Kapitel 10

1082 Worte
MIA Sasha und ich fuhren schweigend durch das Gebiet des Rudels. Es dauerte nicht lange, bis wir ankamen. „Das Rudel ist riesig“, sagte Sasha und warf mir einen Blick zu. „Wir sind eines der größten Rudel der Welt.“ Ich sagte nichts, als Sasha um eine Ecke bog und ein großes Gebäude in Sicht kam. „Das ist das Rudelhaus“, sagte Sasha. Meine Augen weiteten sich, als ich das Rudelhaus sah. Es war riesig, eher ein Schloss als ein Haus. Als wir näher kamen, bemerkte ich, dass Leute draußen standen. Zwei von ihnen sahen aus wie ein Alpha und eine Luna. Ich spürte die Blicke auf mir, als Sasha das Auto anhielt und am Fuß der Treppe parkte. Sasha sah mich an und schenkte mir ein Lächeln, während sie die Autotür öffnete. Ich beobachtete, wie sie ausstieg. Meine Augen blieben kurz an ihr haften, doch dann schaute ich zu den Leuten auf den Stufen. „Du musst dich bewegen“, sagte Lyla. „Sie sehen freundlich aus.“ Mein Herz schlug schneller. Ich sagte nichts. Ich öffnete die Tür und stieg aus. Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, wanderte mein Blick wieder zu den Stufen. Ich sah zu, wie der Mann und die Frau die Treppe hinunterkamen. Ich trat vom Auto zurück und ging zu Sasha. Der Alpha kam näher und blieb nur einen Schritt von uns entfernt stehen, während er lächelte. „Sasha, ich bin so froh, dass du zurück bist“, sagte er und wandte sich dann an mich. „Willkommen im Dunkler-Wald-Rudel“, sagte er. „Du musst Mia sein. Sasha hat mir viel von dir erzählt.“ „Ich bin Alpha Sam und das hier ist meine Gefährtin, Luna Sadie“, stellte er uns vor und lächelte mich an. Ich nickte und sah beide an. Ich schenkte ihnen ein kleines Lächeln. „Danke, dass ich Teil eures Rudels sein darf“, sagte ich. Alpha Sam lächelte. Luna Sadie trat näher und nahm meine Hand in ihre. Sie musterte mich. „Ich kann die Ähnlichkeit sehen.“ Verwirrt sah ich sie an. Was meinte sie damit? Mein Blick wanderte zwischen den dreien hin und her. „Was meinst du damit?“, fragte ich sie, doch sie sagte nichts. Luna Sadie schaute mit einem Lächeln auf dem Gesicht über meine Schulter. „Warum schaust du dich nicht ein wenig um, Liebes“, sagte sie sanft. Ich starrte sie an und dann Alpha Sam, der ebenfalls lächelte und in die Richtung hinter mir nickte. Lyla bewegte sich in meinem Kopf und beobachtete durch meine Augen Alpha Sam und Luna Sadie, sagte aber nichts. Ich spannte mich an, als ich jemanden hinter mir spürte. „Mia“, flüsterte eine Stimme hinter mir. Ich erstarrte. Das konnte nicht sein. „Mia, bist du das?“ fragte sie. Ich schloss meine Augen; ich kannte diese Stimme. Der bloße Gedanke an sie... Ich wollte wissen, wohin sie gegangen war. Man hatte mir die Schuld an ihrem Verschwinden gegeben. Ich hatte davon geträumt, sie wiederzusehen und sie wieder bei mir zu haben. Langsam drehte ich mich um und ließ Luna Sadies Hand los. Mein Blick fiel auf sie, und mein Atem stockte. Da stand sie, die Frau, die mich mit diesem Monster allein gelassen und mich zurückgelassen hatte. Ich nahm sie in mich auf. Sie sah immer noch wunderschön aus – all die Jahre hatten ihr nichts anhaben können. Das Einzige, was anders war, war die große, dicke Narbe, die über ihr Gesicht verlief. Lyla starrte sie an. „Mia“, flüsterte sie, während ihre Augen glänzten. Ich starrte sie an und versuchte, meine Emotionen unter Kontrolle zu halten, doch es wurde mir alles zu viel. Die Erinnerungen an früher, als sie noch da war, und daran, wie sie gewesen war. Aber der Tag, an dem sie ging, war der härteste. Alles veränderte sich für mich; das war der Tag, an dem er begann, mich zu schlagen. Er gab mir die Schuld an ihrem Verschwinden und erzählte jedem, dass ich der Grund dafür war, dass sie ging. Alle Rudelmitglieder hassten mich deswegen. Jeder glaubte ihm; sie glaubten demjenigen, der mein Vater sein sollte, demjenigen, der sich um mich kümmern und mich vor Gefahren schützen sollte. Doch er war derjenige, vor dem ich Schutz gebraucht hätte. Meine Mutter machte einen Schritt auf mich zu, doch ich wich zurück und wäre beinahe gegen Luna Sadie gestoßen. Ich sah zu ihr und bemerkte, wie Alpha Sam sie zurückhielt, während er nun zwischen meiner Mutter und mir hin und her schaute. Alle starrten mich an, als ich zu meiner Mutter zurücksah. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Das war alles zu viel für mich. Ich sah zu Sasha, die mir bedeutete, zu meiner Mutter zu gehen, aber ich musste hier weg. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Ich drehte mich um und begann zu gehen, doch dann beschleunigte ich mein Tempo und rannte nach links in Richtung des Waldes. Alles, was ich hörte, waren ihre Stimmen, die meinen Namen riefen. „MIA!“ „MIA, WARTE!“ Ich schaute nicht zurück. Ich rannte einfach weiter. Lyla drängte sich an die Oberfläche, als ich auf einen Baumstamm kletterte. Kurz bevor ich absprang, verwandelte sich Lyla in ihre Wolfsgestalt und begann schnell über den Boden zu rennen, während sie mich in den Hintergrund drängte. Durch ihre Augen sah ich, wie sie zwischen den Bäumen hin und her rannte. „Lass mich übernehmen, Mia“, sagte sie. „Atme durch. Ich weiß, dass das alles zu viel für dich ist. Ich kann es fühlen. Lass mich dir helfen.“ Ich sagte nichts, während eine einzelne Träne meine Wange hinunterlief. Lyla schwieg danach und rannte einfach weiter. Mein Kopf drehte sich, während ich über alles nachdachte – meine Mutter. Sie war am Leben. So viele Fragen schwirrten in meinem Kopf herum. Mein Körper fühlte sich taub an, doch gleichzeitig war da eine Mischung aus Angst und Wut. Diese Gefühle überwogen. Wie konnte man all diese Emotionen auf einmal empfinden? Meine Mutter lebte noch und hatte die ganze Zeit im Dunkler-Wald-Rudel gelebt. Kein einziges Wort darüber, dass sie lebte. Ich hatte nichts von ihr gehört, nicht einmal eine verdammte Karte. Wut brodelte in mir, während ich alles immer wieder durchging. Meine Mutter hatte mich bei diesem Monster zurückgelassen. Was sollte ich jetzt tun? Ich konnte das alles einfach nicht begreifen, besonders nicht, dass sie lebte und wohlauf war.
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