Jasons unbeschwerte Stimme verstummte abrupt, als er bemerkte, dass Maurice – der ewige Eisberg – immer noch im Krankenzimmer stand.
Er musterte Maurice prüfend.
Maurice musterte ihn ebenfalls.
Die Atmosphäre wurde schlagartig extrem unangenehm.
„Kennt ihr beide euch?“ fragte Maurice Hazel mit unterkühlter Stimme.
Diese beiden Menschen – der eine ein berüchtigter Playboy, die andere eine häusliche, reiche junge Dame. Sie stammten aus völlig unterschiedlichen Welten; wo bitteschön sollten sich ihre Wege gekreuzt haben?
„Nun ja...“
Hazel stützte ihre Stirn auf ihre Hand, sichtlich verlegen.
Sie war es gewesen, die Jason per SMS gebeten hatte, sie im Krankenhaus zu treffen, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass er so schnell auftauchen würde. Dass ihr Fast-Ex-Mann und der junge Frauenschwarm so aufeinanderprallten... warum fühlte sich das plötzlich wie eine Kampfzone an?
„Ob wir uns kennen? Sie ist für mich wie eine Göttin!“
Jason, der einen Strauß leuchtender Sonnenblumen im Arm hielt, schritt enthusiastisch auf Hazel zu. Mit einem spöttischen Lächeln in Maurices Richtung sagte er: „Was der junge Herr Stone nicht weiß: Damals an der Schule war ‚Fräulein Jones‘ eine absolute Sensation. Die Schlange ihrer Verehrer war gefühlt kilometerlang, und unter den unzähligen Bewunderern war ich der treueste Fanboy!“
„Heute ist der Tag, an dem sie ihren Scheidungsantrag eingereicht hat – ein Grund zur Freude! Als ihr größter Fan muss ich natürlich der Erste sein, der ihr gratuliert, nicht wahr?“
Nach diesen Worten legte Jason sein leichtfertiges Gehabe ab und überreichte Hazel den Strauß mit feierlicher Hingabe.
„Meine göttliche Schwester, diese Sonnenblumen sind für dich. Ich weiß noch, dass es deine Lieblingsblumen sind. Ihre Symbolik steht für das Gedeihen in der Widrigkeit, richtig? Ich glaube, keine andere Blume würde besser zu dir passen!“
Tatsächlich liebte Hazel Sonnenblumen über alles.
Allerdings lautet die wahre Symbolik der Sonnenblume: „Nur Augen für eine Person haben.“
Genau wie ihre Gefühle für Maurice.
Seit dem Moment, als sie ihn das erste Mal sah, hatte kein anderer Mann ihre Aufmerksamkeit erregt. Doch jetzt war es an der Zeit, den Blick woandershin zu richten. Sie konnte schließlich nicht ihr ganzes Leben von diesem einen Mann abhängig machen, oder?
Hazel nahm den Strauß glücklich entgegen, hielt ihn an ihre Nase und atmete den Duft tief ein. Sie schenkte Jason ein strahlendes Lächeln und sagte: „Das ist das erste Mal in meinen vier Ehejahren, dass ich Blumen geschenkt bekomme. Sie duften herrlich.“
„Solange sie dir gefallen, meine Göttin, werde ich dir jeden Tag Blumen schicken!“
In diesem Moment war Maurices attraktives Gesicht eiskalt geworden. Es fühlte sich an, als wäre die Temperatur im Raum um mehrere Grad gesunken.
Jason wandte sich dem schweigenden Maurice zu, die Lippen zu einem herausfordernden Grinsen verzogen, und sagte spöttisch: „Herr Stone, ich danke Ihnen aufrichtig dafür, dass Sie unserer Göttin die Freiheit geschenkt und Steeze damit um eine Legende reicher gemacht haben.“
Maurice würdigte Jasons Existenz keiner weiteren Beachtung.
Dieser Junge war nichts weiter als der übermäßig verwöhnte Sohn von Herrn Jaden Morris – ein Nichtsnutz, der nur Vergnügungen im Kopf hatte. Er musste ihm keine Aufmerksamkeit schenken.
Doch die goldenen Sonnenblumen beleuchteten Hazels zartes Gesicht so prachtvoll, dass sie außergewöhnlich charmant wirkte.
Maurice, von diesem Anblick kurzzeitig wie benommen, murmelte: „Ich wusste gar nicht, dass du Sonnenblumen magst.“
Hazel spottete: „Es gibt viele Dinge, die du nicht über mich weißt.“
Dann wies sie Jason ganz natürlich an: „Jason, hilf mir mal, die Blumen wegzustellen.“
„Sehr gerne!“ Jason wuselte sofort los wie ein eifriger Welpe.
Beim Beobachten dieser Szene regte sich eine brennende Irritation in Maurices Innerem.
Was genau war das für eine Beziehung zwischen den beiden?
Jason, der berüchtigte sechste junge Herr der Familie Morris, bekannt für seinen unnachgiebigen Stolz und alles andere als ein Muttersöhnchen – wie konnte er sich vor Hazel wie ein übermotivierter Schoßhund benehmen?
„Zweiter junger Herr Maurice, gibt es sonst noch etwas?“ fragte Hazel höflich, aber lächelnd.
Ihre Worte implizierten unmissverständlich: Warum bist du eigentlich noch hier?
Maurices Miene verfinsterte sich noch weiter, als er sie ernst erinnerte: „Ich sage es dir noch einmal: Während der Bedenkzeit bist du immer noch eine verheiratete Frau. Behalt das im Hinterkopf.“
„Verstanden. Jedenfalls werde ich keine Szene machen, wie der zweite junge Herr Maurice es getan hat, und dabei jemanden umbringen.“
Hazels Worte ließen Maurice fast an seinem Zorn ersticken. Er erwiderte jedoch nichts und verließ den Raum mit einer gleichgültigen Miene.
In dem Moment, als er draußen war, konnte Jason sein Lachen nicht mehr zurückhalten.
„Hahaha! Hast du das gesehen, Boss Jones? Hast du sein Gesicht gesehen? Das war absolut unbezahlbar!“
„Ich schwöre, in diesen vier Jahren habe ich ihn unzählige Male bei verschiedensten Gelegenheiten gesehen, aber das ist das erste Mal, dass ich eine Regung auf dieser eiskalten Poker-Fresse gesehen habe. Einfach göttlich!“
„Boss Jones, du bist echt die Beste, du hast ihn direkt verjagt! Das war so befreiend, hahaha!“
Hazel empfand es jedoch ganz und gar nicht als befreiend, sondern fühlte eher eine bittere Leere in sich. Schließlich war er der Mann, den sie vier Jahre lang geliebt hatte. Sie hätte nie gedacht, dass es eines Tages so weit kommen würde.
„Schon gut, hör auf zu lachen. Wo ist die Sache, um die ich dich gebeten habe? Gib sie mir“, sagte Hazel, während sie sich zwang, wieder Energie zu zeigen.