Kapitel 34

1214 Worte
KAELS SICHT Das Penthouse war still auf die Art, die nur Sieg und Erschöpfung erzeugen konnten – weiches Stadtlicht, das durch die Glaswände sickerte, das leise Summen des Bandes zwischen mir und Alisa, das mich erdete, während meine Gedanken schon voraus zu morgen rasen. Ich stand in der Küche und schenkte zwei Gläser des tiefroten Weins ein, den Alisa für die große Eröffnung des Restaurants ausgesucht hatte. Das reichhaltige Aroma stieg auf wie ein Versprechen. Sie hatte sich bereits aus ihrem schwarzen Kleid und in eines meiner übergroßen Hemden gewechselt, das gerade bis unter ihre Oberschenkel reichte, ihre nackten Beine glänzten im gedämpften Licht. Der frische Biss an ihrer Schulter lugte unter dem Kragen hervor, und jedes Mal, wenn sie sich bewegte, spürte ich, wie das Band mit stiller, zufriedener Hitze pulsierte. „Garrick hat gerade geantwortet“, sagte ich und schob ihr ein Glas hin. Meine Stimme war tief und rau vom Adrenalin, das noch in meinem Blut lag. „Er will ein privates Treffen. Sagt, er sei ‚besorgt über die neue Richtung‘ des Rudels. Behauptet, er mache sich Sorgen, wie Viktors Suspendierung die niederrangigen Wölfe treffen wird.“ Alisa nahm das Glas, ihre Finger streiften meine. Das Band flammte warm und intim bei der Berührung auf. „Und was wirst du tun?“ Ich lehnte mich gegen die Arbeitsplatte, verschränkte die Arme und ließ das Band ihr genau zeigen, wie sehr ich ihr in dieser Sache vertraute. „Ich werde mich mit ihm treffen. Morgen Abend. Mit dir. Lass ihn sehen, wie du öffentlich an meiner Seite stehst. Lass ihn das Band spüren, das dich heute Nacht stärker gemacht hat als jeden Mann in diesem Saal.“ Ihr Lächeln war langsam und böse. „Dann trage ich das rote Kleid. Das, bei dem du vergisst, dass du professionell sein sollst.“ Ich lachte, tief und dunkel, trat näher, bis meine Hände sich auf ihre Hüften legten. „Du weißt, was passiert, wenn du dieses Kleid trägst.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste mich langsam und tief, schmeckte den Wein und das Versprechen. „Dann sei nicht professionell. Bring mich nach Hause. Erinnere mich daran, wem ich gehöre.“ Die Nacht lag vor uns – Stunden voller Hitze und Lachen und der Art von Liebe, die alles überstand, was die Welt uns entgegenwarf. Doch die politischen Folgen hatten gerade erst begonnen. Der nächste Morgen brachte den echten Sturm. Mein Handy vibrierte um 6:17 Uhr mit drei neuen Nachrichten aus der Unterstadt. **Unbekannt 1: Garrick gibt heute Abend ein privates Frühstück in der alten Lodge. Er will ‚die Zukunft besprechen‘. Bring die Omega mit, wenn du sie sicher halten willst.** **Unbekannt 2: Drei von Viktors Leutnants sind bereits unterwegs. Sie wissen vom Restaurant. Sie kommen heute Nacht dafür.** **Unbekannt 3: Der Rudelsrat spaltet sich. Einige fordern bereits Reformen. Andere tuscheln, dass eine Omega in der Küche bleiben sollte.** Ich zeigte Alisa die Nachrichten, während sie Kaffee machte. Sie zuckte nicht zusammen. Stattdessen stellte sie die Tasse ab, trat zwischen meine Beine und küsste mich mit demselben wilden Hunger, den sie in der Gasse gezeigt hatte. „Dann gehen wir heute Abend zur Lodge“, sagte sie gegen meinen Mund. „Zusammen. Du beschützt mich. Ich kämpfe an deiner Seite. Denn ich verstecke mich nicht mehr. Nicht vor ihnen. Nicht vor uns.“ Das Band sang mit ihrer Entschlossenheit, und zum ersten Mal seit dem Kampf ließ ich mich etwas spüren, das gefährlich nah an Hoffnung war. Wir verbrachten den Tag im Restaurant in einem Wirbelwind der Vorbereitungen. Das Personal rückte Tische, prüfte den Bestand und tuschelte aufgeregt über die politischen Verschiebungen, die sie durch die Stadt schwappen sahen. Alisas Mutter kam einmal vorbei – nervös, zögerlich, mit einer kleinen Schachtel ihrer Lieblingsgewürze. Sie stellte sie auf die Theke und sprach leise. „Ich wollte helfen. Bei der Eröffnung. Wenn du mich lässt.“ Alisa umarmte sie ohne Zögern. Das Band zwischen Mutter und Tochter pulsierte mit etwas Neuem – Vergebung, nicht ganz Vergebung. Einfach… Entscheidung. Die Art, die Stück für Stück heilte. Am Abend war das Restaurant für die Nacht geschlossen. Alisa zog das rote Kleid an. Ich wechselte in etwas Dunkleres – schwarzer Anzug, keine Krawatte. In dem Moment, als sie aus dem Schlafzimmer trat, zog ich sie an mich, die Hände glitten unter den Stoff und griffen nach ihren nackten Hüften. „Du wirst mich heute Nacht ruinieren“, knurrte ich und küsste ihren Hals. Sie lächelte gegen meine Haut. „Dann ruinier mich zurück.“ Die Fahrt zur alten Lodge in der Unterstadt war geladen mit Erwartung. Alisa saß neben mir, die Hand in meiner, das Band hielt uns verbunden, selbst als die Stadtlichter Schattenstraßen wichen. Als wir ankamen, sah die Lodge genau so aus, wie ich sie in Erinnerung hatte – rustikales Holz, flackernde Laternen, die Luft d**k von alter Macht und neuer Gefahr. Garrick wartete in der großen Halle, flankiert von sieben Männern. Er lächelte, als er uns sah, doch seine Augen waren scharf. „Draven. Und Frau Draven. Wie großzügig von euch, zu kommen.“ Alisa trat vor, das Kinn hoch. „Wir sind nicht zum Tee gekommen, Garrick. Wir sind hier, um sicherzustellen, dass das Rudel nicht vergisst, wie eine Omega aussieht, die sich selbst wählt.“ Der Raum knisterte. Garrick lachte, doch es hatte einen nervösen Unterton. „Du glaubst, Stärke ist etwas, das man einfach verteilen kann? Eine Omega gehört in die Küche, nicht in den Vorstand. Viktor hatte recht, als er versuchte, dich einzudämmen.“ Ich spürte, wie Alisas Band mit einer ruhigen, erschreckenden Kraft aufloderte. Sie trat näher an ihn heran, die Stimme sanft, aber mit dem vollen Gewicht des Bandes. „Viktor hatte nicht recht. Er hatte Angst. Und ich habe keine Angst vor dir.“ Der Kampf begann, bevor jemand wieder sprechen konnte. Krallen blitzten. Alisa bewegte sich wie die Wölfin, die sie war – wich aus, schwang, nutzte jede Lektion, die das Band sie gelehrt hatte. Ich holte drei Männer in Sekunden nieder, das Band fütterte mich mit ihrer Stärke, bis ich mich unbesiegbar fühlte. Doch als Garrick auf Alisa losging, riss etwas in mir. Ich brüllte und schlug ihn mit einem einzigen brutalen Schlag nieder. Die Lodge versank in Stille, abgesehen vom Schlag meines Herzens und dem Band, das zwischen mir und meiner Frau sang. Garrick lag auf dem Boden und atmete schwer. „Du gewinnst diese Runde“, spuckte er. „Aber die Unterstadt ist noch nicht fertig mit euch.“ Wir gingen ohne ein weiteres Wort hinaus. Alisas Hand verließ meine nicht, bis wir den SUV erreichten. Auf der Heimfahrt drehte sie sich zu mir, die Augen glänzend. „Ich habe es heute Nacht gespürt. Das Band wird stärker. Als wüsste es, dass wir erst am Anfang stehen.“ Ich zog sie über die Mittelkonsole und küsste sie, bis die Stadt verschwamm. „Morgen“, flüsterte ich gegen ihre Lippen, „öffnen wir das Restaurant, als wäre nichts geschehen. Und heute Nacht… knot ich dich, bis keiner von uns mehr laufen kann.“ Sie lächelte, wild und frei. „Versprochen?“ „Versprochen, kleiner Wolf.“ Die politischen Folgen hatten gerade erst begonnen. Doch die Liebe zwischen uns? Die wurde nur stärker. Für immer.
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