Ich schlief nicht. Ich lag fast die ganze Nacht da, mein Handy mit dem Display nach oben auf dem Kissen neben mir, und wartete darauf, dass die unbekannte Nummer wieder schrieb. Aber das tat sie nie, was es irgendwie noch schlimmer machte – als wäre die Stille selbst eine weitere Art von Drohung. Am Morgen sah ich genauso aus, wie ich mich fühlte: leer, mit grauen Schatten unter den Augen. Ich schaffte es nur durch die Tür zu meiner ersten Vorlesung, weil meine Beine den Weg offenbar besser kannten als der Rest von mir. Sebastian saß bereits auf seinem Platz, als ich hereinkam. Er sah mich nicht an. Ich sah ihn ebenfalls nicht an und suchte mir stattdessen einen Platz zwei Reihen hinter ihm, anstatt wie sonst neben ihm zu sitzen. Die Entfernung zwischen uns fühlte sich lauter an als alle

