Als das Treffen beendet wird bleibt Buschekov im Restaurant um mit dem Besitzer zu reden und ich verlasse das Gebäude mit Esguerra und Kent.
Sobald wir vor die Tür treten, überkommt mich die beißende Kälte. Der Mantel den ich trage ist sehr schick, aber er hat dem russischen Winter nichts entgegenzusetzen. Die Kälte dringt durch die dünne Wolle sofort bis in meine Knochen ein. Innerhalb von Sekunden verwandeln sich meine Füße in Eisklumpen da die dünnen Sohlen meiner Absatzschuhe nur wenig Schutz vor dem gefrorenen Boden bieten.
»Würde es Ihnen etwas ausmachen, mich zur nächsten U-Bahn Haltestelle zu bringen?«, frage ich, als sich Esguerra und Kent ihrem Auto nähern. Ich weiß, dass man mein Zittern sieht und ich hoffe darauf, dass selbst rücksichtslose Kriminelle eine hübsche Frau nicht grundlos frieren lassen würden. »Sie befindet sich etwa zehn Straßen von hier entfernt.«
Esguerra betrachtet mich einen Moment lang bevor er Lucas ein Zeichen gibt. »Durchsuche sie«, befiehlt er knapp.
Mein Herz beginnt zu rasen, als der blonde Mann auf mich zukommt. Sein hartes Gesicht zeigt keinerlei Gefühlsregung und sein Ausdruck ändert sich auch nicht, als seine großen Hände von Kopf bis Fuß über meinen Körper wandern. Es ist ein klassisches Abtasten ohne dass er versucht, mich zu betatschen, aber als er fertig ist, zittere ich aus einem anderen Grund: meine innere Kälte hat sich durch eine plötzliche, unwillkommene Erregung verschlimmert.
Nein, ich zwinge mich dazu, gleichmäßig zu atmen. Das ist keine Reaktion meines Körpers, die ich gebrauchen könnte. Er ist nicht der Mann, auf den ich reagieren sollte.
»Sie ist sauber«, meint Kent während er von mir zurücktritt und ich immer noch damit beschäftigt bin, meine Atmung zu verlangsamen.
»Also, in Ordnung« Esguerra öffnet mir die Tür des Autos. »Steig ein.«
Ich steige ein, nehme neben ihm auf der Rückbank Platz und bin dankbar, dass Kent sich nach vorne neben den Fahrer gesetzt hat. Endlich befinde ich mich in einer guten Angriffsposition.
»Dankeschön«, sage ich und schenke Esguerra mein wärmstes Lächeln. »Ich weiß das wirklich zu schätzen. Das ist einer der schlimmsten Winter der letzten Jahre.«
Zu meiner Enttäuschung spiegelt sich nicht einmal der Hauch eines Interesses auf dem hübschen Gesicht des Drogendealers wider. »Kein Problem«, sagt er und zieht sein Telefon hervor. Ein Lächeln erscheint auf seinen sinnlichen Lippen während er eine Nachricht liest und dann beginnt er eine Antwort zu tippen.
Ich betrachte ihn und frage mich, was ihn in so eine gute Laune versetzt haben könnte. Ein gutes Geschäft? Ein Angebot von einem Lieferanten, das besser ausgefallen ist als erwartet? Um was auch immer es sich handelt, es lenkt ihn von mir ab, und das ist nicht gut.
»Bleiben Sie länger?«, frage ich mit sanfter und verführerischer Stimme. Als er zu mir schaut, lächele ich erneut und schlage meine Beine übereinander – deren Länge durch meine seidigen schwarzen Strumpfhosen betont wird. »Ich könnte Ihnen die Stadt zeigen, wenn Sie möchten.« Als ich das sage, schaue ich ihm in die Augen und mein Blick ist so einladend wie möglich. Männer erkennen keinen Unterschied zwischen diesem Verhalten und echtem Verlangen; so lange die Frau aussieht als würde sie sie wollen, glauben sie auch daran.
Und um ehrlich zu sein, würden die meisten Frauen diesen Mann begehren. Er ist mehr als hübsch – wirklich umwerfend. Frauen würden trotz dieser dunklen, grausamen Note, die ich in ihm spüre, töten, um in sein ins Bett steigen zu können. Die Tatsache, dass er diese Wirkung auf mich nicht hat, ist mein Problem – eines an dem ich arbeiten muss, wenn ich meine Mission zu Ende bringen möchte.
Ich weiß nicht, ob Esguerra es bemerkt oder ich einfach nicht sein Typ bin, aber anstatt mein Angebot anzunehmen, lächelt er mich nur kühl an. »Danke für die Einladung, aber wir verlassen die Stadt früh und ich befürchte ich bin zu kaputt, um mich heute auf das Nachtleben einlassen zu können.«
Scheiße. Ich verstecke meine Enttäuschung und erwidere sein Lächeln. »Natürlich. Falls Sie ihre Meinung ändern, wissen Sie ja, wo sie mich finden können.« Ich kann nichts weiter sagen, ohne verdächtig zu wirken.
Das Auto hält vor der U-Bahn-Station und während ich aussteige, überlege ich, wie ich mein Versagen auf diesem Gebiet erklären werde.
Er wollte mich nicht? Ja, das wäre bestimmt eine gute Entschuldigung.
Ich seufze, wickele meinen Mantel fester um meine Brust und beeile mich in die U-Bahn-Station zu gelangen, da ich wenigstens schnell der Kälte entkommen möchte.