Sie hielt einen Moment inne, als überlegte sie, ob sie es sagen sollte oder nicht.
Sie legte ihre Hand auf meine, ihr war kalt. „Dein Vater hat diese Firma gegründet. Von Anfang an war es seine Idee, sein Einsatz, sein Leben. Es war das einzig Wahrhaftige an ihm und vielleicht das einzig Wahrhaftige, das ihm geblieben ist. Ich weiß, du versuchst, seinen Namen weiterleben zu lassen. Ich denke, das könnte der Anfang sein.“ Sie drückte noch einmal meine Hand, bevor sie zur Tür ging.
„Mein Mann und ich machen einen Monat Yachturlaub. In dieser Zeit bist du CEO.“
Das war ein Befehl.
Es war kurz nach acht, als ich endlich nach Hause kam. Ich hatte den ganzen Tag gearbeitet und mir überlegt, wie ich mich in die neue Rolle als CEO eines Multimilliarden-Dollar-Unternehmens einleben sollte.
Und wie ich das nutzen würde, um den Grund zu erfüllen, warum ich überhaupt hierhergekommen war.
Die Hauptbeleuchtung im Haus war aus, bis auf die Seitenlampen mit Blick auf die offene Küche, in der Mavie stand. Blondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, trug sie ein gelbes Blumenkleid, das ihr einfach umwerfend stand. Sie stand mir mit dem Rücken zu, ihre Oberschenkel blitzten hervor.
Und Gott! Sie war barfuß. Auf den kalten Fliesen.
Ich gab dem Bedürfnis nach, sie zu beschützen, nach und ging gedankenlos auf sie zu, blieb aber stehen, als ich die Anspannung in ihrer Schulter bemerkte, ihre Haltung, wie sie auf das Telefon an ihrem Ohr reagierte. Als sie auflegte, sah sie aus, als wolle sie so weit wie möglich davon weg sein.
Ich wollte wissen, wer sie so sehr stresste. Sie an den Tresen drücken und sofort eine Antwort verlangen.
Aber das war nicht meine Aufgabe.
Ich musste mich an meine Stelle erinnern. Ich war der ältere Bruder der Verlobten.
Also fragte ich, so ruhig ich nur konnte: „Wer war das?“
Und wieder huschte sie von mir weg. Ihre Augen waren auf mich gerichtet, ihre Brust hob und senkte sich, und der Blick auf ihre Schönheit war frei.
Ich musste unbedingt bald s*x haben.