Kapitel 5

1546 Worte
Kapitel Fünf Viele Dinge passieren gleichzeitig. Mein Hals und meine Ohren fangen Feuer, und mein Gesicht ist röter als die sowjetische Flagge. Auf Autopilot schalte ich mein vibrierendes Höschen aus und lasse alles fallen, was ich in meiner linken Hand halte. Gleichzeitig ziehe ich meine rechte Hand aus der Hose und wische meine Finger an meinem Shirt ab. Weil ich so stilvoll bin. Die Schokolade in den Augen des Russen ist nicht geschmolzen, wie es normalerweise der Fall ist. Sie ist vor Schreck ganz steinhart, während er mich anstarrt. »Wer sind Sie, und was zum Teufel machen Sie hier?« Seine tiefe Stimme mit dem osteuropäischen Akzent ist so sexy, dass ich fast meinen unterbrochenen Höhepunkt erreiche. Aber das tue ich nicht. Denn selbst in meinem Schockzustand wird mir klar, wie schrecklich diese Situation ist. Mein Herz tanzt ein kompliziertes Ballett in meiner Brust, als ich damit herausplatze: »Das ist nicht so, wie es aussieht.« Er verengt seine Augen. »Ihre Hand war also nicht in Ihrer Hose?« Er wirft einen Blick auf den Tanga auf dem Boden. »Und Sie haben nicht an meinem Tanzgürtel geschnüffelt?« Ich wische mir eine Schweißperle von der Stirn – ein Fehler, denn ich rieche mein Geschlecht an meinen Fingern. »Ich meine … ich bin kein verrückter Stalker.« Ist das dunkle Belustigung in seinem Blick? »Sie sind also nicht in meine Umkleidekabine eingebrochen? Oder haben zu meinem Tanzgürtel masturbiert?« Ich fühle mich schwindlig – das sollte es einfacher machen, dass der Boden mich auf der Stelle verschlingt. Nein. Ich bin immer noch hier. Ich schlucke einen riesigen Kloß in meinem Hals hinunter und versuche es erneut. »Ich bin zwar eingebrochen, aber ich hatte einen guten Grund.« Ein Grinsen umspielt seine Lippen. »Den würde ich gerne hören.« Stinktier. Er hat meinen Bluff durchschaut. Was soll ich jetzt tun? Meine Gedanken sind zu verworren, um mir eine gute Lüge auszudenken, oder überhaupt eine Lüge. Wenn ich jetzt nur Gia im Ohr hätte. Sie würde wissen, was sie sagen muss. Magier lügen für ihren Lebensunterhalt, also ist sie hervorragend darin – oder vielleicht wurde sie Magierin, weil … Einen Augenblick. Der Gedanke an Gia hat mich auf eine Idee gebracht, und das gerade noch rechtzeitig. Der Russe scheint kurz davor zu sein, den Sicherheitsdienst zu rufen. »Es war eine Mutprobe«, platzt es aus mir heraus. Sein Grinsen verschwindet. »Eine Mutprobe?« »Ja«, sage ich atemlos. »Meine Schwestern haben mich dazu gezwungen.« Und hey, das könnte wirklich stimmen – zumindest auf unsere jüngeren Ichs. Vor allem Gia war böse, was solche Dinge betraf. Eines Nachts tauchte sie meine Finger in warmes Wasser, um den Mythos des Bettnässens zu testen … der sich als wahr herausstellte. Wenn ich Gia einen Gefallen schuldete, wurde ich oft genauso gedemütigt, wie ich mich jetzt fühle. »Ihre Schwestern?« Er schaut von mir zu seinem Tanga. »Schwesternschaft oder biologisch?« Die besten Lügen sind die, die in der Wahrheit verwurzelt sind, so sehr wie ich möchte, dass er denkt, ich sei jung und hip genug, um in einer Schwesternschaft zu sein, sage ich ihm, dass es Letzteres ist, und füge dann hinzu: »Ich habe eine Abneigung gegen die meisten Gerüche, so dass sie dachten, es wäre lustig, mich mit mir selbst spielen zu lassen, während ich an Ihrem String schnüffele.« Bitte sehr. Jetzt, wo ich es laut ausgesprochen habe, klingt es sogar etwas glaubwürdiger als die tatsächliche Wahrheit. Er runzelt die Stirn. »Es ist ein Tanzgürtel, kein Tanga.« »Klar, ein Tanzgürtel«, sage ich. Es gibt keinen großen Unterschied zwischen den beiden, aber ich bin jetzt nicht in der Lage, das auszudiskutieren. Er neigt seinen Kopf. »Sie behaupten also, dass Sie dazu gezwungen wurden?« Ich nicke. »Weil Sie es eigentlich hassen sollten?« Ich nicke wieder, diesmal weniger zuversichtlich. Das Grinsen ist wieder da, und es ist zu sexy für meinen Verstand. »Sie sahen nicht wie jemand aus, der hasste, was er gerade tat, und haben auch nicht so geklungen.« Geklungen? Er hat es also gehört? Ich stehe auf wackeligen Beinen auf. »Ich gehe jetzt besser.« »Nicht so schnell.« Er kommt auf mich zu. Oh, f**k. Will er mich erwürgen? Oder mich küssen? Als ich mir das zweite Szenario vorstelle, spüre ich einen Hauch des nie erreichten Orgasmus. In einem Atemzug ist er in meinem persönlichen Bereich. Ich kann nicht anders, als an ihm zu riechen – und sein Duft ist genauso lecker wie der seines Tangas, nur ein wenig anders, weil er verdünnt ist. Ich bemerke auch einen Hauch von frischen Birnen und Patchouli, die mir sagen, dass er irgendwann einmal Kölnisch Wasser benutzt haben muss. Das muss aber schon lange her sein, denn der Geruch ist so schwach, dass ich ihn sogar mag. Er streckt seine Hand aus, als wolle er mich berühren. Okay. Ich bin bereit für das, was als Nächstes kommt. Vielleicht freue ich mich sogar darauf – sogar auf das Würgen. Zu meiner großen Enttäuschung greift er an mir vorbei. Ich drehe meinen Kopf und sehe, wie er eine kleine Schublade öffnet, aus der er ein Telefon herauszieht. Oh. Das muss der Grund für seine Rückkehr sein. Sein Telefon. Heißt das, dass er keine Hand an mich legen wird? Einen Moment. Vielleicht gibt es noch eine Chance. Er steckt das Gerät ein, bleibt aber dicht bei mir. Ich blicke auf seine starke, männliche Kehle und befeuchte meine Lippen. Er streckt seine Hand nach mir aus. Ja! Ich meine, wie kann er es wagen? Oh, doch nicht. Wieder fasst er mich nicht an. Was zum Teufel …? Er kramt in meiner Handtasche, und bevor ich etwas richtig Empörtes rufen kann, hält er schon meine Brieftasche in der Hand. Meine Brust zieht sich zusammen. »Hey. Was machen Sie …« Dann verstehe ich, was er vorhat. Er holt meinen Führerschein heraus und fotografiert ihn mit seinem Handy ab. Ich schlucke. Jetzt liegt eindeutig dunkles Amüsement in seinem Lächeln. Er schiebt den Ausweis zurück in meine Brieftasche. »Wenn Sie vorhaben, mich zu töten und meine Überreste auszuschlachten, sollten Sie wissen, dass es ein Bild von Ihnen in meiner Cloud gibt.« Er verengt seine Augen auf das Bild in seinem Handy. »Heißen Sie wirklich Lemon Hyman?« Mein Herz pocht in meinen Ohren. »Machen Sie sich über meinen Namen lustig?« Er lässt mein Portemonnaie zurück in meine Handtasche fallen. »Und wenn ich das täte?« Ich richte meine Wirbelsäule auf. »Dann würde ich Ihnen sagen, dass Sie sich ficken können.« Er schnaubt und schaut auf die Finger, die noch vor einer Minute in mir waren. »Möchten Sie wirklich das Thema Sich selbst ficken ansprechen?« Hitze schießt durch meinen Körper – nicht nur wegen seiner Nähe oder meiner Verlegenheit, sondern auch vor Wut. Der Art, die mich dazu bringen würde, ihn zu hassen, wenn ich könnte. »Kann ich jetzt gehen?«, frage ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Nein«, sagt er gebieterisch. Nein? Verdammt. Steht es immer noch zur Debatte, den Sicherheitsdienst zu rufen? »Warum nicht?« Er hält mir sein Telefon hin. »Geben Sie mir Ihre Nummer.« Ich trete einen Schritt zurück und stoße gegen den Stuhl. »Meine Nummer?« Er wölbt eine Augenbraue. »Haben Sie meine?« »N-nein«, antworte ich stotternd. Um ehrlich zu sein, ja. Blue hat sie mir gegeben. Ich würde sie aber nie benutzen. Ihm zu sagen, dass ich sie habe, würde seine Verrückte-Stalkerin-Theorie bestätigen. Mit einer anmutigen Geste drückt er das Telefon in meine unsicheren Hände. »In diesem Fall brauche ich Ihre. Jetzt.« »Warum?«, schaffe ich zu fragen, während ich zittrig meine Telefonnummer in seine Kontakte eintippe und meine Gedanken durcheinanderwirbeln. Ist das Erpressung? Wird er mich jetzt zwingen, etwas zu tun? Etwas Schmutziges? Was mich betrifft, besitzt er jetzt kompromat, wie sie Erpressungsmaterial in seinem Heimatland nennen. Ist es falsch, dass ich hoffe, dass er es gegen sexuelle Gefälligkeiten einlöst? Er schnappt sich das Telefon wieder. »Wir treffen uns morgen Abend zum Essen.« Ich starre ihn mit offenem Mund an. »Was?« Er mustert mich, und sein Gesichtsausdruck deutet an, dass ich vielleicht die Mahlzeit sein werde. Oder der Nachtisch. »Wir werden uns an einem Tisch gegenübersitzen. In einem Restaurant. Essen. Reden.« Er grinst. »Kommt Ihnen irgendetwas davon bekannt vor?« Ich blinzele verwirrt. Mein Gehirn funktioniert eindeutig nicht. »Ähm, okay. Abendessen. Wie auch immer. Ich muss jetzt gehen.« Er tritt aus dem Weg und macht eine Geste, die mich an eine seiner Tanzbewegungen erinnert. »Schönen Abend noch.« Ich mache einen Schritt und bin darauf gefasst, dass er mich aufhält und den Sicherheitsdienst ruft. Das tut er nicht. Ich mache noch einen Schritt. Ich bin jetzt nur noch einen Fuß von der Tür entfernt. Ja. Vielleicht bin ich in Sicherheit. Die ganze Sache mit dem Abendessen ist morgen und … »Warten Sie«, befiehlt er. Verdammt. Zu früh gefreut. Widerstrebend drehe ich mich zu ihm um. »Was?« »Ein Souvenir.« Er bückt sich, um seinen Tanzgürtel aufzuheben. Ich schaue ihn sprachlos an. Als er das tangaähnliche Kleidungsstück aufhebt, fällt die Fernbedienung, die mein vibrierendes Höschen steuert, klappernd auf den Boden. Er murmelt etwas auf Russisch und hebt sie ebenfalls auf. Er richtet sich auf und betrachtet mich mit einem Stirnrunzeln. »Ist das Ihre?« Ich kämpfe gegen den Drang an, mich auf ihn zu stürzen und ihm die Fernbedienung aus seinen starken Fingern zu entreißen. »Nein. Ich weiß nicht, was das ist.« »Seltsam.« Er drückt den Ein-Knopf. »Das scheint eine Art elektrisches Spielzeug zu sein.« Oh, f**k. Mein Höschen beginnt zu vibrieren.
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