Brandon4

1183 Worte
„Einspruch, Arthur, was hat das mit der Frage zu tun?“, sagte Anthony. Ich wandte meine Aufmerksamkeit dem Ratsmitglied Anthony zu, der wütend zu sein schien. Und ich wusste genau, warum. ​„Er hat recht, was hat das alles damit zu tun, dass du eigenmächtig gehandelt hast?“ ​„Ich möchte Sie etwas fragen, bevor ich meine Geschichte fortsetze: Was genau ist eigentlich die Aufgabe des Rates?“ ​„Dafür zu sorgen, dass unter unseresgleichen alles glattläuft, und denen zu helfen, die Hilfe brauchen.“ ​„Dann sagen Sie mir doch bitte mal was, Arthur: Warum wurde dem Blutmond-Rudel keine Hilfe geschickt, nachdem unzählige Briefe mit Bitte um Hilfe abgeschickt worden waren – und sie waren an Sie adressiert, Anthony, Verzeihung, Ratsmitglied Anthony?“ ​„Von welchen Briefen sprechen Sie?“, schrie Anthony. ​„Von diesen Briefen.“ Ich knallte meine Kopien auf den Tisch. Arthur zuckte zusammen und streckte dann die Hand aus. ​„Kann ich sie sehen?“, fragte Arthur. ​„Nein, können Sie nicht. Nicht, bevor ich meine Geschichte zu Ende erzählt habe.“ ​„Dann fahr fort.“ ​Meine Reise zum benachbarten Rudel steht in ein paar Tagen an. Ich habe also wirklich hart trainiert, und wenn ich es nicht tue, verbringe ich so viel Zeit wie möglich damit, meine Gefährtin anzusehen. Ich will nicht lügen, allein ihr Anblick bringt mich zum Lächeln. Andere halten mich vielleicht für einen Spion oder Verrückten, aber das spielt keine Rolle. Was zählt, ist, dass sie mein ist und ich sie anstarren kann, bis der Mond vom Himmel fällt. ​Ich machte mich dann auf den Weg zum Trainingsgelände, um mich mit ihren Brüdern Gabriel und Jack zu treffen. Sie sind der erste und zweite Kriegerführer dort, beide schnell und wirklich stark. ​Es ist mir also ein Rätsel, wie sie den Typen oder die Typen, die diese Verbrechen begangen haben, nicht einholen konnten. Ich gehe zu ihnen hinüber und sehe ihnen beim Kämpfen zu. Ich beobachte ihre Bewegungen, sowohl die Fuß- als auch die Handbewegungen, ihre Haltung, wie sie hinfallen und so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen. Wie zur Hölle sie diesen Typen also weder gehört noch gesehen haben, ist mir unbegreiflich. ​„Hey Schwager, was geht?“, fragte Gabriel. ​„Ich habe ein paar Fragen an euch.“ ​„Werden wir etwa verhört, Bro? Warte, glaubst du etwa, wir hätten dem Mädchen etwas angetan?“ ​„Nein, das würde ich nie denken. Ich will nur wissen, was passiert ist.“ ​„Wir waren in der Gegend auf Patrouille, weil wir die Frühschicht hatten. Als wir zum Wasserfall hinübergingen, hörten wir ein leises Wimmern. Es klang, als würde sich jemand dahinschleppen“, sagte Jack. ​„Ok, was noch?“ ​„Wir sind durch den Wald geeilt und haben gesehen, wie sie sich über den Boden schleifte. Zuerst haben wir sie gar nicht erkannt. Ihr Gesicht war dreckig und ihr Geruch war mit Schmutz, Schlamm und einem aufdringlichen Parfüm vermischt“, sagte Gabriel. ​„Parfüm?“ ​„Ja, ein starkes Parfüm, wie diese teuren Dinger, die man im Schaufenster im Einkaufszentrum sieht, die man sich aber nur ansehen kann, weil man sie sich nicht leisten kann“, sagte Gabriel. ​„Ich weiß, welche du meinst.“ ​„Als Jack sie hochhob, fragte er sie nach ihrem Namen, und so wussten wir, wer sie war. Aber es war ein schrecklicher Anblick, Mann. Ihre Kleidung war zerrissen, ihre Brust hing heraus. Man konnte das Blut an ihr riechen, Mann“, sagte Gabriel. ​„Ich kann es mir vorstellen.“ ​„Genug davon, ich will diese Flashbacks nicht. Wo führst du unsere Schwester zu ihrem Geburtstag hin?“, fragte Jack. ​„Oh Verdammt, ihr Geburtstag. Wann ist der nochmal?“ ​„Das ist doch wohl nicht dein Ernst! Weißt du was, am besten stellen wir sie einem unserer Freunde aus Long Hill vor. Der vergisst ihren Geburtstag nicht, er erinnert sich jedes Jahr daran“, meinte Gabriel. ​„Wie heißt er noch gleich? Richtig, Paul?“, schnipste er mit den Fingern, und ich verdrehte nur die Augen. ​„Natürlich erinnere ich mich. Wahrscheinlich zum Abendessen bei mir zu Hause“, sagte ich. ​„Nein, nix da, kommt nicht in Frage. Ein Restaurant, unter Menschen!“, sagte Jack. ​„Und behalt deine Hände bei dir. Meine Schwester hat keinen s*x bis zu dem Tag, an dem ich sterbe“, sagte Gabriel. ​„Ich glaube kaum, dass sie sich zurückhalten kann. Siehst du denn nicht, wie heiß ich bin?“ ​„Bro, kein Anfassen, besonders nicht in der Poregion.“ ​„Oder im Brustbereich.“ ​„Verdammt, küss sie nicht einmal, bis wir sterben!“ ​Ich schmunzelte über die beiden, wie sie ihre beschützerische Seite zeigten. Meine Gedanken verloren sich für einen Moment, als ich roch, wie sie den Trainingsraum betrat – Zitrone und Honig, diese Kombination verblüfft mich immer wieder. Ich konnte ihre gute Laune spüren; sie hüpft immer herum und kichert wie das Kind, das sie ist. Ich will nicht, dass das jemals aufhört. ​„Guck ihn dir an, seht mal, er ist so ein Weichei“, sagte Jack. ​„Sie wird ihn sich um den kleinen Finger wickeln“, meinte Gabriel. ​Ich zeigte ihnen den Mittelfinger und wandte meine Aufmerksamkeit meiner süßen Gefährtin zu. Sie kam mit dem breitesten Lächeln im Gesicht in unsere Richtung gelaufen. ​„Wer wird wen um den kleinen Finger wickeln?“, fragte sie. ​„Gabriels Gefährtin“, platzte es aus mir heraus. ​„Die wird um ihr Leben rennen, wenn sie ihn schnarchen hört. Er klingt wie ein großer Bär.“ ​Alle lachten über ihre Wortwahl, sogar Gabriel. Tja, ich schätze, es stimmt. ​„Also, was geht, Schwesterherz? Was führt dich zu uns?“ ​„Oh, ich wollte nur nach euch sehen. Ihr wisst schon, um zu schauen, ob euch jemand dumm kommt.“ ​Wir lachten erneut, als sie eine Verteidigungshaltung einnahm. ​„Wenn du so da stehst, bist du diejenige, der dumm gekommen wird“, sagte Gabriel lachend. ​Wir standen noch ein paar Minuten da und ich konnte meine Augen nicht von ihr lassen. Sie ist das schönste Geschöpf, das ich je gesehen habe. Wir verabschiedeten uns und ich machte mich auf den Heimweg. ​Morgen wird ein langer Reisetag. Und wenn ich vor dem Geburtstag meiner Gefährtin wieder zu Hause sein will, muss ich herausfinden, wer zum Teufel ein junges Omega-Mädchen beim Blue-Lagoon-Rudel angegriffen hat – und zwar schnell. ​Ich lag mit weit geöffneten Augen da und konnte nicht schlafen. Es gab etwas, das ich übersehen hatte, aber ich konnte nicht genau mit dem Finger darauf zeigen. Als ich aus dem Fenster blickte und die Sonne aufgehen sah, seufzte ich laut. Heute würde ein verdammt langer Tag werden.
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