Jay-la POV
Sie starrte auf den Brief in ihrer Hand, ihre Hand zitterte so sehr, als sie ihn anschaute. Es waren bereits 6 lange Jahre vergangen, seit sie vor dem Blood Moon Rudel geflohen war, und jetzt stand sie hier und betrachtete einen Briefumschlag mit dem Siegel ihres Rudels.
Sein Siegel.
Sie hob ihren Blick von dem Umschlag zu dem wunderschönen Jungen, der mit seinen Schwestern auf dem Boden des Wohnzimmers ihrer Wohnung spielte. Das kann nicht wahr sein. Es kann nicht sein.
Sie hatten auf irgendeine Weise überlebt und waren mit ihrem Leben weitergegangen, lebten friedlich weit weg vom Rudel. Sie war nie zurückgekehrt, so wie er es ihr gesagt hatte. Bis heute war sie irgendwie noch immer ein Mitglied des Blutmond Rudels. Durch die Gnade der Göttin hatte Alpha Blaine sie nie vom Rudel getrennt, sie war immer noch in gewisser Weise daran gebunden.
Ihre 3 Kinder spielten und raufen miteinander. Jay-la war gerade von der Anwaltskanzlei Stanton & Co nach Hause gekommen, wo sie in der menschlichen Welt arbeitete, so weit weg wie möglich von der wolfischen Gesellschaft. Sie war auch dann ferngeblieben, als sie ihre Familie dringend gebraucht hatte. Sie hatte gelernt, alleine zu leben, stark für ihre Kinder zu sein, Freunde in der menschlichen Welt gefunden und eine menschliche Familienbindung geschaffen, um ihren Schmerz und ihre Einsamkeit zu lindern.
Ihr Sohn, so gutaussehend und willensstark, voller Entschlossenheit und Mut. Ganz wie sein Vater hatte er blondes, zerzaustes Haar und natürlich gebräunte Haut, er war so schön und voller Leben. Er schaute mit seinen strahlend grünen Augen zu ihr auf, ihre Augen, das Einzige, was er von ihr geerbt hatte, alles andere kam von seinem Vater, einem Mann, der sie hasste.
Auch die Mädchen hatten blondes Haar und grüne Augen. Sie hatte ihre Haare lang wachsen lassen, sie waren wellig wie ihre eigenen, aber nicht dunkelbraun wie ihre. Ihr Temperament war viel sanfter als das ihres Sohnes. Er war größer und stärker und immer ihr Beschützer, obwohl er nur 3 Minuten früher geboren wurde. Der kleine Nate war gute 5 cm größer als seine eineiigen Zwillingsschwestern Lilly und Rosalie. Die meisten Menschen hielten ihn für ihren älteren Bruder mit einem Altersunterschied von etwa einem Jahr, und Jay-la klärte sie nicht auf.
Sie betrat ihre Küche und ließ sie allein spielen, ihre Augen wanderten zum Brief in ihrer Hand. Auch Kora war in ihrem Kopf ruhig, nicht sicher, was ihnen bevorstand oder was mit ihrem Leben passieren würde. Sie spürte, wie die Besorgnis von Kora auch auf sie überging.
Sie öffnete den Brief und las ihn:
„Jay-la Freeman,
Sie wurden offiziell zum Blutmond Rudel zurückgerufen.
Sie werden innerhalb von 7 Tagen auf diesen Brief antworten und den Tag Ihrer Rückkehr bekannt geben.
Alpha Nathan - Blutmond Rudel“
Wie er sie gefunden hatte, wusste sie nicht, aber sie würde nicht zurückgehen. Mit einem Streichholz zündete sie den Gasherd an, legte den Brief und seinen Umschlag darauf und sah zu, wie sie zu Asche verbrannten. Sich ihm zu widersetzen war nichts, was sie tun sollte, aber sie konnte nicht zurückgehen, niemals.
Jay-la wandte sich ihrem Handy zu und begann, nach Wohnungsangeboten Ausschau zu halten, sie musste umziehen, und zwar schnell.
Es dauerte 4 Tage, um eine sofort verfügbare Wohnung zu finden. Sie war zwar nicht in der Nähe ihres Büros, aber sie hatte jetzt einen Arbeitsweg. Jay-la zahlte den Mietvertrag für diese aktuelle Wohnung, da sie ihn gebrochen hatte, und zog sie und ihre Kinder so schnell wie möglich um. Sie verließ ihre schöne Wohnung am Strand und zog in eine weiter entfernte Wohnung in der Stadt. Sie war größer und genauso teuer, bot aber mehr Platz für die Kinder zum Spielen. Es gab einen Hausmeister und eine Nachtsicherheit, also würde sie zumindest nicht überrascht oder überfallen werden.
Jay-la wechselte auch die Schule für die Kinder. Sie hatte sich nie wirklich versteckt, sie hatte sich nur um jeden Preis ferngehalten. Selbst Kora hatte gelitten, sie konnte nie wirklich die Freiheit erfahren, nach der sie sich so sehnte. Das Leben in dieser menschlichen Stadt forderte seinen Tribut von ihr. Es war, als würde sie jeden Tag für ein kleines Verbrechen bestraft werden.
Ein Fehler, um ihre ungeborenen Welpen zu schützen, und sie hatten dafür gelitten. Dieses Leiden hatte sie jedoch willensstärker gemacht. Nun ließen sie ihr Herz nichts mehr entscheiden, nur noch Logik und die Realität einer Situation. Keine Wölfe waren in ihrer Welt erlaubt, nicht mehr.
Die Anwaltskanzlei Stanton & Co war seit dem Bestehen des Anwaltsexamens ihr Zuhause gewesen. Sie hatte Lauren und Tony, ihre vertrauenswürdigsten menschlichen Freunde. Lauren hatte ihre Welpen zur Welt gebracht, während sie an einem Mittagstreffen mit Tony teilnahm, dessen Frau zu Besuch war. Sie war Ärztin, Gott sei Dank, alle 3 Welpen wurden in seinem Büro an der Universität geboren. Sie erinnerte sich daran, dass sie nach ihrer Geburt geweint hatte, ohne Hilfe, um sie großzuziehen. Sie erzählte Tony und Lauren, dass sie keine Familie hatte und ihr Vater sich nicht kümmerte, und das war wahr. Sie hatten Mitleid mit ihr, einer 20-jährigen mit Drillingen und keiner Familie, die ihr half.
Sie waren für sie da gewesen, so sehr, dass sie sie jetzt als ihre Ersatzfamilie betrachtete, eine zweite Mutter und ein zweiter Vater, auch wenn sie sie so nicht nannte.
Niemand wusste, was sie war, wer der Vater ihrer Kinder war. Diese Dinge waren immer noch ein Geheimnis, das sie mit ins Grab nehmen würde. Die Menschen hatten keine Ahnung von der wolfischen Gesellschaft, und sie durfte sie auch nicht in dieses Wissen einweihen. Eine Gesetzmäßigkeit der wolfischen Gesellschaft.
Der nächste offizielle Brief traf 10 Tage nach ihrem Umzug bei ihr ein. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, der Umzug hatte nicht funktioniert. Sie schickte ihn zurück an den Absender mit der Nachricht 'nicht an dieser Adresse' und betete zur Göttin, dass das das Ende davon wäre.
2 Wochen später kam ein weiterer Brief. Wieder schickte sie ihn mit derselben Nachricht an.