Ihre Wölfin summte ruhelos unter ihrer Haut.
Du bist nicht daran gewöhnt, dass man dich so behandelt.
„Nein“, gab sie zu und biss in den Apfel. „Bin ich nicht.“
Dann solltest du vielleicht anfangen, dich daran zu gewöhnen.
Sie schnaubte, halb Lachen, halb Unglauben. „Mal sehen.“
Als sie durch die stillen Flure ging, während das Herz des Anwesens gleichmäßig um sie herum schlug, wurde ihr klar, dass ihre Wölfin in einem Punkt recht hatte — sie war nicht länger gebrochen, jedenfalls nicht wirklich. Sie heilte noch immer, ja. War noch immer vorsichtig. Aber sie stand. Bewegte sich. Traf Entscheidungen.
Der Apfel war bereits halb aufgegessen, als sie die äußere Terrasse erreichte.
Von dort drangen die Geräusche des Trainings zu ihr herauf — der Rhythmus von Bewegungen, Grunzen, das scharfe Aufprallen von Schlägen auf Trainingspuppen. Ihre Wölfin wurde sofort aufmerksam, die Rute hoch erhoben und wachsam in ihrer Brust.
Geh schon, drängte sie. Du weißt, dass du ihn sehen willst.
Charise verdrehte die Augen, wehrte sich jedoch nicht dagegen. Die Steinstufen führten hinunter zum Trainingsplatz, während Sonnenlicht über die weite Fläche aus festgestampfter Erde floss. Dutzende Krieger bewegten sich in enger Formation und trainierten unter Pagans Kommando.
Er stand in der Mitte — mit nacktem Oberkörper, Schweiß glänzte auf seiner Haut — und seine Stimme war ein tiefes Grollen, das mühelos über den gesamten Platz getragen wurde. Selbst aus dieser Entfernung konnte Charise die Autorität darin spüren. Es waren keine herausgebellten Befehle oder zur Schau gestellte Dominanz. Es war Präzision. Selbstvertrauen.
Er bewegte sich wie etwas, das für den Kampf geboren worden war — mächtig, kontrolliert, geschmeidig. Jede Bewegung war eine Studie in gezügelter Gewalt.
Ihre Wölfin schnurrte sofort.
Er ist großartig.
„Fang nicht damit an“, murmelte Charise unter ihrem Atem, doch ihre Augen wandten sich nicht von ihm ab.
Pagan drehte sich, blockte einen Schlag mit seinem Unterarm, während die Muskeln seines Rückens sich spannten und zusammenzogen, als er zum Gegenangriff ansetzte. Die Tätowierungen auf seinen Schultern und Armen — dunkle Runen und Linien kunstvoller Tinte — bewegten sich mit ihm, lebendige Formen, die beinahe im Rhythmus seines Körpers zu tanzen schienen.
Charise wurde der Mund trocken.
Ihr Blick wanderte seine Wirbelsäule hinab, über die Rundung seiner Schulter, über die Art, wie das Sonnenlicht die Konturen seiner Bauchmuskeln hervorhob. Seine Haut glänzte schwach vor Schweiß, die harten Linien seines Körpers bewegten sich im Einklang mit der rohen Kraft, die von ihm ausging. Die Krieger um ihn herum gehorchten ohne Zögern und korrigierten ihre Haltung bereits auf ein einziges Nicken hin. Respekt wurde nicht eingefordert — er wurde verdient.
Und er besaß ihn vollkommen.
Deine Augen schweifen ab, neckte ihre Wölfin mit heiserer Belustigung in der Stimme.
„Ich beobachte nur“, sagte Charise, obwohl sich ihre Kehle leicht zuschnürte.
Du beobachtest, wie sich seine Arme anspannen, wenn er die Klinge schwingt? Wie sich sein Rücken spannt, wenn er atmet?
„Hör auf.“
Er ist dein Gefährte, kleine Wölfin. Du darfst hinschauen.
Charise spürte, wie ihre Wangen heiß wurden — ein langsames, verräterisches Brennen, das bis in ihre Ohrspitzen kroch. Ihre Wölfin hatte eindeutig viel zu viel Spaß daran.
Außerdem, fügte ihre Wölfin verschlagen hinzu, kann er es wahrscheinlich spüren.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus.
„Was?“
Die Verbindung, erinnerst du dich? Die Wärme, die gerade durch dich rollt, existiert nicht nur in deinem Kopf. Er wird den Rand davon spüren — dieses Ziehen, dieses Summen. Du bist nicht gerade subtil, weißt du.
Charises Erröten wurde noch tiefer, bis sie wegsehen musste und plötzlich so tat, als interessiere sie sich brennend für die Baumgrenze hinter dem Trainingsplatz.
„Großartig. Perfekt. Genau das wollte ich, dass er fühlt, während er dort unten mit Schwertern herumfuchtelt.“
Ihre Wölfin schnurrte nur lauter, selbstgefällig und völlig unbußfertig.
„Du bist unmöglich“, murmelte Charise, umklammerte den Apfel fester und zwang sich, ruhiger zu atmen.
Doch als sie erneut nach unten blickte, verrieten ihre Augen sie wieder.
Pagan hatte sich umgedreht und sprach mit einem der ranghöheren Wächter. Für einen Moment fing sein Profil das Licht ein — der markante Kiefer, das Andeuten eines Grinsens auf seinen Lippen. Seine Augen hoben sich kurz und wanderten über die Terrasse — und obwohl sie sich nicht sicher war, ob er sie tatsächlich gesehen hatte, reagierte etwas in ihrer Brust augenblicklich. Ein sanftes Ziehen. Magnetisch. Intim.
Ihre Wölfin erbebte vor Freude.
Er spürt dich.
Charise schluckte, während ihr Puls schneller wurde.
„Vielleicht. Aber das heißt nicht, dass er es wissen darf.“
Rede dir das nur weiter ein, kleine Wölfin.
Charise riss ihren Blick los und versuchte, das aufwallende Gefühl in ihrer Brust zu beruhigen, doch die Wärme blieb — zusammengerollt und lebendig unter ihrer Haut. Die Verbindung summte leise, wie ein Puls, den sie nicht ganz zum Schweigen bringen konnte.
Und zum ersten Mal seit Tagen hasste sie dieses Gefühl nicht.
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Das Klirren von Stahl auf Stahl hallte über den Trainingsplatz, scharf und rhythmisch — ein Lied, das Pagan sein ganzes Leben lang gekannt hatte. Der Geruch von Schweiß, Erde und Eisen erfüllte die Luft, beständig wie ein Herzschlag. Er bewegte sich mit einer Leichtigkeit durch die Reihen der Krieger, die aus jahrelanger Übung geboren worden war, korrigierte Haltungen, demonstrierte Blocks, bellte Befehle.