Mrs Connick

822 Worte
Adrians Mutter sah genau wie die Art von Frau aus, von der Elara erwartet hatte, dass sie einen Mann wie ihn großzieht. Elegant. Kalt. Einschüchternd. Jeder Schritt, den sie über den Marmorboden machte, strahlte Autorität aus. Ihre scharfen grauen Augen richteten sich erneut auf Elara und musterten sie langsam von Kopf bis Fuß. Urteilend. Prüfend. Abweisend. „Nun“, sagte sie schließlich. „Zumindest ist sie hübscher als die anderen.“ Elara blinzelte. Die anderen? „Mutter“, sagte Adrian tonlos und offensichtlich wenig beeindruckt von ihrem Kommentar. Doch Mrs. Connick ignorierte ihn völlig. „Also bist du Victor Whitmores Tochter.“ „Ja, Ma’am.“ „Hm.“ Nicht gerade eine herzliche Zustimmung. Mrs. Connick reichte einer der Dienstmädchen ihre teure Handtasche, bevor sie sich wieder Adrian zuwandte. „Ich verlasse das Land für zwei Wochen und komme zurück zu einem Verlobungsskandal.“ Ihre Augen verengten sich leicht. „Möchtest du das erklären?“ „Ich werde heiraten.“ „Ja, Adrian, Schlagzeilen lesen kann ich selbst.“ Ethan verschwand leise aus dem Raum, bevor die Situation schlimmer wurde. Feigling, dachte Elara bitter. Mrs. Connick ging ruhig zum Essbereich. „Setz dich.“ Elara brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass der Befehl an sie gerichtet war. Adrian bemerkte ihr Zögern. „Sie meint jetzt.“ „Das habe ich verstanden.“ Zu Elaras Ärger erschien erneut dieser leichte Hauch von Belustigung in seinen Augen. Sie begann zu hassen, wie attraktiv er aussah, wenn er beinahe lächelte. Beinahe. Alle setzten sich an den riesigen Esstisch. Die Atmosphäre wurde sofort unerträglich. Mrs. Connick nippte elegant an ihrem Tee, während sie Elara mit erschreckender Präzision musterte. Schließlich fragte sie: „Liebst du meinen Sohn?“ Elara verschluckte sich beinahe an der Luft. Auf der anderen Seite des Tisches blieb Adrian vollkommen ruhig. Was absolut unglaublich war. Wie konnte er sich gerade nicht unwohl fühlen? „Diese Ehe ist eine Vereinbarung“, antwortete Elara vorsichtig. Mrs. Connick lächelte schwach. „Das war nicht meine Frage.“ Stille. Elara warf Adrian einen Blick zu, um Hilfe zu suchen. Er bot keine an. Verräter. „Nein“, gab Elara leise zu. Mrs. Connick nickte einmal, wenig überrascht. Dann blickte sie Adrian an. „Und du?“ Der Raum wurde still. Elara erwartete eine weitere kalte geschäftliche Antwort. Stattdessen… sah Adrian sie direkt an. Seine dunklen Augen waren unlesbar. Schwer. Gefährlich intensiv. „Ja.“ Ihr Herz blieb stehen. Komplett. Elara starrte ihn schockiert an. Mrs. Connick hob langsam eine elegante Augenbraue. Interessant. Doch Adrian griff einfach nach seinem Kaffee, als hätte er nicht gerade die gesamte Atmosphäre zerstört. Elaras Gedanken überschlugen sich. Was meinte er mit ja? Liebe? Unmöglich. Das musste Teil der Rolle sein. Oder? Mrs. Connick lachte plötzlich leise. Das Geräusch überraschte alle. „Du bist wirklich der Sohn deines Vaters“, murmelte sie. Sofort huschte etwas Dunkles über Adrians Gesicht. Und Elara bemerkte es. Die Veränderung kam augenblicklich. Der Raum wurde kälter. Mrs. Connick schien es ebenfalls zu bemerken. Ihr Ausdruck verhärtete sich leicht. „Ich tue so, als hätte ich das nicht gesagt.“ „Das sollten Sie.“ Die Spannung zwischen Mutter und Sohn knisterte scharf durch den Raum. Elara blieb still, spürte jedoch, dass unter diesem Gespräch etwas Tieferes verborgen lag. Etwas Schmerzhaftes. Bevor jemand erneut sprechen konnte, eilte nervös ein Dienstmädchen ins Esszimmer. „Mr. Connick…“ „Was jetzt?“ „Die Reporter haben das erste Tor durchbrochen.“ Elaras Augen weiteten sich sofort. „Was?!“ Mrs. Connick seufzte genervt. „Tiere.“ Adrian stand sofort auf. Seine gesamte Ausstrahlung verdunkelte sich. Gefährlich. Kontrollierte Wut strahlte so intensiv von ihm aus, dass sogar das Dienstmädchen verängstigt wirkte. „Holen Sie die Sicherheitskräfte“, befahl er kalt. „Ja, Sir.“ Das Dienstmädchen eilte davon. Elara stand ebenfalls auf. „Die können hier doch nicht einfach reinkommen, oder?“ Adrian griff ruhig nach seinem Sakko. „Das werden sie nicht.“ Doch bevor sie sich beruhigen konnte— hallte irgendwo unten ein lauter Knall durch das Haus. Alle erstarrten. Dann kamen Schreie. Stimmen der Sicherheitskräfte. Kamerablitze. Und plötzlich— flogen die Eingangstüren auf. Eine Gruppe Reporter stürmte in die Villa. „Elara! Hierher!“ „Mr. Connick, ist die Ehe fake?“ „Miss Whitmore, wurden Sie zu dieser Vereinbarung gezwungen?“ Blitze explodierten überall. Fragen prasselten aus jeder Richtung auf sie ein. Instinktiv wich Elara panisch zurück— nur damit Adrian sie plötzlich fest an seine Brust zog. Der gesamte Raum verstummte für den Bruchteil einer Sekunde. Ein starker Arm legte sich schützend um ihre Taille, während sein kalter Blick wie eine Klinge über die Reporter glitt. Und als Adrian Connick schließlich sprach… war seine Stimme tödlich. „Sie ist meine Verlobte“, sagte er gefährlich leise. „Machen Sie noch einen einzigen Schritt auf sie zu…“ „…und jede einzelne Person in diesem Raum verliert ihre Karriere.“
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