Am nächsten Morgen war die Stadt kaum wach, als Damian Cross die Augen öffnete – kein Alarm nötig. Sein Körper war wie eine Waffe trainiert und immer vor Tagesanbruch wach. Stahlgraues Licht drang durch die Penthouse-Fenster im zweiundsiebzigsten Stock. Von hier oben sah die Welt wie winzige Brücken, Scheinwerfer und frühe Züge aus, die wie Schaltkreise leuchteten. Damian gefiel es so. Der Abstand hielt den Lärm niedrig.
Seine Morgenroutine rastete ein wie eine Maschine, die neu eingestellt wurde:
• Dusche bei achtunddreißig Grad
• Anzug, der scharf genug ist, um jemanden zu verletzen
• Schwarze Krawatte, schwarze Uhr
• Schwarzer Kaffee – kein Unsinn
Während der Espresso zischte, überflog er die Nachtberichte. Asiatische Märkte stabil. Ein rivalisierendes Konglomerat, das stille Schritte unternimmt. Ein möglicher Kampf.
Gut. Er lebte von Kämpfen.
Ehe?
Kaum eine Fußnote in seinem Kopf. Nach einer Woche war es immer noch nichts weiter als ein Vertrag. Carter Industries brauchte ihn; er brauchte ihren politischen Einfluss. Aria Carter – ruhig, intelligent, anspruchslos – war einfach die letzte Unterschrift des Deals gewesen.
Einfach. Sauber. Eingedämmt.
Sein Telefon summte. Evelyn Grant, bereits im Büro.
EVELYN: „Morgen-Update bereit. Vorstand trifft sich um neun.“
DAMIAN: „Ich bin um acht da. Markieren Sie die Fusionsakte.“
Kurze Nachrichten. Nullfüller. Seine bevorzugte Sprache.
Dann noch ein Summen.
UNBEKANNT: „Frühstück?“
Selene Vaughn. Natürlich. Der beliebteste Unruhestifter der Stadt und sein am längsten andauernder Fehler. Er drehte das Telefon um. Er hatte keine Lust auf sie – aber er sagte ihr auch nicht nein.
Die Fahrt mit dem Aufzug nach unten verlief still. Sein Fahrer Peter begrüßte ihn mit militärischer Präzision. Damian stieg ins Auto, den Kaffee in der Hand, das Tablet bereits aufgeklappt. Draußen in der Stadt erstreckten sich wache Werbetafeln, die aufleuchteten, Lastwagen ratterten über Brücken, Fußgänger schlurften durch den Morgennebel. Damian beobachtete sie mit distanzierter Ruhe.
Die Welt drehte sich schnell. Er ging schneller.
Die Ehe, erinnerte er sich, war ein Vertrag wie jeder andere. Und wenn ein Vertrag jemals seinen Zweck nicht mehr erfüllte, ersetzte er ihn.
Er nahm einen langsamen Schluck Kaffee, während das Sonnenlicht über die Skyline kroch.
Ein neuer Tag. Ein weiterer Krieg, den es zu gewinnen gilt.
Die Limousine hielt vor Cross Global – Glas, Stahl, Geld. Peter öffnete die Tür. Damian kam herein. In der Lobby wimmelte es von frühen Arbeitern, die so taten, als würden sie nicht starren.
Sie alle bemerkten ihn. Das taten sie immer.
Der Sicherheitsbeamte richtete sich sofort auf. „Guten Morgen, Mr. Cross.“
Damian nickte und ging zum privaten Aufzug, zu dem nur eine Handvoll Leute überhaupt Zugang hatten.
Im 50. Stock veränderte sich die Energie. Analysten flüsterten Updates. Bildschirme blinkten. Alle erstarrten, als er vorbeiging. Damian schenkte ihnen keinen Blick. Evelyn kam ihm mitten im Schritt entgegen. Perfekter Anzug, perfekte Haltung, das Tablet unter dem Arm.
„Zahlen?“ fragte er. „Q3 ist um drei Prozent gestiegen“, sagte sie. „Vanguard Tech finalisiert die Übernahmebedingungen. Vorstand um neun. Pressegespräch um elf. Mittagessen mit Senator Hale um eins.“ Evelyn stellte seinen Espresso ab, ohne dass es ihr gesagt wurde. Deshalb ist sie geblieben.
Ein Ping. Sie überprüfte ihr Telefon und hielt inne.
„Was?“ fragte Damian.
„Selene Vaughn ist in der Lobby. Kein Termin. Sie möchte dich sehen.“
Natürlich will sie das.
Damian schloss den Ordner. „Lass sie hoch.“
Evelyns Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, aber er bemerkte das Zögern. Jeder wusste, dass Selene nicht geschäftlich hier war.
Als sie ging, kehrte Damian zum Fenster zurück. Die Stadt erstreckte sich wie eine Karte der Möglichkeiten. Konkurrenten, die darauf warten, vernichtet zu werden. Deals, die darauf warten, in Anspruch genommen zu werden.
Ehe?
Nicht Teil des Schlachtfeldes.
8:45.
Fünfzehn Minuten bis zur Vorstandssitzung.
Fünfzehn Minuten, bis Selene hereinkam wie das Chaos, das sie war.
Damian zuckte nicht zusammen. Das hat er nie getan.