"Emma? Bist du das?", fragte meine Mom aufgeregt. "Ja Mama ich bins, tut mir leid, dass du so lange warten musstest. Ich habe mein Handy in der Bar liegen gelassen und es wurde nicht abgegeben."
"Gott sei Dank mein Engel, ich hatte mir schon Sorgen gemacht. Von wo rufst du an?"
"Mom sei nicht albern, was hätte denn passieren sollen? Wenn sie wüsste, in welcher Kake ich saß! "Meine Nachbarin ist so lieb und lässt mich von ihrem Handy aus telefonieren. Es wird ein bisschen dauern, bis ich ein neues Handy bekomme. Die Registrierung ist für Ausländer etwas aufwendiger", log ich. "Verstehe mein Schatz, jetzt weiß ich ja, dass es dir gut geht. Wie sind deine neuen Kolleginnen? Und hast du dich schon eingelebt?", fragte sie interessiert, während ich es genoss, ihrer Stimme zu zuhören. Ich wusste nicht, wann ich das nächste mal wieder mit ihr telefonieren konnte, weshalb ich versuchte, mir so viele Details wie möglich von ihr einzuprägen. Oder war es gar das letzte mal dass ich sie anrufen durfte? Der Gedanke trieb mir Tränen in die Augen. Ich blinzelte sie jedoch rasch wieder weg, damit sie die Trauigkeit nicht in meiner Stimme hören konnte. "Meine Kolleginnen sind alle sehr nett und auch etwa in meinem Alter. In der Bar hatten wir einen richtig schönen Abend. Mein Russisch ist noch sehr verbesserungsfähig, aber wir konnten uns trotzdem gut verständigen, da alle gut Englisch sprechen", erzählte ich ihr gelöst. Meine Mom teilte mir noch den neuesten Tratsch in der Nachbarschaft mit und dass sie sich für einen Gymnastik Kurs eingeschrieben hätte, um fit zu bleiben. Alexej hörte aufmerksam zu, um wahrscheinlich gegebenenfalls eingreifen zu können, sollte ich erzählen, dass ich entführt wurde. Es fiel mir nicht schwer meinen Gefängniswerter zu ignorieren, da ich mich tatsächlich im Gespräch mit meiner Mutter verlor.
Nach fast einer halben Stunde beendeten wir unser Telefonat. Ich sagte ihr noch, dass sie sich keine Sorgen zu machen bräuchte und dass ich mich meldete, sobald ich ein neues Handy hätte. Nachdem ich das Handy weggelegt hatte, schlug ich meine Hände vors Gesicht und weinte. Mein Herz blutete, denn ich wusste, dass ich meine Mama nicht wiedersehen würde. Ich vermisste sie schrecklich.