KAPITEL FÜNF: Die Jagd der Narren

1657 Worte
Lysandras POV Als Julian mich an dem vereinbarten Tag abholte, war ich bewaffnet und bereit für den Krieg – oder das, was in Summervilles glitzernder Unterwelt dafür durchging. Ich hatte ein rotes Kleid gewählt, das sich wie eine zweite Haut an meinen Körper schmiegte, der Stoff umschmeichelte jede Kurve – meine Hüften, meine Taille, die Wölbung meiner Brust – und betonte meine Form mit einer Kühnheit, die sich wie Trotz anfühlte. Der Saum endete knapp über den Knien, neckte die Grenze zwischen Eleganz und Provokation, und meine Absätze, scharf und schwarz, klackerten mit Absicht, jeder Schritt eine Machtdemonstration. Mein Haar fiel in lockeren Wellen herab, rahmte mein Gesicht ein, und ein Hauch von karminrotem Lippenstift passte zum Kleid, forderte jeden – besonders Caelum – heraus, wegzuschauen. Ich erhaschte mein Spiegelbild im Wohnungsfenster: sexy, atemberaubend, unaufhaltsam. Ein Grinsen umspielte meine Lippen, geschärft zum Schneiden. Die Zwillinge waren bei einem Spieltreffen mit einer Nachbarin, sicher vor dem Chaos, das ich gleich entfesseln würde. Julian, gesegnet sei sein ahnungsloses Herz, fuhr in seinem glänzenden schwarzen Mercedes vor, pfiff anerkennend, als er mir die Tür öffnete. „Du siehst umwerfend aus“, sagte er, seine Augen verweilten einen Tick zu lang. „Bereit, diesen Typen zappeln zu lassen?“ Ich glitt hinein, ein Grinsen aufblitzen lassend. „Du hast keine Ahnung. Spiel einfach mit, und denk dran – streng professionell. Mit einer Prise Drama.“ Unser erster Halt war das Café Lumière, die Art von überteuertem Laden, wo Milliardäre so taten, als nippten sie an Lattes, während sie Geschäfte abschlossen. Julian hatte es als „lockeres Treffen“ vorgeschlagen, um über meinen neuen Job zu sprechen, aber ich wusste, dass Caelums Spione die Stadt wie Ratten durchsetzten. Tatsächlich, als wir uns in eine Samt-Nische mit Blick auf die Promenade setzten, entdeckte ich ihn – Mr. Drexler höchstpersönlich, der hereinmarschiert kam, als gehörte ihm der Laden. Was, wenn man’s genau nimmt, wahrscheinlich stimmte. „Lysandra“, dröhnte Caelum und ignorierte Julian komplett, während er sich über unseren Tisch beugte. Sein Anzug schrie nach Macht, maßgeschneidert mit einer Uhr, die eine kleine Insel kaufen könnte. „Was für ein Zufall. Darf ich mich dazusetzen?“ Ich klimperte mit den Wimpern zu Julian, lehnte mich nah genug an ihn, um Caelums Kiefer zucken zu lassen. „Julian, Liebling, reichst du mir den Zucker? Der Kaffee ist nicht süß genug – im Gegensatz zu dir.“ Julian lachte nervös und schob die Schale herüber. „Alles für dich, Lys.“ Caelums Augen verengten sich, sturmgrüne Gewitterwolken. „Lysandra, wir müssen reden. Allein. Über die Kinder. Unsere Kinder.“ Ich nippte langsam und bedacht an meinem Latte. „Ach, Schatz, das sind meine Kinder. Und uns geht’s gut ohne deine… wie war das noch? Deine ‚Reichweite‘?“ Ich machte mit manikürten Nägeln Anführungszeichen. „Julian hier hat alles im Griff. Er ist CEO, weißt du. Harper & Co. Schon mal gehört?“ Caelum blähte sich auf wie ein Pfau auf Steroiden. „Harper & Co.? Süß. Ich könnte die bis Mittag aufkaufen. Lysandra, du bist besser als das. Erinnerst du dich an Paris? Die Yacht? Ich kann dir die Welt wieder schenken.“ Julian rutschte herum, sein Gesicht wurde blass. „Äh, Lysandra, ist das der Typ –“ „Nicht jetzt, Süßer“, gurrte ich und tätschelte Julians Hand, während ich Caelum Dolche mit den Augen warf. „Caelum, Süßer, die Welt hat sich geändert. Ich bin nicht mehr dein Licht – ich bin meine verdammte Sonne. Und jetzt husch. Wir besprechen mein fabelhaftes neues Gehalt.“ Caelums Gesicht wurde tomatenrot, doch er schwebte herum wie ein übler Geruch. „Dieser Clown? Der ist nichts. Ich besitze die Hälfte dieses Cafés!“ „Dann kauf dir einen Hinweis und verschwinde“, schnappte ich und wedelte ihn weg wie eine Fliege. Julian unterdrückte ein Lachen, doch seine Augen huschten zu Caelum, als wäre er eine tickende Bombe. Caelum stürmte hinaus, murmelte etwas von „undankbaren Frauen“, seine Schritte hallten wie ein Trommelwirbel. Als die Cafétür zuschwang, sackte Julian in seinem Sitz zusammen, die Augen weit wie Untertassen. „Oh mein Gott, Lysandra, das war Caelum Drexler? Der Caelum Drexler? Der Typ, der die Hälfte von Summerville besitzt?“ Seine Stimme brach, eine Mischung aus Ehrfurcht und Schrecken. „Der könnte mich zermalmen! Meine Firma! Mein Auto! Mein… alles!“ Ich verdrehte die Augen und nippte an meinem Latte. „Entspann dich, Julian. Er ist ein Tyrann mit Scheckbuch. Ich hab ihn im Griff. Bleib bei mir, und ich sorge dafür, dass er Harper & Co. bis zum Ende bewirbt. Er wird betteln, mit dir zusammenzuarbeiten.“ Julian blinzelte, seine Hände zitterten um die Kaffeetasse. „Du bist verrückt. Er ist furchterregend!“ „Und ich bin furchterregender“, sagte ich mit einem Zwinkern. „Los, weiter. Er ist noch nicht fertig mit der Jagd.“ Wir hatten kaum unsere Kaffees geleert, da ging’s zum nächsten „Termin“ – der Galleria Luxe, Summervilles schickstem Einkaufszentrum, wo Diamanten heller funkelten als die Kronleuchter. Julian wollte meinen Job mit einem kurzen Schaufensterbummel „feiern“, aber ich lenkte uns zu den High-End-Boutiquen, wissend, dass Caelums Ego ihn dorthin ziehen würde wie ein Magnet. Tatsächlich, als Julian eine Kette an meinen Hals hielt – seine Finger streiften meine Haut einen Hauch zu intim –, materialisierte sich Caelum hinter einem Schaukasten, als hätte er sich herteleportiert. „Lysandra!“, knurrte er und schob sich an einer erschrockenen Verkäuferin vorbei. „Was soll das? Verkleiden mit… ihm?“ Ich wirbelte herum, die Kette fing das Licht ein. „Julian findet, sie steht mir. Was meinst du, Jules? Zu protzig?“ Julian schluckte schwer und warf einen Blick auf Caelums imposante Statur. „P-Perfekt.“ Dann flüsterte er: „Aber, äh, ist das Drexler schon wieder? Der ist überall!“ Ich lachte laut und theatralisch. „Keine Sorge, Liebling. Caelum bellt nur, beißt nicht. Außer, sein Ego wird angeknabbert.“ Ich drehte mich zu Caelum, klimperte mit den Augen. „Eifersüchtig, oder? Julian nimmt mich shoppen. Was bietest du – noch eine Krankenhausrechnung bezahlt?“ Caelums Fäuste ballten sich, seine Stimme ein dramatisches Flüster-Schreien, das Köpfe drehte. „Ich habe dieses Einkaufszentrum gebaut! Ich kann Security rufen und ihn rauswerfen lassen! Lysandra, hör auf mit dieser Farce. Du gehörst zu mir. Die Zwillinge brauchen einen Vater – einen echten, nicht diesen… Hochstapler!“ Julian wich einen Schritt zurück und flüsterte: „Lysandra, der könnte mich ruinieren!“ Ich drückte Julians Arm und flüsterte zurück: „Entspann dich. Ich bring ihn dazu, deine Loblieder in einem Vorstandssaal zu singen. Schau her.“ Dann lauter: „Caelum, wenn du so groß und mächtig bist, warum nicht mit Julian zusammenarbeiten? Seine Firma ist innovativ. Deine ist nur… altes Geld. Langweilig.“ Caelum stotterte, sein Gesicht eine urkomische Mischung aus Wut und Verwirrung. „Zusammenarbeiten? Mit ihm? Über meine Leiche!“ „Soll ich den Kindern, meinen Kindern, ein bisschen was Gutes über dich erzählen?“, schnurrte ich. Stille hüllte uns ein. Seine Augen flackerten. „In Ordnung, ich regel das“, flüsterte er. „Verdammt! Regel das, und stirb dann leise woanders“, witzelte ich, hakte mich bei Julian ein und stolzierte davon. Caelum trottete uns nach wie ein verlorener Welpe auf Steroiden, bellte von seinen Privatjets und Inselretreats, doch ich schoss ihn mit Sprüchen über seine gescheiterte Ehe und Whiskey-Atem nieder. Schaulustige gafften; es war pures Chaos. Als wir in die gehobenen botanischen Gärten flüchteten – unser dritter „Date“-Ort mit Springbrunnen und exotischen Blumen, die Luxus schrien –, schwitzte Julian Kugeln. „Lysandra, er folgt uns! Das ist sein Limo draußen geparkt!“ Ich entdeckte Caelum, der bei einer Marmorstatue lauerte und so tat, als bewundere er die Orchideen. „Gut. Lass ihn schmoren.“ Wir schlenderten Arm in Arm, und prompt sprang er hervor. „Lysandra, genug!“, brüllte Caelum und verscheuchte Vögel aus den Bäumen. „Der Typ ist ein Witz! Ich kann dir alles geben – Villen, Yachten, den Mond, wenn du willst!“ Julian wimmerte: „Er hat recht. Ich bin nur ein mittelklassiger CEO. Der könnte mich wie eine Fliege zerquetschen!“ Ich tätschelte Julians Wange. „Unsinn. Du bist süß. Und Caelum? Du bist nur ein abgehalfterter Ex, der Liebe kaufen will. Die Kinder und ich brauchen deinen Zirkus nicht. Wir haben Julians Stabilität – und meinen Rückgrat.“ Caelums Stimme brach, dramatisch wie ein Seifenopern-Schurke. „Stabilität? Der zittert ja! Lysandra, bitte – denk an die Zwillinge!“ „Das tue ich“, zischte ich und schob mich an ihm vorbei. „Ihnen geht’s besser ohne dein Drama.“ Wir warfen uns in Julians Auto und brausten los, während Caelum uns zu Fuß nachjagte und wie ein Wahnsinniger brüllte. „Er folgt uns!“, jaulte Julian und warf einen Blick in den Rückspiegel auf Caelums Limo, die uns verfolgte. Ich grinste, Adrenalin summte. „Perfekt. Fahr zum Grand Summit Hotel. Lass uns diese Show beenden.“ Julians Augen weiteten sich. „Ins Hotel? Aber –“ „Tu’s einfach!“ Wir quietschten in die Valet-Spur des Hotels, taumelten heraus, als Caelums Limo hinter uns einschwenkte. Er platzte aus dem Fond, zerzaust und wildäugig, blockierte unseren Weg zum Eingang. „Lysandra, halt!“, flehte er und fiel auf ein Knie wie ein irrer Ritter. „Geh nicht mit ihm da rein! Bitte – es tut mir leid. Für alles. Die Scheidung, die Lügen, Callista. Ich tu alles!“ Julian erstarrte, entsetzt. „Lysandra, er kniet! Öffentlich!“ Ich verschränkte die Arme, Herz pochte, doch Stimme ruhig. „Alles, ja? Das müsstest du dir verdienen.“ Caelum sah auf, verzweifelt. „Wie?“ „So, wie meine Kinder es wollen“, sagte ich, Ton eisig. „Sie haben Regeln, die du befolgen musst.“ „Ich tu alles“, flehte er, Stimme brüchig.
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