Kapitel 28

1148 Worte
Darius räusperte sich, sein steifes, glattes Lächeln geriet leicht ins Wanken. „Meine… Assistentin“, sagte er, das Wort knapp und formell. „Charise Lancaster.“ Charises Augen flackerten kurz zu ihm, dann senkte sie den Kopf zu einer kurzen, fast unmerklichen Verbeugung – gerade genug, um seinen Titel zu ehren, aber nicht genug, um ihr eigenes Gewicht im Raum aufzugeben. Ein leiser, gemurmelter Gruß glitt über ihre Lippen, weich, vorsichtig. Merricks Verstand summte, verärgert über das Wort „Assistentin“. Nein. Nicht nur das. Er beobachtete sie, als sie sich wieder aufrichtete, ihre grau-grünen Augen bewegten sich mit dem winzigsten Funken des Erkennens, als sie auf seine trafen. Sein Puls zog sich zusammen. Die subtile Art, wie sich ihre Kehle bewegte, als sie schluckte, das leichte Heben und Senken ihrer Brust, das kleine Zögern in ihrer Haltung – all das schrie nach Bewusstsein. Sie kannte sie. Lyon blinzelte nicht. Das musste er nicht. Jede Sekunde, in der ihre Augen seine hielten, regte sich sein Wolf, angespannt und elektrisch. Er konnte den Puls des ihren in dem Gewebe aus Magie spüren, das gerade unter der Oberfläche des Raums tanzte, ein Rhythmus, der sich durch die Gedankenverbindung zog, die er mit Merrick und Pagan teilte. Pagans Augen erfassten sofort die leichten Blutergüsse an ihrer Kehle, die Markierung, die sie unter Make-up zu verbergen versuchte. Sein Wolf fletschte die Zähne zur Warnung, ein tiefes, gefährliches Knurren vibrierte in seiner Brust. Er zwang sich zur Kontrolle, lehnte sich in seinem Stuhl zurück, doch jede Linie seines Körpers schrie nach dem Bedürfnis, zu beschützen – zu beanspruchen. Charise spürte es ebenfalls. Den Druck von drei Wölfen im Raum, die Intensität der Instinkte, die ihr Bewusstsein streiften. Ihr eigener Wolf regte sich heftig und flüsterte ein Wort, das ihren Atem stocken ließ: Gefährten. Sie ballte die Fäuste, ließ die Knöchel gegen ihre Seiten drücken und zwang sich, gleichgültig zu wirken. Sie senkte den Blick und tat so, als würde sie den Sog nicht spüren, der durch ihre Brust riss. Merricks Augen folgten ihren Bewegungen mit sorgfältiger Aufmerksamkeit, bemerkten den subtilen silbernen Glanz in ihrem Haar, den Neigungswinkel ihres Kinns, die Art, wie sie so vollkommen still stand und doch vor Spannung lebendig war. Innerlich flüsterte er ein einziges Wort, leise, ehrfürchtig, ein Name, der nur für ihn bestimmt war: Silber. Nicht wegen ihres Haares – obwohl die Strähnen das Licht in schwachem Schimmer einfingen –, sondern wegen ihrer Stärke, ihrer Widerstandsfähigkeit und dieses trotzigen Funkelns in ihren grau-grünen Augen. Sie strahlte eine ruhige Macht aus, eine stille Trotzhaltung, die niemand im Raum – weder Darius noch Tobias noch die zitternden Untergebenen – berühren konnte. Pagans Kiefer blieb angespannt, sein Wolf knurrte unter der Oberfläche, voller besitzergreifender Hitze und beschützendem Instinkt. Jeder Instinkt in ihm erkannte sie und markierte sie als die Ihre. Er wollte vortreten, die Distanz verringern, doch Merricks ruhiges, eisernes Knurren in der Gedankenverbindung hielt ihn zurück: Noch nicht. Lyons Fokus wich nie ab, obwohl das Summen in seiner Brust dem ihren glich. Ihre Magie, ihr Puls, ihre bloße Präsenz ließen ihn auf eine Weise losgelöst zurück, für die er keine Worte hatte. Mein Licht, flüsterte sein Wolf lautlos, gerade unter dem Gedanken. Die Verbindung prägte sich sofort ein, ein Band von etwas, das keiner von ihnen bisher verstand. Charises Kopf blieb noch einen Herzschlag länger gesenkt, die Fäuste geballt. Ihr Wolf protestierte und schnappte nach ihrer Zurückhaltung. Ihre Brust hob sich leicht, als sie erneut schluckte und dabei Angst und Verlangen schmeckte, die sich vermischten. Die drei Alphas beobachteten sie schweigend, die Spannung war greifbar, ein stiller Sturm, der sich im Raum zwischen ihnen aufbaute. Merricks inneres Flüstern wiederholte sich, noch leiser, fast wie ein Gebet: Silber. Und in diesem einzigen Moment, in der stillen Elektrizität des Erkennens, verblassten die Politik des Raums und Darius’ Autorität zu Schatten. Die Frau aus dem Wald war angekommen – und jeder Instinkt in den Lunaris Alphas wusste ohne Zweifel, dass nichts jemals wieder so sein würde wie zuvor. Der Raum summte von kalter Autorität, als Darius sich leicht zurücklehnte und die Hände auf dem polierten Tisch faltete. Sein Blick glitt über die drei Alphas, als würde er sie für eine Zurschaustellung vermessen, nicht für ein Gespräch. „Unsere Grenzen sind sicher“, begann er, die Stimme glatt, aber scharf, „und meine Krieger halten die Ordnung mit Präzision aufrecht. Rogue-Einfälle sind… minimal. Sicherlich nichts, das unangemessene Sorge rechtfertigen würde.“ Merrick bemerkte das kurze Flackern in Charises Augen – das fast unmerkliche Rollen, den leichten Ausatmer, der ihren Unglauben verriet. Seine Brust zog sich mit etwas Gefährlichem zusammen, einer Mischung aus Bewunderung und Beschützerinstinkt. Sie war nicht unterwürfig. Sie war nicht mitschuldig. Sie war scharfsinnig, bewusst und unbeeindruckt. Genau wie ich dachte, summte Merricks Verstand leise. Lyons Blick wich nie ab. Jede Zuckung, jedes Muskelzucken in ihrem Kiefer, das kurze Heben ihrer Brauen – alles registrierte er. Sein Wolf war eng zusammengerollt und spürte die Spannung, die wie ein Strom durch den Raum rollte. Pagan hingegen brauchte keine subtilen Hinweise zu interpretieren. Darius’ selbstgefälliges Grinsen, die Art, wie er sich in falscher Gelassenheit zurücklehnte, ging Pagan gegen den Strich. Sein Kiefer spannte sich an, die Augen verengten sich zu Schlitzen. Sein Wolf knurrte tief in seiner Brust, primal, beschützend, bereit, über den Tisch zu springen und jeden zu zerfetzen, der es wagte, die Frau zu unterschätzen, die allein in der Lichtung gestanden hatte. Darius’ Blick huschte zu Charise, abweisend. „Charise kümmert sich um die Späher und überwacht die Grenze, so gut sie kann“, sagte er, fast als Nachgedanke. „Sie hält unsere Wölfe wachsam, wenn die Rogues zuschlagen. Sie ist… kompetent genug.“ Seine Worte trugen eine subtile Schärfe, die Art, die seine Kontrolle betonen sollte und nicht ihre Fähigkeit. Merricks Kiefer zuckte. Sie hatte einen ihrer Späher am Leben gehalten – gegen Rogues, in der Dunkelheit. Und hier stellte Darius sie als nichts weiter als ein Zubehör zu seinen Soldaten dar. Erbärmlich. Pagans Augen huschten zu ihr, bemerkten, wie ihre Haltung ruhig blieb, die Schultern gestrafft, die Augen scharf. Er wollte über den Tisch greifen, sie aus diesem Raum ziehen, weg aus Darius’ Reichweite. Sein Wolf knurrte leise, ein tiefes, warnendes Grollen. Sie gehörte ihnen, auch wenn sie es noch nicht realisiert hatte. Lyons Aufmerksamkeit war still und stetig, doch seine Sinne summten mit demselben rohen Sog, jenem Strom der Verbindung, den er erst letzte Nacht im Wald vollständig verstanden hatte. Mein Licht, flüsterte sein Wolf und band ihn an sie über die unsichtbaren Fäden von Magie und Instinkt. Darius lehnte sich leicht vor, stützte die Ellbogen auf den Tisch, die Stimme gemessen. „Ich versichere Euch, Alpha Merrick, unsere Späher sind ausgebildet. Unsere Grenzen sind stark.“ Sein Blick huschte erneut zu Charise, subtil, aber absichtlich, als wollte er sie alle daran erinnern, dass sie zu seiner Verfügung stand.
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