Ich wachte mit einer zugeschnürten Lunge auf. Es war mir, als würde ich keine Luft bekommen. Ich sah immer noch das Wasser vor meinen Augen. Ich spürte es immer noch auf meiner Haut. Dieses kalte, kalte Wasser. Es schien endlos zu sein. Es kam mir vor, als gäbe es keinen Anfang und kein Ende. Ich versuchte hastig nach Luft zu schnauben und hustete laut. Es war so schlimm, dass Mandy erschrocken ins Zimmer rannte.
"Elisa, alles okay bei dir? Oh mein Gott. Elisa!", rief sie und kam mir zur Hilfe. Sie war wieder aus dem Zimmer gerannt und war mir ein Glas Wasser holen gegangen.
"Was zum Teufel ist passiert? Was hast du geträumt?", fragte sie besorgt und strich mir behutsam über den Rücken, als ich aufhörte zu ersticken und zu husten.
"Ich bin ertrunken", sagte ich heiser und hielt mir an den Hals. Sie strich mir behutsam über den Rücken.
"Mandy, ich bin in dem Traum gestorben", sagte ich ihr immer noch etwas mitgenommen.
"Elisa, wir alle werden irgendwann mal sterben und das war ja nur ein Traum." Sie sah mich mit ihren grossen, blauen Augen an und normalerweise würden sie mich beruhigen. Das blau ihrer Augen erinnerte mich immer an den grossen, weiten Ozean. Aber nach dieser Nacht, nach diesem Traum, würden sie mich nur wieder daran erinnern, was ich getan habe.
"Mandice. Es war Selbstmord." Meine Stimme sank in sich hinein und mein Herz verkrampfte sich. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas wie Selbstmord in mich stecken würde, aber nach diesem Traum, kam mir es vor, als wäre alles möglich. Und diese Tatsache breitete mir ungemeine Angst.
Als ich die Worte über meine Lippen gleiten liess, hatte mich Mandice genauso bedrückt und schockiert angesehen, wie ich wohl in dem Moment reingeschaut hatte.
"Selbstmord", murmelte sie vor sich hin und stand dann nach einer Zeit langsam auf und verliess das Zimmer.
Ich hatte mich für die Uni angezogen und frisch gemacht. Im Badzimmer hatte ich mich aufs Lavabo gestützt und mich lange im Spiegel betrachtete. Ich hatte das Gefühl, als sei ich nicht wirklich da, komplett abwesend. Ich spürte immer noch das Wasser in meinen Lungen, obwohl nicht ich es wirklich war, die ertrunken war, sondern diese Elisabeth. Aber wer konnte mir die Versicherung geben, dass Elisabeth nicht genau so ein Teil von mir war, wie Elisa Catarina. Wer konnte mir versichern, dass dies nur bedeutungslose Träume waren, die nachts immer und immer wieder kamen? Ich fragte mich langsam, ob diese Träume da waren, um mich auf irgendetwas aufmerksam machen. Vielleicht war es mein Unterbewusstsein, welches wollte, dass ich mich erinnerte. Doch an was sollte ich mich erinnern, an meine früheren Leben? Daran, wie ich mich selbst umbrachte?
Ich strich mir über mein Gesicht und hörte dann wie die Tür ins Schloss fiel. Mandice war ohne mich gegangen. Vielleicht dachte sie auch, dass ich Zuhause bleiben würde. Fragen, hätte sie trotzdem können. Immer noch von den Ereignissen letzter Nacht beeinflusst, lief ich ebenfalls aus der Wohnung und Richtung Uni. Ich nahm den längeren Weg, obwohl es in meinem Unterbewusstsein geschah, fühlte es sich an, als wäre es die richtige Entscheidung gewesen. Ich würde zwar etwas verspätet in die Lesung kommen, aber es fühlte sich einfach richtig an diesen Weg zu gehen.
Ich nahm den langen Weg Richtung Uni, der durch den Wald und dann anschliessend durch den Park führen würde. Im Wald konnte ich endlich wieder atmen. Meine Lungen öffneten sich und die frische, kühle Luft durchströmte meinen ganzen Körper. Ich spürte sogar ein kleines Kribbeln in meinen Zehen. Es erfüllte mich mit plötzlicher Ruhe hier allein im Wald zu sein. Alles was zu hören waren, war das Zwitschern der Vögel. Manchmal fragte ich mich, was die so viel zu bereden hatten und wünschte mir ich könnte im nächsten Leben ein Vogel sein. Ja, ich glaubte an das Leben nach dem Tod. Ich hatte es mir aber ganz anders vorgestellt, wenn meine Träume wirklich eine Vorschau von meinen früheren Leben sein sollten. Ich hätte nicht gedacht, solch eine Ähnlichkeit in den Personen wiederzufinden, die anscheinend in vielen meiner früheren Leben ebenfalls vorkommen. Dabei musste ich an den Captain denken, der dem Sklaven, dessen Namen ich nicht mehr weiss, aus dem vorletzten Traum so ähnelte. Der Captain war lieb zu mir, obwohl er mich praktisch entführt hatte. Ich hatte dieses komische Gefühl, dass ich ihm vertrauen konnte, doch die Frau in meinem Traum, die ich nicht war, aber trotzdem, die ich gewesen ist, war nicht der selben Meinung. Sie vertraute ihm nicht. Sie tat alles, um von ihm Weg zu kommen, was dann mit ihrem Selbstmord endete. Ich würde deshalb auch schweren Herzens zugeben müssen, dass Elisabeth schwer labil war.
Nach einiger Zeit war ich dann auch im Park angekommen. Die grossen Baumkronen waren saftig grün und langsam kamen auch die ersten Sonnenstrahlen durch die Nebeldecke durch. Die Luft schien aufgrund des Taus und der Sonnenstrahlen zu glitzern, was dem Park an diesem Tag etwas durchaus Magisches verlieh. Ich schloss kurz die Augen und liess alles auf mich wirken. Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Blätter, die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut.
Schwere Schritte lösten mich aus meiner kurzen Meditation und ich öffnete langsam die Augen. Ich war nicht mehr allein. Als ich die Augen öffnete, trafen meine Augen, auf ein anderes Augenpaar. Es waren dunkle Augen, sie waren so schwarz, wie das Gefieder eines Raben…
Der Mann aus dem Museum stand am anderen Ende der Brücke, die über den kleinen Bach des Parkes war. Als er realisierte, dass ich ihn erkannt hatte, sah ich einen Hauch von Panik in seinen Augen aufkommen und ich lief deshalb schnell über die Brücke.
"Nein, du fällst noch runter!" rief er, als ich hastig über die mit Blättern übersäte und Wasser befeuchtete Brücke lief. Seine Augen waren starr auf mich fixiert, als ich meinen Weg zu ihm machte und seine Schultern entspannten sich, als ich heil vor ihm stand.
"Warum bist du gerannt?"
"Weil du mir sonst wieder wegläufst", war meine viel zu direkte und überlegte Antwort. Ich verfluchte mich innerlich, als ich die Worte hörte, die ich gerade ausgesprochen hatte und versuchte meine Fassung nicht zu verlieren.
"Ich bin doch nicht weggelaufen. Du bist weggelaufen", erwiderte er und lächelte schwach.
Ich sah dabei auf seine Hände hinunter und erkannte, dass er wie der Captain lederne Handschuhe trug. Als ich meinen Blick nicht erhob, steckte er seine Hände in seine Hosentasche und ich sah wieder hinauf.
"Du trägst Handschuhe im Sommer?", fragte ich belustigt und legte meinen Kopf schief, um mir mit der Hand die Sonnenstrahlen von den Augen weg zu halten. Er erkannte meinen scheiternden Versuch nicht geblendet zu werden und bewegte sich deshalb so, dass er die Sonnenstrahlen abschirmen würde. Die Sonnenstrahlen lagen zwar um dies Zeit noch ziemlich flach, aber genug hoch, um mich zu blenden. Ihn schien das aber nicht zu stören, denn die Sonnenstrahlen trafen seinen Nacken und ich konnte davon nur profitieren mit meinen 1.70m. Er war einiges grösser als ich und seine Haare hatten diese wunderschönen Wellen. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an meinen Traum von letzter Nacht und das Gefühl vom Ertrinken kam wieder unaufhaltsam in meiner Brust hoch. Ich hielt mir abrupt am Hals und musste heftig husten. Er war dabei sofort erschrocken und hatte mich fest mit seinen Händen gefasst.
"Hey, Elisa!", rief er besorgt und seine Augen wanderten über mein ganzes Gesicht mit dieser schrecklichen Sorge, die er in den Augen hielt, die mein Herz verkrampfte.
"Elisa!" Ich war so damit beschäftigt nach Luft zu schnauben, dass ich es fast ignoriert hätte, dass er mich bei meinem Namen genannt hatte. Er klopfte mir leicht auf den Rücken, um sich zu versichern, dass ich mich nicht verschluckt hatte und ich holte tief Luft.
"Danke", murmelte ich.
"Was ist gerade geschehen?", fragte er mich, ohne seinen Griff an meinen Schultern zu lösen und ich schluckte schwer.
"Ich weiss es nicht… Es ist nur seit heute Morgen…", fing ich an.
"Was war heute Morgen?", unterbrach er mich und ich schüttelte den Kopf.
"Ich hatte einen Traum. Ich weiss nicht einmal, ob ich dir das erzählen soll. Ich kenn dich doch gar nicht! Und woher weisst du eigentlich meinen Namen? Du warst es auch der mir im Museum hinterhergerufen hat, nicht wahr?"
"Ich habe gehört, wie dich deine Kommilitonen so nannten", war seine knappe Antwort und ich glaubte ihm nicht wirklich, beliess es aber dabei.
"Wie lautet eigentlich dein Name?", fragte ich und versuchte meine Lunge immer noch vor dem nicht vorhandenen Wasser zu befreien. Er hatte seinen Griff daraufhin etwas verstärkt und ich hatte meine Hand stützend auf seine Schulter gelegt.
"Alex, Alexander eigentlich", sagte er und zwang sich ein Lächeln auf, obwohl ich genau wusste, dass das Lächeln nur dazu galt, um abzulenken.
Ich seufzte tief, als er mir dann mit den Augen zu verstehen gab, dass ich von meinem Traum erzählen sollte. Wir setzten uns auf eine Bank, die im Park war und ich erzählte ihm die Ereignisse letzter Nacht.
"…und das Letzte war, dass ich ins Wasser sprang, ohne wirklich schwimmen zu können, weswegen ich dann ertrunken bin. Als ich dann heute morgen aufwachte, konnte ich das Gefühl nicht loswerden zu ertrinken. Im Wald war es kurz verschwunden, aber vorhin ist es einfach wieder aufgetaucht." Ich beendete meine kleine Erzählung und fuhr mir mit meiner rechten Hand über die Haare.
"Verrückt, nicht wahr?", fragte ich und sah ihn kurz an, als er keinen Mucks von sich gab. Er musste mich für verrückt halten. Das war die einzige Erklärung für sein Verhalten. Es schien sogar, als hätte er mir nicht wirklich zugehört. Seine Augen waren stur nach vorne gerichtete und er schien total in Gedanken versunken zu sein. Eine Antwort schien ich auch nicht zu bekommen. Dieser Mann war mir ein Rätsel und ich konnte mir immer noch nicht erklären, warum ich mit ihm auf dieser Bank im Park sass, statt in der Uni zu sein und meine verdammte Lesung besuche.
Es irritierte mich, dass ich von ihm keine Antwort bekam oder er überhaupt nicht danach schien, interessiert zu sein.
Er stand plötzlich neben mir auf und drehte sich einmal im Kreis. Ich zog meine Augenbrauen zusammen.
"Was zum Teufel machst du da? Hast du mir eigentlich zugehört?", sagte ich irritiert und konnte ihm nicht folgen.
"Das ist nicht gut. Wirklich nicht gut. Ich bin solch' ein Idiot!" Er raufte sich an den Haaren und liess dann den Kopf hängen.
"Ich hätte wissen müssen, dass sowas passiert. Warum mache ich immer alles falsch?" Nun war es so, als würde ich gar nicht mehr existieren. Er wollte sich umdrehen und gehen, als ich ebenfalls aufstand und nach ihm rief.
"Alexander!", rief ich und platzte ihm damit die Blase auf, in der er sich befand.
"Elisa, es tut mir leid. Es ist alles nur meine Schuld. Du bist noch nicht bereit und ich wusste das. Aber ich konnte nicht anders." Er stammelte verwirrende Worte und ich fühlte mich, als würde ich mich in einem falschen Film befinden.
"Warte, warte!" Ich hielt ihn an den Schultern und veranlasste ihn dazu stehen zu bleiben. Er hielt sich immer noch an den Haaren und liess dann langsam die Arme hinunter, als ich ihn ansah.
"Alexander. Was hast du getan? Was ist deine Schuld? Und was hat das mit mir zu tun?" Ich sah ihn eindringlich an und wartete darauf endlich Antworten zu bekommen. Ich war immer noch frustriert, dass ich im Traum von letzter Nacht keine Antworten vom Captain bekam, aber von Alexander würde ich antworten bekommen. Koste es, was es wolle.
"Elisa", seufzte er.
"Du stellst dir das viel zu einfach vor. Ich kann dir nicht einfach erzählen, was ich gemacht habe oder besser gesagt, was wir gemacht haben. Das funktioniert so nicht. Ich werde wieder versagen, wie auch die letzten Male." Ich liess ihn langsam los.
"Was meinst du, mit 'die letzten Male'? Wir haben uns noch nie vorhergesehen! Verdammt ich kenne dich doch nicht einmal und du redest von einer gemeinsamen Vergangenheit, die es nie gegeben hat, oder was?" Ich entfernte mich von ihm und er stand regungslos da.
"Ich sagte ja, du bist nicht bereit." Seine Stimme klang verletzt und wurde gegen Ende leiser. Er war enttäuscht. Wie konnte er es wagen enttäuscht zu sein? Ich kenne ich nicht! Er hat keine Ahnung, wer ich bin! Wie kann er es wagen!
"Ich möchte es auch nicht sein", sagte ich und liess ihn im Park stehen.
Ich machte mir gar nicht mehr die Mühe zur Uni zu gelangen und nahm stattdessen den Weg zurück nach Hause. Ich war verwirrt, mehr als verwirrt. Ich musste mit Mandice darüber sprechen. Vielleicht konnte sie mir die Versicherung geben, die ich so sehr brauchte. Die Versicherung, dass ich nicht verrückt war, dass meine Träume nur Träume waren und dass Alexander, wenn das auch wirklich sein Name ist, ein Perverser ist, der sich einen Spass mit mir erlaubt hatte.
Als ich Zuhause ankam, suchte ich die Wohnung nach Mandice ab. Sie hätte schon lange da sein müssen und auf meine Rufe antwortete keiner.
"Mandy… Mandice, bist du schon da? Hallo?" Ich lief in ihr Zimmer und fand sie in ihrem Bett. Für einen Moment war ich erschrocken zu ihr ans Bett gelaufen und hatte kontrolliert, ob sie noch atmete. Ich pustete erleichtert aus, als ich sah, wie sich ihre Brust auf und ab bewegte.
Ich strich ihr behutsam über den Kopf und sagte ihren Namen.
"Mandy, geht es dir nicht gut?" Ich hatte mich auf den Boden neben ihrem Bett gesetzt und sah, wie sie langsam ihre Augen öffnete.
"Elisa, wo warst du? Ich dachte du bist zuhause geblieben, aber als ich ankam, warst du weg." Sie setzte sich auf und gähnte. Ich lächelte sie an.
"Ja, tschuldige. Ich war etwas frische Luft schnappen. Wie kommt es, dass du um diese Zeit ein Nickerchen machst?", fragte ich belustigt und wartete noch etwas, bevor ich ihr über Alexander erzählte.
"Ich war plötzlich so müde und ich hatte auch diesen komischen Traum", sagte sie und rieb sich die Augen.
"Ich war eine römische adlige und es war so toll. Ich besass so viele schöne Dinge und die Thermalbäder waren traumhaft schön. Es war solch ein schöner Traum Elisa! Ich wünschte, du hättest so schöne Träume", sagte sie und umarmte mich.
Ich sog den Duft ihrer Haare auf, die leicht nach Lavendel rochen und seufzte. Ich konnte es ihr nicht erzählen. Es war zu verrückt, um es erzählen zu können. Sie würde mich für krank halten.
"Gut, dann bestell' ich uns eine Pizza und wir schauen uns noch einen Film an, okay? Ich mag irgendwie nicht zu kochen und das wäre doch der perfekte Zeitpunkt, um etwas zu entspannen, nicht wahr?" Ich stand vom Boden auf und sah, wie sie nickte.
Später hatte ich dann beim Pizzakurier angerufen und mich in meine Pjs gekleidet, um es bequemer zu haben. Wir hatten uns dafür entschieden mal wieder einen Kindheitsfilm zu schauen und haben uns für den Film Der Prinz von Ägypten entschieden, den wir lange nicht mehr gesehen hatten. Ich war froh wieder mal einen animierten Film zuschauen. Ich bemerkte nämlich, dass je älter ich wurde, desto mehr liebte ich es animierte Filme aus meiner Kindheit zu schauen. Ich hatte gelernt die technischen und künstlerischen Komponenten zu schätzen, die hinter so einer Animation steckten. Deswegen liebte ich es auch von Zeit zu Zeit solche Filme zu schauen. Ich fühlte mich auch immer so, als wäre ich noch Zuhause bei meinen Eltern und als wäre ich noch ein Kind, dass keine Sorgen hat und einfach das Leben so nimmt, wie es kommt, ohne ständig voller Angst zu sein, dass etwas schreckliches passiert und ich meine Träume nicht mehr verfolgen kann. Das wäre nämlich das Schlimmste für mich. Manchmal packte mich nämlich diese Angst, dass das Studium alles umsonst war und ich niemals meine Träume erreichen würde. Ich wollte nämlich immer schon Kunsthändlerin werden. Es war mir das heiligste und es gab nichts, was besser zu mir passen würde. Ich konnte gut mit Menschen umgehen, auch wenn es nicht so aussah. Ich hatte ein Gespür dafür, was Menschen brauchten und wollten. Zudem war ich auch ziemlich gut im Überzeugen, was auch zu erwähnen ist.
"Ich habe vergessen, wie traurig der Film ist", hörte ich Mandy plötzlich neben mir sagen, als wir auf der Couch sassen. Es war eine grosse, lederne, Vanille-farbige Couch, die wir gemeinsam auf dem Flohmarkt kauften. Wir hatten an jenem Tag so viel Spass gehabt und es war das erste Möbelstück, dass wir für unsere gemeinsame Wohnung gekauft hatten.
Ich kicherte, als ich sah, wie sie ihre Tränen abwischte und bemerkte selbst, wie sehr emotional ich geworden war. Mir lief auch eine Träne hinunter, als die Mutter sich von ihrem Kind trennte und wissen, was als nächstes passieren würde, nahm ich mir nochmal ein Stück Pizza und a*s es gespannt. Die Pizza war genau das, was ich brauchte. Schön fettig, käsig und einfach nur so was von lecker!
Nach einiger Zeit wurden meine Augen müder und ich machte es mir neben Mandice bequem. Wir hatten uns einige Decken geholt und einige Kissen, um den Filmabend schön gemütlich zu gestalten und später hatten wir auch einiges Süsses aus unseren Vorräten genommen. Zucker hatte immer dieselbe Wirkung auf mich. Es gab mir für kurze Zeit einen Energieschob und dann wurde ich müder, als ich es davor war. Deswegen kam es auch dazu, dass ich kurz vor Ende des Films meine Augen zu machte, um sie etwas zu entspannen. Nichtsahnend, dass ich Einschlafen würde, und somit das Ende verpassen würde, liess ich mich in die Couch sinken und in die Kissen, die wir besorgt hatten. Es ging nicht lange bis ich einschlief. Ich hatte nur noch wage die Musik zum Abspann gehört, als ich dann auch nicht mehr bei Bewusstsein war.
Träume ist schön und gut, aber was passiert, wenn man träumt und plötzlich alles doch realer ist, als man vorhin gedacht hat? Was ist, wenn das, was du vorhin für einen Traum gehalten hast, plötzlich Realität ist und du dich an einem Ort wiederfindest, von dem du glaubtest, dass du dort nie mehr wegkommst? Elisabeth mag ja labil gewesen sein, aber wahrscheinlich hatte sie sich genauso gefühlt. Verloren, eingeschnürt, hilflos. Wahrscheinlich waren dies die Gefühle, die sie dazu gebracht haben, sich umzubringen. Aber das hier, das war trotzdem anders. Ich war keine Gefangene. Dieses Mal nicht. Dieses Mal war ich in vollster Kontrolle. Ich wusste ganz genau, wo ich war, wieso ich hier war und wer ich war. Ich war die Tochter eines Pharaos. Ich war die Tochter von Ramses dem VI.