Kapitel 3-3

1860 Worte
Nach zwei Minuten stand ein verführerisch aussehendes Sandwich vor Mia. Das dunkle, knusprige Brot schien gerade frisch gebacken worden zu sein, das Gemüse sah zart aus und war mit irgendeiner orangefarbenen Gewürzmischung bestreut. Mia nahm ihr Sandwich in die Hand, biss hinein und stöhnte vor Wonne beinahe laut auf. Es schmeckte sogar noch besser, als es aussah. »Das ist genial. Wo hast du gelernt, so zu kochen?«, fragte Mia neugierig nach ihrem fünften Bissen. Er zuckte mit den Schultern und nahm den letzten Happen seines Sandwiches, das größer gewesen war als ihres. »Mir macht es Spaß, Sachen herzustellen, und Kochen gehört unter anderem auch dazu. Außerdem esse ich gerne und da ist es hilfreich, wenn man weiß, wie man gutes Essen zubereitet.« Das ergab Sinn. Mia aß den letzten Bissen ihres Sandwiches und leckte sich buchstäblich die Finger ab, um auch noch den allerletzten Tropfen dieser köstlichen Marinade zu genießen. Als sie ihren Kopf hob, stockte sie plötzlich, als sie den Ausdruck in Korums Gesicht sah. Er starrte mit etwas auf ihren Mund, was man nur noch als puren Hunger bezeichnen konnte, und seine Augen wurden mit jeder Sekunde goldener. »Mach das noch einmal«, befahl er leise, seine Stimme ein dunkles Schnurren vom anderen Ende des Tischs. Mias Herz setzte einen Herzschlag lang aus. Die Stimmung war plötzlich angespannt und sexuell geladen, und sie hatte keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollte. Sie wurde sich bewusst, wie ausgeliefert sie ihm in dieser Situation war. Sie war völlig nackt unter dem dicken Bademantel. Alles, was er tun musste, war, an dem dünnen Gürtel zu ziehen, der den Bademantel zusammenhielt, und ihr Körper würde komplett enthüllt werden. Nicht, dass Kleidung überhaupt Schutz vor einem Krinar bot oder in Anbetracht ihrer Größe auch vor einem menschlichen Mann, aber nur mit einem Bademantel bekleidet fühlte sie sich ihm gegenüber noch viel wehrloser. Sie stand langsam auf und ging einen Schritt vom Tisch weg. Mit dem Pochen ihres Herzschlags in den Ohren stieß Mia nervös hervor, »Danke schön für das Essen, aber ich sollte jetzt wirklich langsam gehen. Denkst du, meine Sachen könnten schon trocken sein?« Eine Sekunde lang antwortete Korum nicht, sondern starrte sie weiterhin mit diesem beunruhigend hungrigen Ausdruck an. Dann, als hätte er eine innere Entscheidung getroffen, lächelte er leicht und stand auf. »Sie sollten jetzt fertig sein. Könntest du vielleicht die Teller in den Geschirrspüler stellen, während ich nachschauen gehe?« Mia konnte nur zustimmend nicken, weil sie Angst hatte, dass ihre Stimme zittern würde, falls sie versuchte, laut zu sprechen. Ihre Beine fühlten sich zwar immer noch wie Pudding an, aber trotzdem begann sie, das Geschirr einzusammeln. Korum lächelte zufrieden und verließ die Küche. Allein gelassen versuchte Mia, ihre Fassung wiederzuerlangen. Als er mit ihren trockenen Sachen auf dem Arm zurückkam, hatte Mia sich davon überzeugt, dass sie auf die möglicherweise harmlose Bemerkung überreagiert hatte. Höchstwahrscheinlich war ihre Vorstellungskraft mit ihr durchgegangen und sie hatte sexuelle Untertöne dort wahrgenommen, wo gar keine waren. Wenn man einmal seine Faszination für menschliche Technologien und Lebensart bedachte, war es nicht weiter verwunderlich, dass er einen richtigen Menschen auch interessant fand und vielleicht sogar niedlich, wenn er bestimmte Sachen machte. Mia ging es da bei den Tieren im Zoo ja auch nicht anders. Weil sie sich jetzt für ihr komisches Verhalten ihm gegenüber ein kleines bisschen schlecht fühlte, lächelte sie Korum vorsichtig an, als er ihr die Sachen reichte. »Danke, dass du mir meine Kleidung getrocknet hast. Ich weiß das wirklich zu schätzen.« »Gern geschehen. Es war mir ein Vergnügen.« Er lächelte zurück, aber die Art, wie er sie ansah, hatte irgendetwas unterschwellig Beunruhigendes. »Wenn das für dich in Ordnung ist, würde ich mich jetzt umziehen gehen.« Mia, die unerklärlicherweise immer noch nervös war, drehte sich Richtung Küchentür. »Natürlich. Weißt du noch, wie du zum Badezimmer kommst? Du kannst dich ja dort umziehen.« Er deutete den Flur hinunter und sah ihr mit einem leichten Lächeln auf den Lippen dabei zu, wie sie dankbar flüchtete. Sie schloss die Badezimmertür ab und zog sich schnell ihre bequemen, hässlichen Klamotten an, die noch so angenehm warm vom Trockner waren. Irgendwie hatte er es geschafft, auch ihre Ugg-Boots zu trocknen, stellte Mia erfreut fest, als sie hineinschlüpfte. Als sie sich endlich wieder viel mehr wie sie selbst fühlte, entfernte sie das nur noch leicht feuchte Handtuch von ihrem Kopf und ließ die Haare offen herunterhängen, um sie zu Ende zu trocknen. Als sie fand, dass sie jetzt an ihrem Aussehen nichts mehr verbessern konnte, verließ Mia das sichere Badezimmer und wagte sich wieder zurück ins Wohnzimmer, zu Korum mit seinem verwirrenden Verhalten. Er saß wieder auf dem Sofa und analysierte etwas in seiner Handfläche. Er sah so sehr darin versunken aus, dass Mia sich vorsichtig räusperte, um sich bemerkbar zu machen. Als er das Geräusch hörte, sah er auf und lächelte geheimnisvoll. »Da bist du ja wieder, hübsch und trocken.« »Äh ja, danke für alles.« Mia trat verlegen von einem Fuß auf den anderen. »Und vielen Dank auch nochmal für deine Gastfreundschaft. Jetzt sollte ich aber wirklich langsam gehen und versuchen, die Hausarbeit und noch ein paar andere Hausaufgaben fertig zu bekommen …« »Natürlich, ich bringe dich, wohin du auch immer möchtest.« Er stand mit einer geschmeidigen Bewegung auf und ging zum Jackenschrank. »Ach Quatsch, das musst du doch nicht machen«, protestierte Mia. »Ich habe wirklich kein Problem damit, die U–Bahn zu nehmen. Es hat aufgehört zu regnen, also komme ich schon zurecht.« Er sah sie ungläubig an. »Ich habe gesagt, ich fahre dich.« Sein Ton ließ keinen Widerspruch zu. Mia entschied sich, nicht zu diskutieren. Es war ja nicht so, dass sie jeden Tag in einer Limousine fuhr. Da Korum so entschlossen war, sie zu fahren, könnte sie das auch einfach genießen. Also sagte Mia nichts und folgte ihm ergeben, als er in einen edel aussehenden Fahrstuhl einstieg und den Knopf für das Erdgeschoss drückte. Roger und seine Limousine warteten schon vor dem Gebäude. Die Türen glitten auf, als sie sich näherten, und Korum wartete mit dem Einsteigen höflich, bis Mia sich hingesetzt hatte. Mia wunderte sich, wo er all diese höflichen menschlichen Gesten gelernt hatte. Aus irgendeinem Grund bezweifelte sie, dass Ladies first ein allgemein verbreiteter Brauch war. »Wo möchtest du denn hin?«, erkundigte er sich, als er sich neben sie setzte. Mia dachte einen Moment darüber nach. So gerne sie auch nach Hause geeilt wäre und Jessie von diesem ganzen unglaublichen Treffen erzählt hätte, der Abgabetermin für die Hausarbeit war bedrohlich in die Nähe gerückt. Sie musste in die Bibliothek gehen. Sie hoffte nur, dass sie die Ereignisse des heutigen Tages für ein paar Stunden aus ihrem Gedächtnis bannen könnte, oder eben so lange sie brauchen würde, um die verdammte Arbeit zu schreiben. »Die Bobst-Bibliothek bitte, wenn das nicht zu viele Umstände macht«, bat sie vorsichtig. »Das macht überhaupt keine Umstände«, versicherte er ihr, drückte auf die Gegensprechanlage und gab die Anweisung an Roger weiter. In dem geschlossenen Raum der Limousine wurde sie sich immer mehr seines großen, warmen Körpers bewusst, der weniger als einen halben Meter von ihr entfernt war. Ihr Körper reagierte bedingungslos auf seine Nähe. Er war unbestreitbar ein wirklich wunderschönes männliches Exemplar seiner Spezies. Sie schätzte, dass er etwas über 1,80 Meter war, und er schien sehr muskulös zu sein, so wie das T-Shirt vorher an ihm ausgesehen hatte. Mit seinem eindrucksvollen Teint war er mit Abstand der schönste Mann, den sie jemals gesehen hatte, im echten Leben und in Videos. Es war ja kein Wunder, dass er so eine Wirkung auf sie hatte, sagte sie sich, jede normale Frau würde sich genauso fühlen. Aber auch wenn sie eine rationale Erklärung dafür hatte, dass er sie so anzog, schwächte das die Stärke dieses Gefühls überhaupt nicht. »So, Mia, erzähl mir was über dich.« Diese leise gesprochene Aufforderung riss Mia aus ihren Überlegungen. »Äh, okay.« Aus irgendeinem Grund brachte diese Frage sie durcheinander. »Was möchtest du wissen?« Er zuckte mit den Schultern und lächelte. »Alles.« »Also, ich studiere Psychologie an der New York University«, begann Mia, und hoffte, dass sie nicht brabbelte. »Ich komme ursprünglich aus einer kleinen Stadt in Florida und kam zum Studieren nach New York.« Er unterbrach sie mit einem Kopfnicken. »Das weiß ich alles. Erzähl mir mehr als nur die Eckdaten aus deinem Lebenslauf.« Mia starrte ihn schockiert an und fühlte sich plötzlich wie ein gejagter Hase. Erstaunlich ruhig fragte sie: »Wieso weißt du das alles?« »Ich wusste ja heute auch, wo ich dich finden konnte. Es ist sehr einfach, Informationen über Menschen zu bekommen, besonders über diejenigen, die nichts zu verbergen haben.« Er lächelte, als hätte er nicht gerade ihre ganzen Illusionen über Privatsphäre zerstört. »Aber warum?« Mia konnte die Frage, die sie die letzten zwei Tage beschäftigt hatte, nicht mehr zurückhalten. »Warum bist du so an mir interessiert? Warum betreibst du so einen Aufwand?« Sie machte eine Handbewegung, die auf die Limousine zeigte und alles andere einschloss, was er bis jetzt für sie gemacht hatte. Er starrte sie mit einem Blick an, der so intensiv war, dass er sie schon fast hypnotisierte. »Weil ich dich ficken will, Mia. Ist es das, vor dem du solche Angst hast, es zu hören? Fürchtest du dich deshalb die ganze Zeit so vor mir?« Ohne ihr die Gelegenheit zu geben, Luft zu holen, fuhr er mit dem gleichen leicht spöttischen Ton fort. »Also ja, es stimmt. Das will ich. Aus irgendeinem Grund bist du mir gestern aufgefallen, als du mit deinen Locken und den großen blauen Augen so ängstlich auf der Bank gesessen hast, als ich zu dir hinsah. Du bist überhaupt nicht mein Typ. Normalerweise stehe ich nicht auf verängstigte kleine menschliche Mädchen, außer auf dich.« Er näherte sich mit seiner rechten Hand und streichelte langsam über ihre Wange. »Dich hätte ich am liebsten gleich dort mitten im Park ausgezogen, um zu sehen, was unter deinen hässlichen Klamotten versteckt ist. Ich musste meine ganze Willensstärke aufbringen, um dich gehen zu lassen, und als du in meiner Küche so verführerisch deinen Finger abgeleckt hast, konnte ich mich kaum beherrschen, deinen Bademantel aufzureißen und gleich am Küchentisch zwischen deinen Beinen zu versinken.« Seine Berührung fühlte sich an, als würde sie Brandmale hinterlassen, als er ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr schob und sanft mit seinen Fingergelenken über ihre Lippen fuhr. »Aber ich bin kein Vergewaltiger. Und genau das wäre es jetzt aber, Vergewaltigung, weil du so viel Angst vor mir und vor deiner eigenen Sexualität hast.« Er beugte sich zu ihr und raunte ihr leise zu, »Ich weiß, dass du mich begehrst, Mia. Ich kann das leichte Erröten deiner hübschen Wangen sehen, und ich kann es an deiner Unterwäsche riechen. Ich weiß, dass deine kleinen Nippel gerade hart sind, und dass du immer feuchter wirst, während wir reden, weil sich dein Körper auf mein Eindringen vorbereitet. Wenn ich dich jetzt hier nehmen würde, würdest du es genießen, sobald du die Angst und den Schmerz wegen des ersten Males überwunden hättest – ja, das weiß ich auch –, aber ich werde so lange warten, bis du dich an den Gedanken gewöhnt hast, mir zu gehören. Aber lass dir nicht zu viel Zeit, meine Geduld mit dir ist nicht unendlich, Mia.«
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