Kapitel 5

1051 Worte
Izzys Sicht Als ich aufwachte, schmerzte mein Körper auf eine Weise, über die ich nicht nachdenken wollte, verstrickt in warme Laken. Langsam öffnete ich die Augen, während das sanfte Morgenlicht durch die hohen Fenster von „Lucas’ private Suite fiel.“ Der Raum war still. Nur das Geräusch meines eigenen – und seines – Atems. Keine Wachen. Kein Lärm. Luca lag neben mir, ein Arm locker über der Brust, die Augen geschlossen, aber nicht wirklich schlafend. Der eisige Mann, dem ich vor ein paar Tagen begegnet war, war verschwunden. Etwas hatte sich verändert. Er wirkte weicher. Menschlicher. Ich bewegte mich leicht. Seine Augen öffneten sich sofort, wachsam. Seine Stimme war tief und leise. „Du bist noch hier.“ „Ich habe darüber nachgedacht zu gehen“, sagte ich. „Aber ich bin geblieben.“ Er sah mich an. „Warum?“ Ich antwortete ehrlich: „Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich mich zum ersten Mal nicht wie eine Gefangene fühle.“ Langsam nickte er. „Gut. "Denn ich will nicht, dass du eine bist.“ Nach einem Moment der Stille fragte ich: „Warum hasst du Marco?“ Der Name ließ seinen Kiefer hart werden. „Weil er jemanden getötet hat, den ich geliebt habe.“ Ich richtete mich etwas auf und sah ihn an. „Wen?“ Leise sagte er: „Meine Schwester. Sie war siebzehn. Marco beschuldigte sie des Diebstahls. Sie war unschuldig. Er ließ sie wie Müll in den Fluss werfen.“ Ich holte tief Luft. „Es tut mir leid.“ Er wandte den Blick ab. „Vincenzo half, es zu vertuschen. Das ist der wahre Grund, warum ich mit ihm zusammenarbeite. Nicht Loyalität. Rache.“ Ich sah ihn an. „Also ist diese Partnerschaft mit meinem Vater… nicht echt?“ „Vorübergehend“, sagte er. „Ich brauche ihn, um Marco zu Fall zu bringen. Danach ändert sich alles.“ Mir fehlten die Worte. Ich wollte ihm glauben. Und ein Teil von mir flehte mich an, es nicht zu tun. Er sah mich erneut an. „Und du, Izzy. Was willst du?“ Nach kurzem Zögern sagte ich: „Freiheit. Und Gerechtigkeit.“ Er hob die Hand und strich mir sanft über die Wange. „Dann verfolgen wir vielleicht doch dasselbe Ziel.“ Später an diesem Tag saß ich in meinem neuen Zimmer – größer als das vorige, mit neuen Kleidern und Essen, das nicht nach Pappe schmeckte. Ich dachte über Lucas Worte nach und fragte mich, ob ich ihm trauen konnte. Es klopfte. Ein Mann im schwarzen Anzug reichte mir wortlos einen kleinen, gefalteten Zettel und ging. Ich öffnete ihn. Meine Hände begannen zu zittern, während ich las. Sie ist nicht du. Sie weint unkontrolliert und sagt, sie sei nicht echt. Bald werden sie es merken. Ich beobachte sie. Sei bereit. —S Seline. Irgendwie hatte sie es geschafft, mir eine Nachricht zukommen zu lassen. Sie wusste von dem Klon. Und sie zerbrach ihn. Wenn jemand anderes davon erfuhr, würde alles zusammenbrechen. Meine neue Identität. Meine Rolle. Der Plan meines Vaters. Und am Ende würde nur ich noch in den Flammen stehen. Mit rasendem Herzen steckte ich den Zettel ein. Mein Klon hatte nicht meine Stärke. Dafür war sie nie geschaffen worden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis jemand die richtigen Fragen stellte. Am Abend wurde ich in Lucas Büro gerufen. Zuerst sagte er kein Wort. Er reichte mir nur sein Handy und drückte auf Play. Mein Blut gefror. Auf dem Bildschirm erschien Marcos Gesicht, mit einem dämonischen Grinsen unter einem teuren Anzug. Seine Augen funkelten vor Bosheit. „Nun, nun, nun“, sagte er. „Sieh an, wie die Kleine sich im Imperium ihres Daddys verkleidet.“ Er beugte sich zur Kamera. „Izzy, ich weiß, was dein geliebter Vater getan hat. Ich weiß von deinem kleinen Doppelgänger. Und ich weiß, dass du glaubst, jetzt sicher zu sein.“ Er lachte. Ein tiefes, hässliches Geräusch. „Aber das bist du nicht. Warst du nie. Du gehörst mir. Und ich komme, um mir mein Eigentum zurückzuholen.“ Der Bildschirm wurde schwarz. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich bekam keine Luft. Luca sprang auf und riss mir das Handy aus der Hand. „Er hat das Video an alle einflussreichen Familien der Stadt geschickt.“ Ich sah ihn an. „Er weiß Bescheid. Wie viel weiß er?“ „Genug, um einen Krieg auszulösen.“ Mit schwachen Beinen klammerte ich mich an den Tisch. „Er muss gestoppt werden.“ Luca nickte. „Wird er. Aber von jetzt an gehst du nirgendwohin ohne mich.“ Seine Stimme hatte sich verändert – scharf, beschützend. Ich fühlte mich nicht länger wie eine Spielfigur. Ich spielte das Spiel jetzt selbst. Und vielleicht… war ich zu etwas Größerem geworden. Am nächsten Abend veranstaltete mein Vater ein prunkvolles Mafia-Bankett in einem seiner Privatclubs. Mächtige Männer und Frauen, Kriminelle in maßgeschneiderten Anzügen, grinsten wie Wölfe. Ich trug ein langes schwarzes Satinkleid mit hohem Schlitz und feinen Trägern. Ich fühlte mich nicht wie ich selbst. Ich fühlte mich falsch. Vielleicht war genau das der Sinn. Luca stand neben mir, ganz in Schwarz, sein Arm leicht an meinem unteren Rücken. Für Außenstehende wirkten wir wie ein Paar. Eine Einheit. Doch innerlich zitterte ich. Gläser klirrten. Stimmen murmelten. Die Musik war leise. Dann betrat mein Vater die kleine Bühne und hob sein Glas. „Heute feiern wir die Wiedergeburt unserer Blutlinie“, sagte er. „Isabella Marino kehrt zurück – nicht als Opfer, sondern als meine Erbin.“ Applaus. Lächeln. Trinksprüche. Alles eine Lüge. Er winkte mich zu sich. Zögernd trat ich auf die Bühne. Die Lichter blendeten. Kameras blitzten. Ich zwang mich zu lächeln. „Danke“, sagte ich ruhig. „Ich werde nicht zulassen, dass der Name Marino vergessen wird. Ich werde dafür sorgen, dass man ihn fürchtet.“ Der Applaus schwoll an. Dann— Dunkelheit. Die Lichter gingen aus. Die Musik verstummte. Einen Moment lang Stille. Dann ein Schuss. Schreie erfüllten den Raum. Menschen rannten. Glas zerbrach. Jemand schaltete das Licht wieder ein. Mir wurde eiskalt. Mein Vater lag auf dem Boden. Blut strömte aus seiner Brust. Luca trat sofort vor mich, schützend. Ich sah auf – und erkannte einen Mann, der durch den Hinterausgang rannte. Marco. Verschwunden, bevor ihn jemand aufhalten konnte.
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