Ein Verzweifelter Schritt

821 Worte
Ich brauchte Antworten, und ich brauchte sie schnell. Meine Gedanken rasten—Tila und ihre lächerliche Selbstsicherheit wegen Phillip ließen mich nicht los. Ich durfte sie diesmal nicht gewinnen lassen. Die einzige Möglichkeit, sie aufzuhalten, war, dafür zu sorgen, dass sie nicht bekam, was sie wollte. Und Phillip… er war der Schlüssel. Ich durfte nicht zulassen, dass er in Tilas Hände fiel. Er war schon immer derjenige gewesen, den sie unbedingt haben wollte, derjenige, den sie ohne Zweifel für sich beanspruchte. Da fiel mir Sarah ein. Sie war immer für mich da gewesen, eine treue Freundin, die nie urteilte. Und noch besser: sie war Phillips Cousine. Das war meine Chance, mehr über ihn herauszufinden—vor allem, wie ich Tila daran hindern konnte, auch nur eine Chance zu haben. Ich griff nach meinem Handy und rief sie an, während ich versuchte, das Zittern in meiner Stimme zu verbergen. „Sarah, ich muss mit dir reden. Kann ich vorbeikommen?“ Ihre Stimme war sofort warm und beruhigend. „Natürlich, Faye. Du bist hier immer willkommen. Komm einfach.“ Ich verschwendete keine Zeit. Ich schnappte mir meine Tasche und machte mich sofort auf den Weg zu ihrer Wohnung, mein Herz klopfte heftig bei dem, was ich vorhatte. Es würde nicht leicht werden. Aber wenn mir jemand helfen konnte, dann Sarah. Als ich ankam, begrüßte sie mich mit einer festen, warmen Umarmung. „Was ist los, Faye? Du klingst so ernst.“ „Bin ich auch,“ antwortete ich leise. „Ich brauche deine Hilfe. Ich muss wissen, wie ich Phillip bekomme.“ Sarah zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Phillip? Du meinst den zweiten Sohn der Becker-Gruppe?“ Ich nickte und ließ mich auf das Sofa sinken. „Ja. Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich brauche ihn. Und ich muss sicherstellen, dass Tila ihn nicht bekommt. Sie denkt, sie kann einfach alles haben. Aber nicht dieses Mal. Dieses Mal wird sie verlieren.“ Sarah betrachtete mich eine Weile schweigend, ihre Stirn in Falten. „Faye, ich verstehe dich wirklich. Aber du musst begreifen, dass es nicht einfach ist, Phillip einfach so ‘zu bekommen’. Er ist nicht der Typ, der einfach auf irgendjemanden reinfällt—schon gar nicht auf jemanden, der… na ja… so ist.“ Ich runzelte die Stirn. „Was meinst du mit ‘so ist’?“ Sie seufzte und lehnte sich zurück. „Es ist kompliziert. Phillip ist nicht irgendein Typ, den man mit einem hübschen Gesicht gewinnen kann. Oberflächliche Dinge beeindrucken ihn nicht. Und er mag es überhaupt nicht, wenn jemand Spielchen spielt. Er ist klug, Faye. Sehr klug. Und er hat viel durchgemacht.“ Frustration stieg in mir auf. „Aber Tila… sie ist überzeugt, dass sie ihn ganz leicht bekommen kann. Sie rennt ihm schon seit Jahren hinterher. Ich kann nicht einfach zusehen, wie sie gewinnt. Ich will ihn für mich.“ Sarahs Blick wurde weich, als sie meine Hand nahm. „Ich weiß. Aber du wirst ihn nicht einfach bekommen, nur weil du ihn willst. Phillip hat Prinzipien. Er mag keine falschen Menschen oder Manipulationen. Er durchschaut das.“ Ich presste die Lippen zusammen, um meine wachsende Ungeduld zu unterdrücken. „Was soll ich dann tun? Aufgeben? Ihn ihr überlassen?“ Sarah schüttelte entschieden den Kopf. „Nein. Aber du musst vorsichtig sein. Phillip schätzt Ehrlichkeit. Er will niemanden, der sich verstellt, nur um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn du eine Chance bei ihm willst, musst du ihm zeigen, wer du wirklich bist. Sei ehrlich. Sei du selbst. Keine Spielchen.“ Ihre Worte taten mehr weh als erwartet. „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ehrlich sein soll. Nicht, wenn Tila immer im Weg steht und sich aufführt, als würde Phillip ihr gehören.“ Sarah beugte sich vor, ihr Blick fest. „Ich weiß, aber glaub mir: Phillip fällt nicht auf jemanden herein, der nur versucht, eine andere Person zu übertreffen. Er ist kein Preis in einem Wettbewerb. Wenn du seine Aufmerksamkeit willst, dann aus den richtigen Gründen. Nicht, um Tila zu schlagen—sondern weil du tatsächlich etwas für ihn empfindest.“ Ich ließ ihre Worte wirken. Zweifel und Verständnis mischten sich in mir. „Ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich habe so viel Zeit damit verbracht, zu überlegen, wie ich Tila besiegen kann… ich habe vergessen, wie es ist, einfach… ich zu sein.“ Ich lehnte mich zurück und starrte gedankenverloren vor mich hin. Alles, was Sarah sagte, ergab Sinn. Es ging nicht nur darum, zu gewinnen. Es ging darum, echt zu sein. Phillip zu zeigen, wer ich wirklich war. Das war der Schlüssel—nicht eine Rolle zu spielen, sondern die beste Version von mir selbst zu zeigen. „Aber was, wenn Tila nicht aufgibt? Was, wenn sie zu stark ist?“ Sarah lachte leise. „Faye… du bist viel stärker, als du glaubst. Du hast so viel überlebt. Wenn jemand Tila die Stirn bieten kann, dann du.“
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