Enge Räume
Das schwache Glühen der Notlichter warf noch immer unheimliche Schatten über die Stonebridge-Eishalle und schärfte die Konturen von Knox Callahans Gesicht, als er nur wenige Schritte von Skye Emerson entfernt stand. Das schwache Licht haftete an der Linie seines Kiefers und betonte die angespannte Haltung seines Mundes. Skye schluckte schwer, ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, nicht aus Angst, redete sie sich ein, sondern wegen der beunruhigenden Nähe zu ihm in der fast völligen Dunkelheit. Die Luft war erfüllt von der Kälte der Eishalle.
Dann sprach er.
„Wahrscheinlich nur ein Sicherungsausfall“, murmelte Knox, seine Stimme tief, sein Atem löste seltsame Reaktionen in ihrem Körper aus, als er die Stille durchbrach. Doch dann ging er an ihr vorbei, seine Schulter streifte ihre, als er sich zur Wartungstür am anderen Ende der Eishalle bewegte. Der kurze Kontakt ließ sie zusammenzucken, und sie griff instinktiv fester um ihr Skizzenbuch, das noch unter ihrem Arm steckte. Sie zögerte, zog dann ihr Handy hervor und schaltete die Taschenlampe ein, um durch die trübe Dunkelheit zu gehen. Der Lichtstrahl zitterte leicht in ihrer Hand, als sie ihm folgte, ihre Sneakers quietschten auf dem gummierten Boden.
Kurz darauf hallte ein lautes Klirren aus den Tiefen der Eishalle wider und ließ Skyes Atem vor Angst stocken. Knox hielt inne, seine Haltung versteifte sich, und er warf ihr einen Blick zu. „Bleib hinter mir“, sagte er, sein Ton fest, fast beschützend, als er die Führung in den schmalen Wartungsgang übernahm. Die Wände waren mit freiliegenden Rohren gesäumt, die Luft feucht und schwer vom Geruch nach Schimmel und Metall. Skyes Taschenlampenstrahl leuchtete über den Betonboden und fing das Glitzern eines rostigen Rohrs ein, während sie tiefer in den Gang vordrangen.
Sie bogen um eine Ecke, wo das Geräusch ihrer Schritte mit dem fernen Brummen der Eishallensysteme verschmolz, die mühsam versuchten, wieder anzulaufen. Skyes Puls raste, ihre Sinne geschärft durch die Dunkelheit und die Unsicherheit dessen, was geschehen könnte. Doch als sie die Quelle des Geräuschs erreichten, war dort nichts – nur ein umgestoßener Moppeimer, dessen Griff im schwachen Luftzug gegen den Boden klapperte. Knox ließ ein leises Lachen hören, als er bemerkte, dass Skye sich aus Angst an seinem Arm festhielt. „Angst?“, fragte er, seine Augen blitzten, als er sich zu ihr umdrehte.
Skye verdrehte die Augen und zwang sich zu einem spöttischen Schnauben, um die aufsteigende Angst zu überspielen. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Hand den Ärmel seiner Jacke umklammerte, ihre Finger fest geschlossen. Sie ließ schnell los und trat zurück. „Kaum“, murmelte sie, obwohl ihre Stimme nicht die Überzeugung hatte, die sie sich erhofft hatte.
Knox’ Grinsen wurde breiter, aber er bohrte nicht weiter nach. Er deutete auf einen kleinen Wartungsraum direkt neben dem Gang, dessen Tür offenstand. „Wir können genauso gut hier warten, bis die Lichter wieder angehen“, sagte er und trat ein. Der Raum war eng, kaum groß genug für eine schmale Bank und ein überladenes Regal mit Reinigungsmitteln. Skye zögerte, folgte dann aber, ihr Taschenlampenlicht warf lange Schatten, als sie sich auf die Bank setzte und sorgfältig zwei Fuß Abstand zwischen ihnen ließ.
Die Stille, die sich über sie legte, war schwer, nicht direkt unangenehm, aber erfüllt von einer unausgesprochenen Spannung. Skye rutschte unruhig hin und her, ihr Skizzenbuch lag auf ihrem Schoß, ihre Finger fuhren nervös über die ausgefransten Ränder. Knox lehnte sich gegen die Wand, ein Bein ausgestreckt, sein Helm ruhte neben ihm auf der Bank. Das schwache Licht ihres Handys erhellte den Raum gerade genug, um zu zeigen, wie sein Blick zu ihr huschte und dann weg, als versuchte er, sie zu durchschauen.
„Also“, sagte er nach einem Moment, seine Stimme jetzt weicher. „Diese Spendenaktion. Glaubst du wirklich, dass dein Kunstauktions-Ding funktioniert?“
Skye sah ihn an, überrascht von dem Wandel in seinem Ton. „Besser als deine Feuerwerksidee“, sagte sie, seine Lippen zuckten zu einem kleinen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Die Leute unterstützen gerne lokale Sachen. Und es ist billiger“, fügte sie hinzu.
Er schnaubte. „Stimmt. Aber du wirst es hart verkaufen müssen. Stonebridge schreit nicht gerade nach ‚Kunstszene‘.“
Sie zuckte die Schultern, ihre Finger tippten auf ihr Skizzenbuch. „Ich krieg das hin. Ich zeichne seit Ewigkeiten. Es ist… irgendwie mein Ding.“
Knox neigte den Kopf und musterte sie mit einer Neugier, die fast entwaffnend wirkte. „Ja? Bist du gut?“
Sie zögerte, dann schlug sie ihr Skizzenbuch auf und hielt es so, dass er eine Bleistiftzeichnung eines windgepeitschten Baums sehen konnte, dessen Äste sich gegen einen stürmischen Himmel wanden. „Sag du’s mir“, sagte sie.
Er beugte sich näher, seine Schulter streifte ihre, während er die Zeichnung betrachtete. Einen Moment lang schwieg er, sein Ausdruck undurchdringlich. „Schrecklich“, sagte er schließlich, und ein widerwilliger Ton in seiner Stimme überraschte sie.
„Machst du das oft? Leute kleinzumachen?“, schnappte sie.
„Wann immer ich kann“, gab er zu. „So mache ich mir die Dinge klar.“
„Nun, meine Zeichnung ist perfekt, und es ist mir egal, was du denkst“, fügte sie hinzu.
Er nickte, sein Blick verweilte einen Takt zu lang auf ihr. „Eishockey ist für mich so“, sagte er, fast zu sich selbst. „Die Eisbahn ist manchmal der einzige Ort, der Sinn ergibt. Kein Unsinn, nur das Spiel.“
Skye sah ihn an, überrascht von dem Geständnis. „Klingt anstrengend“, sagte sie, bevor sie sich bremsen konnte. „All dieser Druck, alle Augen auf dir.“ Zum ersten Mal fühlte sie sich in seiner Nähe wohl.
„Man gewöhnt sich dran. Oder auch nicht, und dann ist man erledigt.“
Die Stille kehrte zurück, diesmal weicher, als wären sie in ein Gespräch gestolpert, das keiner von beiden geplant hatte. Skye ertappte sich dabei, wie sie die Konturen seines Gesichts studierte, die Art, wie seine Hände locker auf seinen Knien ruhten, die schwache Falte zwischen seinen Brauen. Seine Augen wanderten zu ihr, und für einen Sekundenbruchteil fixierten sie ihre Lippen. Ihr Atem stockte, ihr Puls schnellte hoch, als die Luft zwischen ihnen dichter zu werden schien.
Knox beugte sich näher, langsam genug, dass Skye sich hätte zurückziehen können, wenn sie gewollt hätte. Sie tat es nicht. Seine Hand streifte ihren Arm, eine vorsichtige Berührung, die einen Schauer durch sie jagte. Dann, fast zögernd, trafen seine Lippen ihre. Der Kuss war zunächst sanft, tastend, und sie schob ihn nicht weg. Skyes Finger, zunächst zögerlich, krallten sich in den Stoff seines Hoodies, ihr Herz raste, als der Kuss tiefer wurde. Seine Hand glitt zu ihrem Kiefer, sein Daumen strich über ihre Wange auf eine Weise, die den engen Wartungsraum wie den einzigen Ort der Welt erscheinen ließ.
Plötzlich flackerten die Lichter mit einem harten Summen wieder an und fluteten den Raum mit kaltem Neonlicht. Skye zog sich zurück. Knox lehnte sich ebenfalls zurück, ein leichtes Grinsen spielte auf seinen Lippen, aber seine Augen hielten ihre fest. „Ich schätze, wir sollten wieder a die Arbeit“, sagte er.
Skye nickte, ihr Verstand wirbelte, als sie aufstand und ihr Skizzenbuch umklammerte. Sie traten aus dem Wartungsraum, die Eisbahn kam in Sicht, als die Deckenlichter wieder zum Leben summten. Doch als sie den Rand des Eises erreichten, stand dort eine wartende Gestalt, die Arme verschränkt, ein kalter, finsterer Ausdruck auf den Lippen. Es war Laurel Dane, Stonebridges unangefochtene Königin und Knox’ immer mal wieder Freundin, die sich gegen die Bande lehnte, ihr blondes Haar fing das Licht ein. Ihre Augen huschten zwischen Skye und Knox hin und her, ein scharfes, kaltes Starren, das Ärger versprach. Und dann leuchteten ihre Lippen mit einem Lächeln auf.