DIE HOCHZEIT

952 Worte
KAPITEL VIER: DIE HOCHZEIT Nadias Sicht Der gesamte Raum wurde still. Ich starrte ihn an. Mein Herz schlug so laut, dass ich sicher war, jeder im Raum konnte es hören. Gerald kniete noch immer vor mir. Er sah so nervös aus. Ich blickte auf den Ring in seiner Hand. Will ich wirklich den Rest meines Lebens mit diesem Mann verbringen? Die Frage ging mir nicht aus dem Kopf. Ich sah ihn wieder an. Den Mann, der an meiner Seite aufgewachsen war. Den Mann, der meine schlechtesten Seiten kannte und sich trotzdem für mich entschieden hatte. Was denke ich überhaupt? „Ja“, lachte ich mit Tränen in den Augen. „Ja, Gerald. Ich möchte den Rest meines Lebens mit dir verbringen.“ Er strahlte mit dem größten Lächeln, das ich je bei ihm gesehen hatte. Er steckte mir den Ring an den Finger, stand auf und zog mich in seine Arme. Ein gewaltiger Jubel und Applaus erfüllten den gesamten Raum. Mitten in all dem Lärm konnte ich nur an eines denken: Ich werde Gerald heiraten. Dieser Gedanke ging mir die ganze Nacht nicht aus dem Kopf. Einige Monate nach meiner Verlobung besuchten wir Sophies Hochzeit. Ich war ihre Trauzeugin, während Gerald nur als Gast dort war. Ich sah zu, wie Sophie den Gang entlangschritt und wunderschön aussah – von ihrer süßen Tiara bis zum Saum ihres fließenden weißen Kleides. „Sie sieht so glücklich aus“, flüsterte ich mit Tränen in den Augen. Mein Blick fiel auf Gerald unter den Gästen, als hätte er gewusst, dass ich nach ihm suchen würde. Er lächelte. Ich lächelte zurück. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich in einem Monat diejenige sein würde, die diesen Gang entlangschritt. Und ehrlich gesagt konnte ich es kaum erwarten. Die Hochzeit endete wunderschön. Gerald und ich wurden als nächstes Hochzeitspaar angekündigt. Ich war so aufgeregt, dass mir regelrecht die Wangen wehtaten vom Lächeln. Endlich war der Tag meiner Hochzeit gekommen. Ich war von so vielen Gefühlen überwältigt. Ich saß in meinem Zimmer, mein Make-up und meine Haare waren bereits fertig, und starrte auf mein Traumkleid. Doch ich konnte es einfach nicht anziehen. Ein Teil von mir überdachte meine Entscheidung noch immer. Und das machte mir Angst. Ich hörte ein Klopfen an der Tür und wischte mir schnell die Augen. „Komm rein“, sagte ich. Es war meine Mutter. „Nadia, alle warten auf dich. Was ist los?“, fragte sie. Ich blickte nach unten und tat so, als würde ich meinen Ring richten. Sie kam zu mir und setzte sich neben mich, während sie meine Hand in ihre nahm. „Ich weiß, dass du nervös bist. Das ist ganz normal. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich stolz auf dich bin, egal, wofür du dich entscheidest“, sagte sie. „Der Mann, der draußen auf dich wartet, ist jemand, von dem ich glaube, dass er dich wirklich liebt. Und ich weiß, dass du ihn ebenfalls liebst.“ Ich sah sie an. „Also entspann dich, atme tief durch und geh und heirate deinen Mann.“ Ich lachte unter Tränen. Sie lächelte und stand auf. „Und jetzt zieh dieses wunderschöne Kleid an. Dein Vater wartet draußen“, sagte sie und schloss die Tür hinter sich. Einige Minuten später fand ich den Mut, mich anzuziehen, und trat aus meinem Zimmer. In dem Moment, in dem mein Vater mich sah, wurde sein Gesichtsausdruck sanft, und er hielt mir seine Hand hin. Gemeinsam gingen wir den Gang entlang. Meine Augen fanden sofort Gerald. Er stand dort in seinem schwarz-weißen Smoking, auf dessen Kragen unsere Initialen eingestickt waren. Sein kleines Lächeln ließ jeden Zweifel in mir verschwinden. Als ich endlich bei ihm ankam und Sophie, meine Trauzeugin, mir mit meinem Kleid half, legte mein Vater meine Hand in Geralds. Die Zeremonie verging wie im Bruchteil einer Sekunde. Dann kam die entscheidende Frage. „Nadia, willst du Gerald zu deinem Ehemann nehmen?“ Ohne zu zögern antwortete ich: „Ja, ich will.“ „Und Gerald, willst du Nadia zu deiner Ehefrau nehmen?“ „Ja, ich will“, sagte Gerald mit einem riesigen Lächeln. Der gesamte Raum brach in Jubel aus. Gerald zog mich an sich und unsere Lippen trafen sich zu einem sanften Kuss, während alle um uns herum applaudierten. Und einfach so war ich seine Ehefrau. Die Hochzeitsfeier ging bis tief in die Nacht. Es wurde viel getanzt, gelacht und unzählige Male gratuliert. Am Tag nach der Hochzeit flogen wir zu unseren Flitterwochen auf die Malediven. Es war die schönste Erfahrung meines Lebens. Einige Monate später kehrten wir zurück und besuchten Freunde und Familie, um ihnen alles über unsere Reise zu erzählen. Während Gerald und ich in einem Einkaufszentrum einige Dinge besorgten, liefen wir Sophie über den Weg. „Sophie!! Ein Babybauch schon?“, rief ich überrascht. Sie lachte und strich über ihren Bauch. „Was soll ich sagen? Wir konnten einfach nicht länger warten“, sagte sie. „In ein paar Monaten wirst du genauso aussehen, also merk dir schon mal ein paar Dinge“, sagte Gerald. Alle lachten leise. „Ich konnte es ehrlich gesagt kaum erwarten“, flüsterte ich vor mich hin. Gerald und ich gewöhnten uns an unser neues gemeinsames Leben. Unsere Firma wuchs enorm. Wir wurden zu dem erfolgreichsten jungen Paar der Stadt. Das Leben hätte nicht perfekter sein können. Alles schien sich genau so zu entwickeln, wie wir es uns gewünscht hatten. Es gab nur noch eine Sache, auf die wir warteten. Ein Kind. Wir probierten jede mögliche Methode aus, doch alles schlug fehl. Aber wir wollten nichts erzwingen und vertrauten deshalb auf Gottes Zeitplan. Doch dieses Vertrauen begann bei Gerald langsam zu schwinden.
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