KAPITEL 4

1593 Worte
***VERA*** Das Metall schloss sich hart um meine Handgelenke, kalt und gnadenlos. Jedes Klirren der Kette fühlte sich wie ein Hohn an. „Warum werde ich festgehalten?“, fragte ich, während ich stolperte, als zwei Wachen mich zum Rudelhaus zerrten. Meine Stimme überschlug sich, aber nicht vor Angst – zumindest redete ich mir das ein. Sie antworteten nicht. Einer zog die Handschelle fester, und ich biss mir auf die Lippe, als sich das Eisen in meine Haut bohrte. Mein Wolf wimmerte in mir, zu schwach, um zu helfen. „Ach, jetzt bin ich also eine Verbrecherin? Ihr wollt mich fesseln, weil ich es gewagt habe, für mich einzustehen?“ Ich wand mich in ihrem Griff und funkelte die Soldaten wütend an. „Weil ich mich gegen eine Gruppe verwöhnter Mädchen gewehrt habe, die mich in die Enge getrieben haben? Bin ich jetzt die Verrückte?“ Die größere Wache warf mich wie einen Sack Getreide über die Schulter. Die Welt schwankte, und ich starrte kopfüber auf den unbefestigten Pfad, während wir uns bewegten. „Lass mich los!“, rief ich und wand mich an seinem Rücken, doch er war unbeweglich wie ein Fels. Bei jedem Schritt krampfte sich mein Magen zusammen. „Der Alpha hat befohlen, dich festzuhalten“, sagte er schließlich mit emotionsloser Stimme. „Er hat dich seine Züchterin genannt.“ Das Wort knallte wie eine Peitsche. Züchterin. Ich erstarrte. „Mit anderen Worten“, spuckte ich hervor, „seine Sexsklavin. Ist dein Alpha so verzweifelt? Hat er nicht gerade erst eine Luna – meine Schwester, wohlgemerkt – für sich beansprucht, und er glaubt, ich würde dem zustimmen …“ Ich brach mit einem bitteren Lachen ab. „Nicht in meinem Leben.“ „Du hast keine Wahl, Miss.“ Der andere Wächter sah mich nicht einmal an. Sein Tonfall klang fast entschuldigend. Der Pfad schwankte unter mir, und alles, was ich sah, war Rot. Wenn ich je einen Dolch in die Hände bekäme und die Göttin mir eine Chance gewährte, würde ich ihn ohne zu zögern in Blakes Brust stoßen. Sie trugen mich durch die hoch aufragenden Tore des Packhauses. Der Duft von Kiefernholz und Stein hätte mir Trost spenden sollen – es war einst mein Zuhause gewesen. Jetzt stank es nach Macht und Grausamkeit. Drinnen roch die Luft nach Lavendelöl und poliertem Holz. Blakes Mägde umringten mich, ihre Hände weich, aber mechanisch, als sie den Schmutz des Kampfes abwischten. Sie schrubbten meine Haut, kleideten mich in fremde Seide und schminkten mich wie eine Puppe. Meine Handgelenke blieben die ganze Zeit gefesselt; Eisen durchschnitt die Illusion von Glamour. Es war obszön – mich wie eine Trophäe zu kleiden, während die Ketten bei jeder Bewegung klirrten. Tricia. Allein der Gedanke an sie schmerzte in meiner Brust. Wenn sie wüsste, dass Blake mich eingesperrt und so angezogen hatte, würde sie mich verteidigen – oder würde sie lächeln und wegschauen, weil sie jetzt Luna war? Die Dienstmädchen versuchten, meine Haare zu locken, und ich riss den Kopf zur Seite. „Hört auf. Genug.“ Meine Stimme überschlug sich, diesmal lauter. „Ich will mit dem Alpha sprechen.“ Eine von ihnen erstarrte, die Bürste in der Hand. Die anderen blickten sich an wie aufgescheuchte Rehe. „Fasst mich nicht noch einmal an!“, knurrte ich, die Geduld am Ende. Die Obermagd räusperte sich leise. „Es tut mir leid, gnädige Frau, aber der Alpha befindet sich gerade in einer Besprechung mit dem Alpha von Furcroft. Er wird sich anschließend um Sie kümmern.“ Sich kümmern. Als wäre ich ein Gast. Als wäre ich nicht in Ketten hierhergeschleppt worden. „Sich um mich kümmern“, spottete ich. „Sie meinen wohl, versuchen, mich ins Bett zu kriegen. Machen Sie mich los! Sie halten mich gegen meinen Willen fest – kennt denn hier niemand seine Rechte?“ Die Augen der Obermagd blitzten kurz auf, mit so etwas wie Mitgefühl. „Unter anderen Umständen vielleicht. Aber wenn der Alpha befiehlt …“ Ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen. „Gehorcht jeder.“ Meine Handgelenke pochten, geschwollen unter dem Eisen. Ich hob sie ihr entgegen, meine Stimme nun leiser, fast verzweifelt. „Sie schneiden mir in die Haut. Wollen Sie mich tot sehen, bevor ich ihn überhaupt treffe?“ Das Dienstmädchen zögerte, seufzte dann und nickte einem Wächter zu. Widerwillig öffnete er die Handschellen, meine Knöchel blieben jedoch gefesselt. Erleichterung durchströmte mich, meine Finger kribbelten. „Es ist nicht klug, eine Sklavin freizulassen“, murmelte der Wächter. „Sie wird versuchen zu fliehen.“ Sklavin. Das Wort ließ mir Galle hochsteigen. Bevor ich antworten konnte, herrschte Stille im Raum. „Besondere Wünsche“, flüsterte ein Dienstmädchen und senkte den Kopf. „Der Alpha ist hier.“ Der Raum erstarrte. Gesichter wurden zu Masken. Dann trat er ein. Alpha Blake. Seine Präsenz erfüllte den Raum wie Rauch, schwer und erdrückend. Seine Augen fanden mich sofort, und ein langsames Lächeln umspielte seine Lippen. „Ah, Vera“, schnurrte er und trat näher. „Liebe Vera. So unschuldig.“ Seine Hand glitt über mein Schlüsselbein, wanderte tiefer, und ich zuckte zusammen. Wut kochte in mir hoch, unbändig. Ich spuckte ihm ins Gesicht. Ein Raunen ging durch den Raum. Ein Wächter stürmte vor, die Hand zum Schlag erhoben, doch Blake hob einen Finger. „Genug.“ Mit ärgerlicher Ruhe wischte er sich über die Wange und streckte dann die Hand aus. Ein Dienstmädchen drückte ihm hastig ein Tuch in die Handfläche. Langsam reinigte er sich, presste mir dann den feuchten Lappen auf die Lippen und zwang ihn hinein. „Dein erster Dienst“, murmelte er. „Gewöhn dich dran.“ Sie lösten meine Ketten und stießen mich auf die Füße. Meine Knie zitterten, doch ich zwang mich aufzustehen. Sie drückten mir einen Krug in die Hände und führten mich hinter sich in die große Halle. Sobald ich eintrat, schnürte mir der Rauch die Kehle zu. d**k, stechend, klebte er an Haaren und Kleidung. Die Halle war prunkvoll – polierte Tische, geschnitzte Balken, silberne Kelche –, doch sie fühlte sich an wie ein goldener Käfig. Zwei Gruppen saßen sich gegenüber. Blakes Männer lümmelten herum, als gehöre ihnen der Raum. Ihnen gegenüber saßen der Alpha von Furcroft und sein Gefolge kerzengerade, schweigend und musternd. Ich hielt den Kopf gesenkt und ging von Tisch zu Tisch, um Getränke einzuschenken. Die Ketten an meinen Knöcheln klirrten leise bei jedem Schritt. Doch jemand starrte mich an. Schwer. Durchdringend. Fixierend. Als ich es wagte, aufzusehen, stockte mir der Atem. Augen. Eisblau, glitzernd im Dunst. Vertraut. Dieselben Augen, die mich zuvor von den Bäumen aus beobachtet hatten. Und sie waren auf mich gerichtet. Er lächelte, langsam und bedächtig. Mir wurde ganz flau im Magen. Alpha Conry. Die Luft schien zu knistern, als er sich vorbeugte. „Lasst uns die Diskussion beginnen. Ich möchte das kleine Packland zwischen unseren Grenzen kaufen.“ Meine Hände zitterten, als ich einschenkte. Seine Stimme traf mich wie Donner – gebieterisch, bedrohlich und doch seltsam beruhigend. „Dieses Packland steht nicht zum Verkauf“, sagte Blake ruhig. „Warum nicht?“, fragte Conry, dessen Blick mich nicht verließ. Blake grinste. „Weil es mir anvertraut wurde. Nicht alles ist käuflich.“ „Du hast es zum Tausch angeboten, Blake.“ Conrys Stimme wurde hart. „Hör auf zu lügen und nenn deinen Preis.“ „Das Doppelte des Marktwertes“, höhnte Blake. „Ich zahle den Marktwert.“ „Das Doppelte.“ Die Spannung war greifbar wie eine Bogensehne, die jeden Moment reißen konnte. Mein Puls hämmerte in meiner Kehle. Dann durchschnitten Conrys Worte den Rauch wie eine Klinge. „Ich zahle das Doppelte … wenn sie dabei ist.“ Stille. Alle Blicke richteten sich auf mich. Mein Herz setzte aus. Bitte, Göttin. Nicht ich. Aber Conry zeigte mit dem Finger. Direkt auf mich. „Sie?“, kicherte Blake. „Conry, du hast einen schrecklichen Geschmack. Sie ist kaum einen Pfennig wert. Sie sollte nur eines meiner Spielzeuge sein.“ Sein höhnisches Grinsen lief mir über die Haut. „Ich könnte dir jemand Hübscheres geben.“ Zum ersten Mal wehrte ich mich nicht gegen den Gedanken. Wenn es bedeutete, Blakes Schatten zu verlassen, würde ich mich gern an einen Fremden verkaufen lassen. Conrys Gesichtsausdruck veränderte sich nicht. „Ich will keine Hübschere. Ich will sie.“ Der Raum hielt den Atem an. Blake musterte ihn, dann brach er in Gelächter aus. „Na schön. Warum streiten? Sie gehört dir.“ Eine Schriftrolle wurde hervorgeholt und unterschrieben. Meine Hände zitterten, als mir die Erkenntnis dämmerte. Ich war nicht frei. Aber ich gehörte nicht länger Blake. Conry sah mich nun mit brennenden Augen an. „Wie heißt du, Kleine?“ Ich erstarrte. „Ich?“ Ein Glas zersplitterte an der Wand neben meinem Kopf und die Scherben flogen mir zu Füßen. „Natürlich redet er mit dir“, bellte Blake. Conrys Stimme durchschnitt ihn. „Blake.“ Ruhig, aber angespannt. „Sie gehört jetzt mir. Wenn du sie auch nur anrührst, beleidigst du mich. Und Beleidigungen verzeihe ich nicht.“ Stille breitete sich im Raum aus. Blakes Lippen verengten sich, und er lehnte sich schweigend zurück. Conry wandte mir seinen Blick zu. Seine Stimme wurde sanfter, aber seine Augen fixierten mich weiterhin. „Dein Name, Diva?“ Das Wort umhüllte mich wie Rauch. „Vera“, flüsterte ich und zwang mich zu einer kraftvollen Stimme. „Vera Sturmgeborene.“ Seine Lippen formten sich zu einem Lächeln, das meinen Puls beschleunigte. „Ganz ätherisch“, murmelte er.
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