ALISAS SICHT
Das Morgenlicht filterte durch die durchsichtigen Vorhänge von Kaels Penthouse, als wollte es den Moment stehlen.
Ich wachte langsam auf, der Körper auf die beste Art köstlich wund, eine schwere Wärme zwischen meinen Schenkeln, wo ich noch immer mit ihm verbunden war. Kaels Arm war fest um meine Taille geschlungen, seine Brust an meinen Rücken gepresst, eine große Hand besitzergreifend über der frischen Claiming-Markierung auf meiner Schulter ausgebreitet.
Das Band summte zwischen uns – goldene Fäden, die sanft und stetig pulsierten, wie ein zweiter Herzschlag, der nur jemals für mich schlug.
Ich bewegte mich gerade so viel, dass ich den Knoten noch halb geschwollen spürte, seinen Schwanz tief in mir nestelnd, und ein leises Knurren grollte in seiner Brust. Nicht wütend. Zufrieden.
„Schon Morgen?“ Seine Stimme war rau wie Kies, schlaftrunken. „Du wirst mich umbringen, bevor es Frühstück gibt.“
Ich lachte leise und rollte meine Hüften in einem winzigen Kreis, der ihn in meinen Nacken stöhnen ließ. „Gut. Dann kannst du mich nicht wieder verlassen.“
Seine Fangzähne streiften die Claiming-Markierung, die er mir letzte Nacht hinterlassen hatte – nicht beißend, nur kostend.
„Ich werde nie gehen. Nicht nachdem du mich an diesem Tisch auseinandergenommen hast. Nicht nachdem du mich angefleht hast, dich richtig zu knoten.“ Er rollte uns, bis ich wieder unter ihm lag, vorsichtig wegen des Bisses. „Frau“, flüsterte er und küsste die frische Markierung wie ein Gelübde. „Meine Frau.“
Ich schlang meine Beine um seine Hüften und spürte, wie er in mir wieder hart wurde. Das Band flammte heiß und hell auf. „Beweis es. Nochmal.“
Seine Augen verdunkelten sich zu reinem Bernstein. „Du bist heute Morgen unersättlich.“
„Dein“, atmete ich. „Ganz dein.“
Er brauchte es nicht zweimal zu hören. Er glitt in einem einzigen, fließenden Stoß nach Hause, der Knoten hakte sich auf dem Weg heraus und versiegelte uns mit einem nassen, perfekten Plopp. Ich schrie auf, der Rücken wölbte sich, und er schluckte den Laut mit einem tiefen Kuss. Der Rhythmus war jetzt langsamer – träge, tiefe Bewegungen seiner Hüften, die an jeder empfindlichen Stelle in mir entlangstrichen. Seine Hand glitt zwischen uns, der Daumen kreiste um meine Klitoris, bis ich zitterte.
„Komm auf meinem Schwanz, während ich dich knote“, knurrte er gegen meine Lippen.
Das Band explodierte. Ich zerbrach mit seinem Namen, der mir aus der Kehle gerissen wurde, die Wände flatterten und preßten sich um die dicke Basis seines Knotens. Er folgte Sekunden später, flutete mich mit heißen Impulsen, das Band sang so laut, dass ich es in den Zähnen und zwischen den Schenkeln spürte.
Als wir endlich herunterkamen, blieb er tief in mir, die Stirn an meine gepresst, atmete uns beide ein.
„Ich liebe dich“, flüsterte er. „Nicht nur das Band. Nicht den Ring. Dich. Die Frau, die aus einem Käfig herausging und mich wartend fand.“
Tränen stachen in meinen Augen. „Ich liebe dich auch. Mein rücksichtsloser Alpha. Mein Zuhause.“
Wir lagen so, bis die Sonne höher stieg, ineinander verschlungen und verbunden, und sprachen leise über die Zukunft. Kein Rennen mehr. Kein Verstecken mehr. Nur wir – sein Restaurant umbenannt, meins blühend, die Welt, die zusah, wie wir für das kämpften, was real war.
Doch das Band, selbst während es vor Frieden sang, begann mit etwas Schärferem zu summen.
Ein leises Alarm-Ping kam von Kaels Handy auf dem Nachttisch. Er griff hinüber, ohne mich zu verlassen, entsperrte es und las schweigend.
„Blackwood“, forderte ich.
Er runzelte die Stirn. „Das alte Rudel bewegt sich. Viktor versucht, einen Deal mit Jeff zu vermitteln. Sie bieten meine Vergangenheit als Pfand an – Fotos, alte Zeugenaussagen. Sagen, wenn wir die Scheidung und das Restaurant nicht fallen lassen, werden sie alles enthüllen. Meine Lizenz. Meinen Namen. Alles.“
Mein Magen zog sich zusammen, aber nicht vor Angst. Vor Entschlossenheit. Ich setzte mich langsam auf, ließ das Laken fallen, die Bissmarkierung auf meiner Schulter glänzte im Licht. „Dann lassen wir nichts fallen. Wir machen ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können.“
Kaels Augen blitzten mit dieser gefährlichen Mischung aus Stolz und Lust. „Meine Frau. Immer zwei Schritte voraus denkend.“
Ich grinste, böse und frei. „Weil ich einen Mate habe, der mir beigebracht hat zu kämpfen. Und ein Band, das sagt, wir sind zusammen stärker.“
Er zog mich zurück nach unten, küsste mich langsam und tief, die Hände wanderten über meinen Körper, als wollte er jeden Zentimeter wieder auswendig lernen. „Sag mir, was du brauchst.“
„Transparenz“, sagte ich gegen seinen Mund. „Wir gehen mit der vollen Geschichte an die Öffentlichkeit – die Scheinehe, der Verrat meiner Mutter, die Drohungen des alten Rudels. Wir machen daraus einen Livestream. Lassen die ganze Stadt zusehen, was passiert, wenn eine Omega endlich sich selbst wählt. Und wir lassen sie dich sehen – den Mann, der früher getötet hat, um zu überleben, und der jetzt Gnade wählt.“
Sein Knurren war pure Zustimmung. „Meine wilde kleine Wölfin.“
Den Rest des Morgens verbrachten wir damit, uns auf jeder Oberfläche zu lieben – Kücheninsel, Duschwand, dem breiten Ledersofa –, bis die Welt draußen fern wirkte und das Einzige, was zählte, die Art war, wie sein Knoten uns zusammenhielt und das Band uns durch jede Erlösung sang.
Zum Mittagessen waren wir angezogen, die Haare zerzaust, die Lippen geschwollen. Kaels Hand verließ meine Taille nicht, als wir zusammen ins Büro gingen.
Blackwood sah auf, musterte uns einen Moment und hob eine Augenbraue. „Das Band ist offiziell markiert?“
„Vollständig“, sagte ich und hob das Kinn. „Und ich bin bereit, alles niederzubrennen, wenn ich muss.“
Die Strategie-Sitzung, die folgte, war Feuer und Stahl.
Wir würden einen Mediensturm entfachen. Jeff würde in Panik geraten. Das alte Rudel würde entlarvt. Meine Mutter hätte keine andere Wahl, als zu entscheiden – den Ruf ihrer Familie oder das Glück ihrer Tochter.
Kaels Hand fand meine unter dem Tisch wieder. „Was auch immer als Nächstes kommt – wir stellen uns dem zusammen. Frau. Partnerin. Mate.“
Ich drückte zurück. „Für immer.“
Draußen flackerten die Stadtlichter bereits auf und warteten darauf, dass wir den Weg erleuchteten.
Drinnen brannte das Band heller denn je – goldene Fäden stärker, sicherer.
Und zum ersten Mal in meinem Leben rannte ich nicht auf etwas zu.
Ich rannte geradewegs in die Arme des Mannes, der mich gerettet hatte.
Mein Ehemann.
Mein Mate.
Mein Alles.