Kapitel 1

1088 Worte
Raina Perspektive „Luke, bitte, es sind schon Wochen vergangen“, flehte ich meinen Ehemann an, während ich mich ihm näherte und ihn von hinten mit einem Lächeln umarmte. Meine Brust und Nase rieben sich sanft an seinem Rücken. Er versteifte sich und sprang aus meinen Armen, als hätte ich ihn verbrannt. Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Was zum Teufel war das? fragte ich mich verärgert und blinzelte ihn immer wieder an. Er hatte sich bereits umgedreht und runzelte nun verwirrt die Stirn. „Was versuchst du da zu tun?“, fragte er, und ich verdrehte nur die Augen. „Ist das nicht offensichtlich? Was Paare eben tun. Also komm“, sagte ich und versuchte erneut, mich ihm zu nähern. Doch er wich einen weiteren Schritt zurück und hob die Hand, um mich aufzuhalten. „Auf keinen Fall. Hast du dich mal im Spiegel gesehen?“, sagte er angewidert und rümpfte die Nase, woraufhin ich erschrocken nach unten blickte. Ich trug ein knappes Tanktop und eine sehr kurze Shorts. Ich war mir sicher, dass ich sexy genug aussah – warum war er also nicht interessiert?, fragte ich mich. „Du hast eine furchtbare Figur, deine Brüste hängen unter dem schlabberigen Top, und die Shorts passen kaum um deine fette Taille“, beleidigte er mich, und Wut durchströmte meine Adern. „Tut mir leid, dass ich nicht so perfekt bin wie Jane“, fauchte ich zurück, bevor ich mich bremsen konnte. Er hob eine Augenbraue, seufzte dann jedoch. Jane war Lukes Schicksalsgefährtin – eine Omega, jünger als ich und mit einer perfekten Figur. Im Gegensatz zu mir, die durch den ganzen Stress wie eine alte Frau aussah. Mein Mann hatte sie vor ein paar Wochen gerettet, und mit der Art, wie er sie ansah und seinem merkwürdigen Verhalten, hatte ich allen Grund zu glauben, dass da etwas lief. „Kannst du es nicht mal lassen, ihren Namen zu erwähnen?“, knurrte Luke, seine Gesichtszüge wurden härter. Ich schnaubte nur und verschränkte die Arme vor der Brust, während er weitersprach: „Ich habe den Kontakt zu ihr komplett abgebrochen, so wie du es wolltest. Was willst du noch? Kannst du bitte aufhören, ständig Drama zu machen?“ Er schrie beinahe, als er näher kam, und ich zuckte zurück. „Wenn es wirklich so ist, wie du sagst, warum wirst du dann so wütend, wenn ich ihren Namen erwähne?“, fragte ich mit finsterem Blick. Er funkelte mich an. „Willst du das echt wieder aufwärmen? Soll ich dich daran erinnern, wie du mich an jenem Abend blamiert hast?“, fauchte er, und sofort erinnerte ich mich an den Moment, in dem ich alles herausgefunden hatte. Einige Abende zuvor war ich allein zu Hause, bereitete mich auf den nächsten Arbeitstag vor, obwohl Luke nicht da war, um mir zu helfen – trotz meiner Überlastung. Ich verstand ja, er hatte irgendwelche gesellschaftlichen Verpflichtungen. Überraschenderweise war ich früh fertig und beschloss, sein chaotisches Arbeitszimmer aufzuräumen. Dabei stieß ich auf einen Stapel Briefe. Obwohl ich normalerweise nichts durchstöbere, sagte mir etwas, ich solle einen Blick darauf werfen – sie waren an eine Frau adressiert, mit Liebesbekundungen. Ich öffnete einen davon – und es fühlte sich an, als würde man mir ein Messer durchs Herz ziehen, während ich die Zeilen las. Mein Mann hat eine andere?, dachte ich fassungslos und beschloss, meiner Neugier nachzugeben. Ich ging heimlich zu seiner Party. Ich hatte immer gedacht, Luke hätte keine Ahnung von Romantik – er zeigte mir gegenüber kaum Zuneigung, ganz zu schweigen von Liebe oder dem Erinnern an meinen Geburtstag. Aber für diese Frau? Er erinnerte sich nicht nur, er beschenkte sie großzügig, nahm sie auswärts mit – ihre Bilder lagen überall in seinen Schubladen. Kein einziges von mir. Nicht mal auf seinem Handy. Luke hatte wirklich Erklärungsbedarf. Ich kam auf der Party an, und es dauerte etwas, bis ich ihn sah. Er unterhielt sich ausgelassen mit seinen Freunden – keine Frau in Sicht. Ich atmete erleichtert auf. Vielleicht hatte ich mich getäuscht. Ich wollte gerade gehen, aber entschied, nochmal nach ihm zu sehen und näherte mich – nur um plötzlich wie erstarrt stehenzubleiben. Lukes Arme lagen um jemanden, sein Gesicht vergraben in ihrem Hals, während er lachte – ein spielerisches, warmes Leuchten in seinen Augen, das ich in unseren sieben Ehejahren nie gesehen hatte. Mein Herz setzte aus, die Luft um mich wurde plötzlich schwer, ich bekam kaum noch Luft. Nein, nein, nein! Ich schüttelte den Kopf. Das konnte nicht sein. Ich musste halluzinieren. Ich versuchte mich zu beruhigen, atmete tief ein und blinzelte – sein Gesicht war nicht mehr in ihrem Hals vergraben, sie lag nun in seinen Armen, ihr Kopf auf seiner Brust. Bevor ich verstand, was geschah, überkam mich der Zorn. Meine Beine bewegten sich wie von selbst auf sie zu. Luke bemerkte mich zuerst. Ich sah, wie das Lächeln aus seinem Gesicht verschwand, seine Augen wurden groß vor Schreck – vor allem, als ich das Weinglas aus seiner Hand riss und es über dem Mädchen ausgoss, das ich aus den Bildern wiedererkannte. Seine Freunde ringsherum schnauften auf, einige fluchten, während ich die Zähne zusammenbiss. Das Gesicht des Mädchens wurde bleich, und ich hob bereits meine Hand, um sie zu schlagen – als jemand sie packte und mich herumdrehte. Etwas traf mich am Kopf. „Autsch!“ schrie ich auf, ein stechender Schmerz durchzog meinen Kopf, und etwas Warmes lief über meine Stirn. „Du Schlampe! Wer zum Teufel glaubst du, wer du bist, dass du das Jane antun kannst?!“, schrie jemand. Ich bekam nur noch wenig mit. Ich fasste mir an den Kopf, und als ich meine Hand betrachtete, war sie blutverschmiert. Mir wurde schwindlig, meine Augen wurden schwer – und ich verlor das Bewusstsein. Ich wachte im Krankenhaus auf – mein Ehemann war nirgends zu sehen. Ein Fremder hatte mich hergebracht. Später erfuhr ich, dass es einer von Lukes Freunden war, der mich geschlagen hatte – und er wusste nicht mal, dass ich existierte. Deshalb hatte er es getan. Als ich Luke darauf ansprach, wurde er wütend. Er behauptete, die Frau sei nur eine platonische Freundin, und ich beruhigte mich etwas – nur weil ich wusste, dass er nicht mit ihr geschlafen hatte. Denn wenn er es getan hätte, hätte ich es gespürt – Schmerzen gehabt. Aber das hatte ich nicht. Und Luke blieb auch häufiger zu Hause, versprach, Jane zu meiden – was er auch tat. Aber warum fühlt sich mein Herz immer noch so leer und schmerzerfüllt?
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