Kapitel 18

1318 Worte
CHRISTIANS S. I. Ich schob die schwere Eisentür des Fitnessstudios auf und ließ meine Augen sich an das gedämpfte Licht im Raum gewöhnen. Überall standen schwere Trainingsgeräte, und in der Mitte befand sich ein großer Boxring. Darin war Elena. Mir stockte der Atem, als ich sie beobachtete. Sie trug ein lockeres Crop-Top, die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, der bei jedem kräftigen Schlag, den sie dem Mann vor ihr verpasste, hin und her schwang. Sie trug schwarze Leggings, die ihre schlanken, langen Beine betonten, und ich musste mich zwingen, ihr ins Gesicht zu schauen. Sie war verschwitzt, aber hochkonzentriert, mit einer Falte zwischen den Brauen und zusammengebissenen Zähnen. Sie landete einen sauberen Uppercut, der den Mann mit einem lauten Stöhnen zu Boden schickte. Sie lachte atemlos auf und reichte ihm die Hand, um ihm aufzuhelfen. Er verließ prompt den Ring und massierte sich das Kinn. Ich konnte den Blick kaum von ihr abwenden. Ich war ihre störrische Ruhe gewohnt, die steife Leibwächterin im Anzug oder die etwas zugänglichere Kellnerin im Restaurant. Diese… wilde, fokussierte und verdammt sexy Kämpferin war etwas ganz anderes, und etwas sagte mir, dass dies die Version war, die ihr am nächsten kam. Sie drehte sich schließlich zu der Stelle um, an der ich stand. Ihre Augen wurden eiskalt, während sie ihre Hände fester bandagierte. „Was verschafft mir die Ehre dieses Besuchs?“, fragte sie, noch immer atemlos. Ich hasste die Dinge, die mir in diesem Moment durch den Kopf gingen. Ich schluckte schwer und ging wortlos nach vorne. Ich stieg in den Ring, bis ich direkt vor ihr stand. Ich überragte sie deutlich, doch sie hielt meinem Blick stand, stemmte die Hände in die Hüften und zeigte mir deutlich, dass sie sich nicht von ein paar Zentimetern Größenunterschied einschüchtern ließ. „Ich habe dich gestern Abend geküsst“, sagte ich. „Du hast mich dafür geohrfeigt. Ich würde sagen, wir sind quitt.“ Sie hob eine Braue, sagte aber nichts weiter. Ich trat noch näher, bis ich ihren Atem auf meiner Brust spürte, wo das Hemd offen war, bis ich ihren Duft wahrnahm – und sie roch köstlich. „Wie wäre es mit einer Runde? Hier und jetzt. In diesem Ring. Erhöhen wir den Einsatz.“ Sie hob die Braue und lachte dann. „Ich werde dich verletzen, Pretty Boy. Setz dich lieber hin und sag mir, warum du gekommen bist.“ Aus irgendeinem Grund verletzte das mein Ego genauso sehr, wie es mich erregte. „Ich bin gekommen, um mit dir zu sparren. Du unterschätzt mich wegen meines Gesichts, aber ich könnte dasselbe über dich sagen. Du bist hübsch. Heißt das, du gehörst nicht hierher?“ Sie trat einen Schritt zurück, musterte mich von oben bis unten und lachte erneut. „Letzte Chance, Volkov.“ „Versuch’s doch, Eleanor.“ Die Nennung ihres echten Namens erregte definitiv ihre Aufmerksamkeit. Sie nickte knapp. „Na schön. Sag Colin später, dass ich dich gewarnt habe.“ Ich lächelte leicht, griff dann nach ihrem Pferdeschwanz und zog das Band heraus. Ihre Haare fielen in einer üppigen Welle über ihre Schultern. Sie sah mich an – und wirkte alles andere als beeindruckt. „Ich leihe mir das aus.“ Sie verdrehte die Augen, holte ein neues Band aus ihrer Tasche und band sich die Haare damit zusammen. Ich beobachtete die elegante Linie ihres Halses und das hübsche Rosa ihrer Lippen, als sie das Band zwischen ihnen hielt. Konzentrier dich, Christian. Ich trat zurück und wärmte mich auf. Sie warf mir ein Paar Handschuhe zu, und ich wickelte meine Hände ein. „Los“, sagte sie knapp, die Augen verengt. Ich öffnete den Mund, um zu protestieren, doch ihr Blick duldete keinen Widerspruch. Ich schlug als Erster zu. Ihre Finger schlossen sich um meine Faust, obwohl meine Hände deutlich größer waren. „Du musst schon etwas schneller schlagen, Pretty Boy.“ Ich lachte, stieß sie zurück und befreite meine Hand. „Du spielst unfair.“ „Und du spielst langsam.“ Ich schlug erneut zu. Diesmal wich sie aus und hob das Bein zum Kick. Ich sah ihn kommen, wich aus und schlang meine Hand um ihren Oberschenkel. Ihre Augen weiteten sich, als ich sie näher zu mir zog. Ihre Brust hob und senkte sich gegen meine, ihr Oberschenkel noch immer in meinem Griff. Ich wollte etwas sagen, doch plötzlich drehte sie sich, hob mühelos das andere Bein und trat mir gegen die Brust. Ich fiel nach hinten, während sie sicher auf den Füßen landete. „Die Dreistigkeit“, sagte sie. Ich lachte, richtete mich auf und schlug sofort wieder zu. Ich verfehlte sie. Sie schlug zu, ich fing ihre Faust ab, drehte sie herum, sodass ihr Rücken gegen meine Brust prallte. „Hast du den Kuss von gestern Abend wirklich so gehasst?“, fragte ich und lehnte mich an ihre Haut. „Ja“, antwortete sie schlicht, griff nach meinem Nacken und drehte sich. Diese Frau. Ich setzte mich auf und trat gegen ihr rechtes Bein, sodass sie zurücktaumelte. Sie ließ sich jedoch nicht fallen, packte mich am Kragen und drückte mich gegen die Seile. Ich schlang meine Hand um ihre nackte Taille und spürte die Wärme ihrer Haut. „Du hast den Kuss für eine Sekunde erwidert.“ Sie verdrehte die Augen. „Instinkt. Ich bin es gewohnt, geküsst zu werden.“ Sie drehte mich erneut herum. Ich packte ihre Beine und zog sie mit mir zu Boden. Wir landeten zusammen, sie fluchte und trat mich weg. Noch bevor ich aufstehen konnte, zielte sie auf mein Kinn und hielt mich am Boden. Ich blinzelte zu ihr hoch, als sie sich über mich setzte, die Faust nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt. Ihre Haare hatten sich aus dem Zopf gelöst, sie atmete schwer, ihre Brust hob und senkte sich, ihre Augen waren weit aufgerissen. Ich schluckte und sah ihr in die Augen. Ihr Körper drückte mich nach unten – warm, real, solide. „Willst du zuschlagen? Wird es dir wegen gestern Abend besser gehen?“ Ihr Blick wanderte zu meinen Lippen. Ich wusste, dass er es tat. Auch wenn es nur für eine Mikrosekunde war. „Vielleicht.“ Ich hob die Hand und strich ihr sanft die Haare zurück, steckte sie hinter ihr Ohr. „War das der Grund, warum du gegangen bist? War das wirklich der einzige Grund?“ Ihre Faust senkte sich langsam. Ihre Hände stützten sich rechts und links neben meinem Kopf ab und hielten mich gefangen. Ich hatte mich noch nie einer Frau gegenüber so unterwürfig gefühlt. „Ich bin gegangen, weil es wahrscheinlich besser für dich war. Bei allem, was gerade passiert…“ „Warum? Du hast einen einzigen Tag für mich gearbeitet. Woher willst du wissen, was das Beste für mich ist?“ „Weil ich den wirklich netten, lächelnden Mann in diesem Restaurant gesehen habe, bevor ich dem Christian vorgestellt wurde, der alle davon überzeugt hat, dass er schwer zu ertragen ist.“ Meine Augen weiteten sich. Bevor ich mich stoppen konnte, richtete ich mich auf, meine Nase streifte ihre. Sie sog scharf die Luft ein, ihre Finger krallten sich in mein Hemd, ihre Brust hob und senkte sich im gleichen Rhythmus wie meine. „Ich weiß, warum du gekommen bist. Ich weiß, dass du dich zwischen mir und meinem Bruder entscheiden musst.“ Ihr Atem stockte, aber sie sagte nichts. „Ich weiß nicht, wer du wirklich bist, warum mein Vater diese Vereinbarung mit dir getroffen hat… und es ist mir auch egal. Ich will, dass du mich wählst. Nicht ihn. Mich.“ „Christian…“ Ich richtete mich weiter auf und legte meine Hand in ihren Nacken, die Finger in ihren Haaren. „Lass mich deine Eltern kennenlernen, Eleanor.“ Ich spürte, wie ihr Körper sich anspannte. Ich rechnete fest mit einem Nein. Sie lehnte sich langsam zurück, sah mir in die Augen und nickte dann zögernd. „Okay.“
Kostenloses Lesen für neue Anwender
Scannen, um App herunterzuladen
Facebookexpand_more
  • author-avatar
    Schriftsteller
  • chap_listInhaltsverzeichnis
  • likeHINZUFÜGEN