Joems Spiel MELISSAS SICHT Der Morgen nach dem Mondlauf kam mit einer beißenden Kälte, die mir bis in die Knochen kroch. Ich hatte kaum geschlafen; meine Träume waren nichts als flackernde Bilder goldener Augen, rauer Hände und eines Duftes gewesen, der meine Wölfin fast wahnsinnig gemacht hätte. Bei Sonnenaufgang war ich schon auf dem Trainingsgelände, und wie immer war Joem bereits da, bevor ich ankam. Er hob nicht einmal den Blick, als ich nähertrat. „Du bist spät.“ „Ich bin fünf Minuten zu früh.“ „Für einen Soldaten ist das spät“, sagte er trocken und wandte sich mir zu. „Vor allem für jemanden, der sich letzte Nacht beinahe verraten hätte.“ Meine Kehle wurde eng. „Du hast gesagt, du würdest—“ „Habe ich nicht.“ Sein Ton wurde etwas weicher. „Aber du kannst dir solche Fehler ni

