Dann trat sie zurück. Langsam, kontrolliert, als stünde sie am Rand einer Klippe.
Ihre Lippen teilten sich. Das schwächste Flüstern – er hörte es nicht, aber Lyon versteifte sich, also musste sie in seinem Kopf gesprochen haben.
Merricks Wolf grollte unruhig. Sie hat ihn berührt.
Und dann drehte sie sich um und rannte.
Ihre bloßen Füße hinterließen schwache Abdrücke im Schnee, silbernes Licht haftete an ihr wie Rauch. Merricks Instinkt sagte ihm, er solle folgen, aber er blieb still – Disziplin verriegelte seine Muskeln, während Pagan vorwärts schnellte.
Nicht. Merricks mentales Knurren krachte durch die Verbindung. Sie ist weg.
Pagan blieb mitten im Schritt stehen, seine Wut ein heißer Puls in Merricks Verstand.
Sie standen dort, drei Wölfe, umringt vom Mondlicht, ihr Duft immer noch durch die Lichtung verwoben wie Frost und Feuer.
Merrick blickte schließlich zu dem geheilten Späher – atmend, schwach, am Leben.
Dann zum Waldrand, wo sie verschwunden war.
Sie war Wildheit in Fleisch geworden, Gefahr, in Anmut gehüllt – und doch war es nicht ihre Macht, die ihn am meisten traf. Es war die Beherrschung.
Er wusste nicht, wer sie war, was sie getan hatte oder warum sein Wolf sie für sich beansprucht hatte –
Aber als die Kälte tiefer biss und die Welt still wurde, wusste Merrick eine Sache:
Was auch immer sie war, sie war nicht ihre Feindin.
Und das ängstigte ihn mehr als alles andere.
In dem Moment, als sie in die Lichtung platzten, verengte sich die Welt auf Bewegung und Geruch – Blut, Frost und etwas anderes, das direkt durch ihn hindurchschlug.
Keine Bedrohung.
Keine Gefahr.
Etwas Lebendiges.
Pagans Wolf blieb mitten im Schritt stehen, Nackenhaare aufgestellt, der Atem dampfte in die Kälte. Seine Sicht fixierte sich auf die silbrige Gestalt im Zentrum der Lichtung – ein Wolf, umhüllt von schwachem Licht, ihr Fell durchzogen von Schwarz und Asche, ihre Haltung beschützend. Magie pulsierte in Lichtbändern von ihrer Haut ab, die Luft vibrierte davon.
Die Rogues waren bereits geflohen. Der Wald war zu still. Die Luft falsch.
Und sie –
Sie war der Grund.
Ihre Macht schimmerte in der Nacht wie Sternenlicht, das im Nebel gefangen war. Jeder Instinkt in ihm brach gleichzeitig hervor – zu ihr zu gehen, zu beschützen, zu beanspruchen. Seine Pfoten bewegten sich im Schnee ohne seinen Befehl, Krallen schnitten tiefe Furchen in den gefrorenen Boden.
Der Geruch erreichte ihn als Nächstes.
Kalt und elektrisch, durchzogen von wilder Erde und etwas, für das er keinen Namen hatte – Mondlicht und Blut und Zuhause.
Das Wort traf ihn, bevor der Gedanke es tat.
Mein.
Es wurde nicht gesprochen. Es war nicht einmal Klang.
Es war sein Wolf – tief, guttural, absolut.
Er knurrte leise, das Geräusch grollte durch seine Brust und vibrierte in seinen Rippen. Merricks Kopf drehte sich scharf neben ihm, aber Pagan konnte den Blick nicht von ihr abwenden.
Sie bewegte sich – langsam, bewusst – auf den gefallenen Späher zu und ließ sich neben ihm nieder. Silbernes Licht floss aus ihrer Schnauze, schwach, aber stetig, und durchwob seine Wunden. Heilend.
Er sah zu, fassungslos, wie ihre Magie in den Körper des Jungen sank und der Geruch des Todes verblasste. Kein Zittern, keine Angst. Nur Fokus. Macht.
Dann hob sie den Kopf – und verwandelte sich.
Das Licht, das ihre Wolfsgestalt umhüllt hatte, implodierte nach innen, Fell faltete sich zu Haut, Knochen formten sich mit der fließenden Präzision von jemandem, der das schon tausendmal getan hatte. Es war schön und falsch zugleich – Wölfe sollten nicht so leuchten, sich nicht so bewegen.
Und als das Licht verblasste, stand sie dort – menschlich. Nackt, zitternd, ihr Atem sichtbar in der Nachtluft.
Pagan erstarrte.
Das Mondlicht fing sich auf ihrer Haut, bestäubte ihr Haar – schwarz mit silbernen Glanzlichtern, das sich an ihre Schultern schmiegte. Ihr Duft wurde tiefer, wärmer, zog an etwas tief in seiner Brust. Der Herzschlag seines Wolfs donnerte gegen seine Rippen. Jeder Muskel bebte vor dem Drang, näher zu kommen.
Sie schaute auf.
Ihre Augen – hell grau-grün und wild – trafen seine.
Und die Welt blieb stehen.
Sein Wolf wurde vollkommen still, der Atem blieb in seinen Lungen gefangen.
Dann traf die Erkenntnis.
Gefährtin.
Sie durchflutete ihn wie Feuer, rein und unerbittlich.
Die Luft veränderte sich erneut – ihr Duft jetzt scharf von Adrenalin. Sie taumelte einmal, dann drehte sie sich um, ihr Blick huschte zu Merrick, dann zu Lyon.
Als ihre Augen Lyons trafen, brach etwas in der Verbindung. Die Wucht davon traf Pagan durch das Rudelband wie eine Schockwelle – Licht, Hitze, Verbindung. Lyons Wolf drängte vorwärts als Antwort, und Pagans tat dasselbe, knurrte tief, territorial und brennend.
Sie stolperte zurück, Angst flackerte in ihrem Duft – keine Unterwerfung, keine Schwäche, sondern Instinkt. Sie drehte sich um, bloße Füße flüsterten über den Frost, und rannte auf die Bäume zu.
Pagan schnellte ihr hinterher – Krallen rissen in den Boden.
Ein Knurren zerriss die Luft – Merrick. Sein schwarzer Wolf drehte sich, massiv und befehlsgewohnt, und fing Pagan mit einem Schulterstoß ab, der eine Schneefontäne zwischen ihnen aufwirbelte.
Nicht, schnappte Merricks Stimme durch die Verbindung, scharf wie Eisen. Sie ist weg.
Pagans Wolf wirbelte herum, Zähne gebleckt, ein Knurren riss aus seiner Kehle, das die Luft hätte gefrieren lassen können. Sein ganzer Körper zitterte vor dem Bedürfnis, ihr hinterherzurennen, sie zu finden.
Sie gehört uns, knurrte er durch die Verbindung, die Stimme guttural, primal. Die Worte kamen mit dem Geschmack von Blut und Erde.
Merrick bewegte sich nicht. Seine silbernen Augen leuchteten ruhig und unerbittlich.
Er konnte sie immer noch spüren – dieses schwache Echo von Verbindung und Herzschlag – das tiefer in den Wald glitt.
Sein Wolf gab ein letztes tiefes Knurren von sich, dann warf er den Kopf zurück und stieß ein langes, frustriertes Knurren in die Nacht.
Als er endlich den Blick senkte, war die Lichtung wieder still. Die Rogues waren fort. Der Späher lebte. Und der Duft ihrer Gefährtin hing wie Rauch nach einem Blitz in der Luft.
Pagans Wolf wandte sich den Bäumen zu, die Augen brannten golden.
Wenn sie in Gefahr ist, grollte der Gedanke durch das Rudelband, leise, sicher –
Werde ich sie finden.
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Der Wald war wieder still – zu still. Nur das Geräusch angestrengten Atmens und ferner Wind in den Bäumen.
Die Rogues waren in der Dunkelheit verschwunden.
Und die Frau – ihre Gefährtin – war fort.
Lyons Wolf tappte vorwärts und senkte den Kopf neben dem schlaffen Späher, der im Frost lag. Der Geruch des Jungen war schwach, aber stetig. Am Leben. Gerade so.
Merrick bewegte sich neben ihn, die Nüstern geweitet, während er die Luft nach der Fährte der Rogues absuchte. Der Boden war aufgerissen von Pfotenabdrücken, Blut durch den Schnee geschmiert – Chaos, das in der Bewegung erstarrt war.