Der erste Tag von Frau E. ist nun schon mehrere Monate entfernt. Meine Gefühle zu ihr haben sich extrem vergrößert und ich musste mir eingestehen, dass ich mich in sie verliebt hatte. Jeden Tag freute ich mich darauf sie zu sehen. Egal ob es nur kurze Begegnungen oder ganze Stunden mit ihr waren, jedesmal hatte ich ein heftiges kribbeln im Bauch und sobald sie mich nur an schaute, stahl sich ein Lächeln in mein Gesicht und mein Herz schlug höher. Jeden Tag schenkte sie mir ein Lächeln und wenn ich es mal nicht bekam, heulte ich am Abend vor Sehnsucht. Ich war extrem abhängig von ihr geworden. Manchmal wurde ich auch rot, wenn sie merkte das ich sie an starrte oder wenn sie mich ansprach. Jeden Abend dachte ich an Sie. Ohne an sie zu denken konnte ich nämlich gar nicht mehr einschlafen. Ich stellte mir dann immer vor, dass ich es ihr erzählen würde und wie sie darauf reagieren würde, mal reagierte sie gut darauf mal genau das Gegenteil.
Ich war ihr im Unterricht immer sehr nah, da ich genau vor ihrem Schreibtisch in der ersten Reihe saß. Deshalb konnte ich ihren Geruch sehr gut wahrnehmen, der für mich irgendwie anziehend wirkte. (Macht das Sinn)
Außerdem konnte ich sie so auch besser beobachten. Aber es war auch riskanter, weshalb sie es sehr oft bemerkte. Sie schien meine Blicke zu spüren. Aber sie war nie wütend, sie lächelte mich immer nur an, meistens auch während sie der Klasse grade etwas erzählte. Es erstaunte mich, dass es sie scheinbar nicht störte. Aber ich konnte meine Augen einfach nicht von ihr lassen. Ihre Art wie sie ging, wie sie erklärte, wie sie an die Tafel schrieb, wie sie lächelnd etwas ein zweites Mal erklärte, damit alle Schüler die Aufgabe verstanden, wie sie in der Pause das Geschehen beobachtete und regelte und ihr Freundlichkeit und gleichzeitige Strenge, wie sie die Klasse unter Kontrolle hatte und noch vieles mehr. All das faszinierte mich. Ich schätze sie so auf mitte dreißig, aber es stört mich absolut nicht, dass sie mehr als doppelt so alt ist, als ich. Es stört mich nicht im geringsten, dass sie eine Frau und dazu noch meine Lehrerin ist. Manchmal träume ich auch von ihr und wache dann traurig auf, weil mir bewusst wird, dass es nur ein Traum war und nie wahr werden würde.
Auch heute hatte ich wieder so einen Traum. In dem Traum hatten wir ein Date. Wir sind ins Kino gegangen. Danach haben wir uns gemeinsam den Sternenhimmel angesehen. Am Ende des Traums, haben wir uns geküsst. Es hat sich so echt angefühlt, dass ich im ersten Moment als ich aufwachte, dachte es wäre Wirklichkeit und dass ich beim Kuss einfach nur die Augen geschloßen hatte. Geknickt stehe ich auf und mache mich fertig. Mein Blick schweift dabei kurzzeitig über meinen Stundenplan und sofort schleicht sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Heute haben wir eine Doppelstunde Deutsch bei ihr, mein Lieblings Fach übrigens. Sofort war ich wieder bester Laune, den Traum hatte ich schon längst beiseitegeschoben, denn jetzt hatte nur noch sie und ihr heutiger Unterricht, ihr Lächeln und ihre Stimme, Platz in meinem Kopf. Schnell war ich fertig und ich lief los zur Schule, der Weg dauerte nur 10min. An der Schule angekommen, gehe ich sofort in die Klasse und setze mich an meinen Platz, ich packe meine Sachen aus, als meine Freunde rein schneien und mich begrüßen.
L:"Wie kannst du so früh am Morgen, schon so gut gelaunt sein?" fragt sie müde.
I:"Weiß nicht, ich freu mich einfach auf Deutsch." grinse ich und wende mich meinen Deutschhausaufgaben zu, die ich noch mal kontrolliere. Als ich von meinem Heft aufblicke, bemerke ich dass, schon alle da sind und Frau E. spät dran ist. In diesem Moment betritt sie die Klasse, sie läuft auf ihren Schreibtisch wirft mir auf meinen Blick hin ein Lächeln, welches ich erwiedere, zu und begrüßt dann die Klasse.
Fr. E:"Guten Morgen, Klasse. Ich habe etwas mit euch zu besprechen. Wir werden in drei Monaten eine Klassenfahrt machen." aufgeregtes Gemurmel ertönt.
Fr. E:"Ihr dürft entscheiden wo es hingehen soll aber ihr müsst auch die Programme/Ausflüge planen. Dafür werden wir fünf Gruppen bilden. Jede Gruppe ist für einen Tag verantwortlich, also einen Ausflug. Den Rest von wegen An-/und Abfahrt und welches Hotel und so weiter, darum werden Frau S. und Ich uns kümmern."
Ein Kribbeln breitet sich in mir aus. ~eine Klassenfahrt mit Frau E. das wird die beste Fahrt meines Lebens~
L:"Ey wie nice, wir dürfen wirklich selbst entscheiden wohin es geht."
I:"Ja, aber wahrscheinlich wird abgestimmt." flüstere ich zurück. Überall brechen die Gespräche aus und es wird schon fleißig Ziele in die Klasse geschriehen. Da unterbricht Frau E. das geschehen und alle sind sofort wieder ruhig.
Fr. E:"Wir werden jetzt ein Paar Vorschläge an der Tafel sammeln und dann wird abgestimmt."
Erstaunt sehe ich, nach dem ich mich umgedreht habe, dass sich die ganze Klasse meldet. ~Komisch wenn es um alles andere als Unterricht geht, kann plötzlich jeder am Unterricht teilnehmen.~ Ich überlege, ~habe ich denn ein besonderes Ziel?~ Da fällt mir ein, dass ich gerne mal nach Österreich, in die Berge möchte. Also melde ich mich auch und werde zu meiner Überraschung, sofort dran genommen. Ich sage meinen Vorschlag und sie schreibt in mit einem Lächeln auf die Tafel. Ich sehe auf die Tafel und stelle fest, dass mein Vorschlag der erste ist der von ihr aufgeschrieben wurde. Anscheinend sind die Ziele der anderen nicht möglich. Als dann aber alle durch sind, stehen 3 Ziele an der Tafel. Fr. E fängt an die Ziele von unten nach oben abzufragen. Für London zeigen 10 Leute auf, für Holland 2 und für Österreich zeigt der Rest auf. Zufrieden sehe ich zurück zu Frau E. und sehe bei ihr einen Ausdruck im Gesicht, der für mich wie Vorfreude aussieht. Dann teilt sie uns in 5 Gruppen ein. Glücklicherweise bin ich mit Merve, Lis, Marie und Sophie in einer Gruppe. Mit den beiden verstehe ich mich auch ganz gut und sie sind vernünftig, weshalb ich mir sicher bin, das wir einen Ausflug ordentlich planen können. Wir setzen uns also zusammen und fangen an Vorschläge, für mögliche Ausflüge aufzulisten. Schnell haben wir eine paar aufgeschrieben. Gerade beraten wir welches wohl am besten geeignet wäre und auf welchen Ausflug die Klasse am meisten l**t hätte, als Frau E. zu uns kommt um zu sehen, wie weit wir sind. Sofort höre ich auf zu reden und mein Herzschlag verdoppelt sich, meine Hände fangen an zu zittern und ich fange an zu schwitzen.
Fr. E:"Leona, ist alles in Ordnung bei dir?" fragt sie mich besorgt.
I:"Ich...glaub...ich muss kurz...raus." bringe ich hervor. Sie nickt und ich verschwinde aus dem Klassenzimmer.
~Was ist bloß los mit mir?~ nach einer Zeit in der ich mich langsam wieder beruhige kommt Frau E. zu mir und setzt sich neben mich. Doch leider wiederholt sich das von grade, daraufhin, wieder. Doch ich versuche es so gut es geht zu Unterdrücken.
Fr. E:"Geht es dir etwas besser? Was war denn grad los?" fragt sie mich besorgt.
I:"Ähm, ich...ich weiß selbst nich...nicht so genau, aber es geh...geht wieder." stottere ich vor mich hin und werde rot. ~man jetzt reiß dich zusammen~
Fr. E:"du bist in letzter Zeit häufiger so komisch, gibt es etwas dass du mir erzählen möchtest."
~oh, da gibt es so einiges~
I:"Nein, da ist nichts, Entschuldigung das ich komisch bin." sage ich anstattdessen.
Fr. E:"Ok, du musst dich aber nicht entschuldigen." lacht sie freundlich.
Wieder werde ich rot. Plötzlich nimmt sie meine Hand und schaut mir in die Augen.
Fr. E:"Ich weiß dass es etwas gibt das dich beschäftigt." sagt sie ruhig und drückt leicht meine Hand. Ich starre auf die Hand, da von dort aus ein Stromschlag durch meinen ganzen Körper fährt. Ich blicke wieder hoch in ihre Augen. ~soll ich es wirklich riskieren, soll ich ihr es wirklich erzählen und damit unser bisher gutes Verhältnis zueinander riskieren~
Ich überlege fieberhaft, während ich mich in ihren Augen verliere.
I:"Es gibt da schon etwas." murmel ich leise.
Fr. E:"Ich weiß." flüstert sie ebenso leise und rückt meinem Gesicht näher.
~Was passiert jetzt, will sie mich küssen?~ aufgeregt halte ich die Luft an, damit sie nicht merkt dass mein Herzschlag wieder höher gegangen ist.
Dann drückt sie mich plötzlich an die Wand hinter mir und schon liegen ihre Lippen auf meinen. Es fühlt sich einfach zu gut an. Unsere Lippen harmonisieren miteinander und im gleichem Rhythmus bewegen wir unsere Lippen. Dann spüre ich auf einmal ihre Zunge auf meine Lippen und ich lasse ihr zu gern den Eintritt. Ein wilder Zungenkampf ensteht. Schweratmend lösen wir uns voneinander. Dann steht sie auf zwinkert mir zu und geht zurück in die Klasse. Verblüfft bleibe ich sitzen. ~War das gerade echt oder habe ich mir das nur eingebildet. Irgendwann stehe ich auf und gehe langsam zur Klasse zurück ich setze mich zurück auf meinen Platz und versuche mich wieder auf meine Gruppenmitglieder zu konzentrieren, doch ich höre nur halb zu. Am Ende der Stunde als ich einpacken will, fällt mir ein kleiner Zettel in meinem Heft auf. Ich fallte ihn auf und wieder macht mein Herz einen Sprung.