Springfield, Missouri
„Ja, ich habe gerade in einem Hotel eingecheckt“, sagte Janet zu Sophia am Telefon und achtete darauf, nicht zu erwähnen, dass sie nur wenige Gehminuten von den Genovese-Casinos entfernt war.
„Hast du mit deinem Vater gesprochen?“
„Nein, er geht weder an mein Telefon noch beantwortet er meine Nachrichten.“ Sie presste die Lippen zusammen.
„Janet, wenn du ihn nicht erreichen kannst, komm einfach zurück, okay? Tu nichts, was dich in Schwierigkeiten bringen könnte.“
„Ja.“
„Also gut, es ist sowieso schon spät, also geh einfach schlafen und vergiss alles. Ich liebe dich, okay?“
„Ich liebe dich auch. Tschüss.“ Janet schaute aus dem Fenster und spürte eine Welle der Unruhe, während sie die Menschenmassen beobachtete, die durch die Straßen hasteten.
‚Ich habe bereits den Verlust eines Vaters betrauert. Dasselbe Schicksal werde ich nicht noch einmal erleiden.‘ Entschlossen, sich mit ihrem Vater zu vereinen, wählte sie erneut seine Nummer. ‚Wenn du diesmal nicht antwortest, werde ich alles tun, um dich zu finden.‘
Wieder blieb der Anruf unbeantwortet.
Janet zog schwarze Lederhosen und ein weißes Seidenhemd an und schminkte sich dunkel, um ihre Identität zu verbergen. Nachdem sie in eine schwarze Jacke geschlüpft war, schüttelte sie ihr langes, glänzendes blondes Haar aus und ließ es bis zur Taille fallen.
Mutig verließ sie ihr Hotel und ging mehrere Kilometer, bevor sie vor dem Casino stehen blieb. Sie holte tief Luft und trat selbstbewusst hinein, vorbei an den Spieltischen in Richtung Bar.
„Wasser, bitte?“, fragte sie, und der Barkeeper nickte. Mit den Lippen spielend, ließ sie ihren Blick durch die Menge schweifen und nahm die verschiedenen Gesichter und Ausdrücke wahr. Obwohl einige Männer der Beschreibung der Mafia entsprachen, zögerte sie, auf sie zuzugehen.
„Hier bitte, Ma’am.“
Sie wandte sich zur Theke und schenkte ihm ein freundliches Lächeln. „Danke.“ Nachdem sie einen kleinen Schluck genommen hatte, musterte sie die Umgebung.
„Suchen Sie jemanden?“ Der Barkeeper sprach sie erneut an, woraufhin sie ihren Barhocker zu ihm drehte. „Sind Sie neu hier?“
Janet hoffte, nützliche Informationen zu sammeln, und flirtete zurück mit dem jungen Barkeeper, der Interesse an ihr zeigte.
„Springfield ist mir nicht neu, aber das hier ist mein erster gesellschaftlicher Besuch. Und ich genieße es schon jetzt“, sagte sie und wiegte ihren Körper zur Musik. „Wie heißt du?“
„Dane.“
„Janet“, sagte sie, während sie ihm die Hand reichte, und er begrüßte sie mit einem Lächeln.
„Für Neulinge wie dich ist der Missouri Mule ein Muss. Ich bin gleich zurück.“ Als er ihr ein Getränk holte, beobachtete Janet einen Mann im schwarzen Anzug, der mit seiner geheimnisvollen Ausstrahlung, einer Zigarre und seinem ständigen Blick auf die Uhr auffiel. Seine starke Präsenz und offensichtliche Feindseligkeit machten die Kellner nervös, während er sie scharf zurechtwies.
„Hier, bitte“, sagte Dane und erschien mit einem Getränk.
„Danke.“ Sie nahm einen Schluck, beeindruckt von dem kräftigen Geschmack. „Fantastisch! Vielen Dank.“
„Ich weiß, oder? Also, was hast du heute Abend noch vor?“
Janet verschluckte sich an ihrem Drink, ihre Augen tränten, als sie ihn ansah. „Wie bitte?“
„Oh, ich meine, ich könnte dir die Stadt zeigen, wenn du möchtest. Versteh mich nicht falsch, ich mache gerne neue Bekanntschaften“, lächelte er sie an. „Jedenfalls wollte ich dich nicht verunsichern. Gefällt dir der Ort? Es ist das coolste Casino der Stadt!“
Ehrlich gesagt, fühle ich mich ein wenig eingeschüchtert von dem Mann ganz rechts von dir. Sie wagte einen Versuch ins Blaue hinein und hoffte, dass es nicht auf sie zurückfiel. „Ich bin beim Reinkommen versehentlich gegen ihn gestoßen, und er sah mich an, als wollte er mich umbringen.“ Janet bemerkte, wie sich sein Ausdruck von verspielt zu ernst veränderte.
„Halte dich fern von den Genovese-Männern!“, warnte Dane sie. „Auch wenn die Genovese behaupten, Frauen und Kinder zu verschonen, sind ihre Soldaten berüchtigt dafür, gnadenlos und unerbittlich zu sein.“
„Vor ein paar Tagen hat einer von ihnen eine Frau getötet, weil sie ein Sperrgebiet betreten hatte. Ich würde dir nicht empfehlen, dich mit ihnen einzulassen“, flüsterte er.
„Wow. Jetzt bekomme ich Angst. Sollte ich lieber nach Hause gehen?“, flüsterte sie.
„Nein, das hier ist ein guter Ort. Halte dich einfach von ihren Angelegenheiten fern.“ Dane tätschelte sanft den Handrücken ihrer Hand auf der Theke.
„Aber wie erkenne ich sie?“
„Alle Soldaten tragen Smaragdringe am Daumen“, flüsterte er.
Janet nickte, während Danes Blick zum Eingang hinter ihr wanderte. „Das ist der Capo der Genovese-Familie.“
Er deutete zum Eingang, und Janets Herz begann zu rasen. Sie drehte sich auf ihrem Hocker um und sah ihren Vater dort stehen.
Gekleidet in einen maßgeschneiderten schwarzen Anzug und ein makelloses weißes Hemd wirkte er wie ein selbstbewusster Geschäftsmann, bereit für den Tag. Janet beobachtete, wie er auf den Mann zuging, den sie Dane gegenüber erwähnt hatte.
„Das ist Connor Blair“, flüsterte er. „Du wirst keinen Ring an seinem Daumen finden, falls du ihm heute Abend oder irgendwann begegnest. Vermeide jeglichen Kontakt. Er ist sehr gefährlich und hat viele Leichen im Keller. Für ihn gibt es keinen Unterschied zwischen Männern, Frauen oder Kindern. Wenn du einen Fehler machst, ist es besser, dein Leben selbst zu beenden, als einen grausamen Tod durch seine Hand zu erleiden.“
Janet kämpfte gegen die Tränen. Jedes Wort von Dane fühlte sich wie ein Messer in ihrem Herzen an, während sie von der Grausamkeit ihres Vaters hörte. Dennoch war die Erkenntnis, dass er nach drei Jahren noch lebte, zu viel, um es zu ertragen.
Connor war in ein Gespräch vertieft, und sein Gesicht zeigte Verärgerung. Diese verwandelte sich rasch in Wut, als er die Faust auf den Tisch schlug und aufstand.
Janet rutschte schnell vom Hocker und öffnete ihre Clutch, um ihr Getränk zu bezahlen. „Hey, das geht auf mich!“, rief Dane ihr zu.
„Danke“, sagte sie zu ihm, während sie aus den Augenwinkeln ihren Vater beobachtete. „Ich fühle mich hier nicht sicher, aber ich komme ein andermal wieder.“
„Klar.“ Er schenkte ihr ein schnelles Lächeln und wandte sich dann dem nächsten Gast zu.
Connor stieg gerade die Treppe hinauf, als Janet ihm hastig folgen wollte, doch die Wachen stoppten sie. „Dad!“, rief sie von unten.
Connor blieb abrupt stehen.
„Dad!“, rief sie erneut, von den wachsamen Augen der Leibwächter zurückgehalten.
Connor drehte sich schnell um, mit einem Ausdruck milder Überraschung im Gesicht. Er hielt inne, sprachlos und unsicher, wie er auf ihre Anwesenheit reagieren sollte. Sie schwiegen, bis ein Schuss die Stille durchbrach – die Kugel verfehlte Connor knapp und traf das Metallgitter.
Chaos brach aus, die Menschen versuchten panisch zu fliehen. Die Leibwächter ließen Janet zurück, um ihren Boss zu retten. Sie schirmten ihn ab und versuchten, ihn sicher hinauszubringen, doch Connor stieß sie beiseite, um zu seiner Tochter zu gelangen.
Er erschoss den Mann, der auf ihn gefeuert hatte, und zog Janet dann durch einen versteckten Ausgang in eine dunkle Gasse.
„Janet, was um alles in der Welt machst du hier?“ Er packte sie fest an den Armen, seine Wut war deutlich.
„Was geht hier vor? Du gehst nicht ans Telefon. Seit drei Jahren haben wir nichts von dir gehört! Ich hatte keine andere Wahl, als zu kommen.“ Sie sah den Schmerz in seinen Augen, bevor sie kalt wurden.
„Geh nach Hause und komm nie wieder hierher!“ Seine tiefe Stimme hallte, während Schüsse durch die Luft dröhnten.
„Dad, ich …“ Bevor sie den Satz beenden konnte, zog Connor sie aus der Gasse hinaus auf eine leere Straße.
„Finde allein den Weg zurück. Und setz niemals wieder einen Fuß in diese Gegend!“ Er wandte sich ab, um in der dunklen Gasse zu verschwinden.
„Dad, du fragst nicht einmal, ob ich verletzt bin?“, rief Janet ihm nach.
„Ich habe dich gerade gerettet. Ich weiß, dass es dir gut geht. Geh nach Hause, Janet!“ Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut, als er sich ihr zuwandte – und Janet sah, wie ein Mann von hinten eine Waffe auf Connor richtete.
„Dad!“ Sie rettete Connor, und der Schuss verfehlte ihn. Connor stellte sich schützend vor Janet, zog seine Waffe, und ein lauter Knall hallte, als der Angreifer zu Boden fiel.
In der tiefen Nacht übernahmen die Angreifer die verlassene Straße, während schwarze Wagen stoppten. Panik stieg in Janet auf, ihr Herz raste, und Connor packte fest ihr Handgelenk, um sie aus der Gefahrenzone zu ziehen.
„Dad!“, rief sie, während Connor einer weiteren Kugel auswich. Ein Angreifer griff Janet von hinten, doch sie stieß ihn mit einem Tritt weg. Connor warf ihr einen kurzen Blick zu, bevor eine Kugel seine Schulter traf und er ihre Hand losließ.
Janet sah, wie er vor Schmerz aufschrie, doch sein Kampfgeist blieb ungebrochen – als hätte die Kugel seine Kraft nur angefacht. Das Eintreffen der Soldaten der Genovese verwandelte die Szene schnell in ein Albtraumgewitter aus Schüssen, Schreien und Blut.
Janet eilte, um Connor zu helfen, doch drei Angreifer überwältigten sie und machten sie wehrlos gegen ihre rohe Gewalt. Während sie versuchte zu entkommen, hielten sie ihr den Mund zu und zerrten sie gewaltsam zum Wagen, in den sie sie hineinwarfen.
„Janet!“, rief Connor, während er dem Wagen nachjagte, doch dieser verschwand rasch.
Verzweifelt schlug Janet gegen die Fensterscheibe. „Wohin zur Hölle bringt ihr mich? Wer seid ihr?“, schrie sie.
„Sie ist Connors Tochter. Ich habe gehört, wie sie ihn Dad genannt hat“, sagten die Angreifer. „Der Boss wird mit unserer Arbeit zufrieden sein.“
Bevor sie antworten konnte, spürte Janet plötzlich einen Stich am Arm, keuchte – und langsam umfing sie die Dunkelheit.