Abgewiesen am Tor-1a

807 Worte
Die Luft roch nach Parfüm und Feuer. Je näher ich dem Palast kam, desto dichter wurde sie – Hitze und Gelächter strömten aus den offenen Toren wie sündige Musik. Die Menge schimmerte im Schein roter Laternen, die sanft in der Nachtbrise schaukelten. Jedes Gesicht strahlte etwas aus, das mir fehlte: Selbstvertrauen. Ich blieb am Rand der Marmortreppe stehen und versuchte zu atmen. Mein rosa Kleid wirkte plötzlich zu grell, zu zart, einfach *falsch* zwischen all der Seide, der Haut und dem glitzernden Schwarz. Alle anderen schimmerten wie Wein im Feuer. Ich sah aus wie ein verwelktes Rosenblatt, das in den falschen Garten gefallen war. Ein Wächter versperrte mir den Weg, noch bevor ich das Tor erreichte. Seine Stimme war tief und schwer. „Einladung?“ Ich blinzelte. „Ich – ich meine, auf dem Schild stand, dass es für alle offen ist.“ Er musterte mich von Kopf bis Fuß, sein Gesichtsausdruck war ausdruckslos. „Jeder, der dazugehört.“ „Ich gehöre hierher“, sagte ich, obwohl meine Stimme nicht so klang, als ob ich es selbst glaubte. Er rührte sich nicht. „Das Thema?“ „Was?“ „Das Farbthema, Miss.“ Er deutete träge auf die Menge, die durch das Tor strömte. „Nur Rot und Schwarz.“ Ich sah an mir herunter. Das rosafarbene Kleid, das unter meiner Lampe so hübsch gewirkt hatte, sah nun im purpurroten Licht wie ein Fehlgriff aus. „Es reicht“, sagte ich schwach. Der zweite Wächter grinste. „Gleich reicht nicht. Nicht hier.“ Meine Wangen glühten. Hinter mir flüsterten und kicherten zwei Frauen in glänzenden schwarzen Federn. Eine von ihnen beugte sich so weit vor, dass ich es hören konnte. „Die Arme. Sieht aus, als wäre sie zu einer Teeparty gekommen, nicht zu einer Varianischen Nacht.“ Ich wandte den Blick ab und tat so, als hörte ich nichts, doch die Worte trafen mich wie ein Stein im Magen. „Ich bin einen langen Weg gereist“, murmelte ich. „Bitte, ich möchte sie nur sehen. Nur einen Moment.“ Der Mundwinkel des ersten Wächters zuckte, ein Ausdruck zwischen Mitleid und Verärgerung. „Regeln sind Regeln. Geh nach Hause, Mädchen.“ Das Gelächter hinter mir wurde lauter. Ich hörte das Flackern eines Fächers, das Klimpern von Schmuck, ein Flüstern, das verletzen sollte. „Vielleicht ist sie eine von Matthias’ Mägden“, sagte jemand. „Gehorsam riecht man immer.“ Mir schnürte es die Kehle zu. Ich wollte etwas sagen, aber meine Stimme versagte. Der Wächter trat für die nächste Gruppe beiseite – zwei Frauen, gehüllt in rote Seide und silberne Ketten. Ihr Lachen streifte meine Schulter, als sie vorbeigingen, der Duft von Rosen und Rauch lag in der Luft. Eine von ihnen zwinkerte mir zu, grausam und süß zugleich. „Vielleicht nächstes Jahr, Liebling.“ Die Schlange bewegte sich vorwärts. Ich nicht. Ich stand einfach nur da, die Hände in meinem Rock vergraben, die Nacht um mich herum. Jedes Mal, wenn sich die Türen öffneten, traf mich ein Puls der Musik – tief, schwül, lebendig. Ich konnte sie fast schmecken. Und dann verebbte sie wieder, verschluckt von einem Lachen, das nicht meins war. Ich hätte umkehren sollen. Ich hätte nach Hause gehen sollen. Stattdessen hob ich das Kinn und machte einen langsamen Schritt näher zum Tor. Die Wachen beachteten mich diesmal nicht einmal. „Hinter den Kulissen“, sagte einer, ohne aufzusehen. „Ich muss nicht lange drin sein“, sagte ich. „Nur … lasst mich mal sehen, wie es aussieht. Ich habe gehört, es ist …“ „Sie haben sich verhört“, unterbrach mich die zweite Wache. „Gehen Sie weiter.“ „Ich werde keinen Ärger machen“, sagte ich. „Ich möchte nur …“ Er schnaubte. „Das tun Sie schon.“ Die Worte trafen mich härter, als ich gedacht hätte. Ich spürte, wie mir die Hitze in den Nacken stieg und in meine Ohren kroch. Um mich herum drehten sich die Frauen in Rot um – manche neugierig, manche grausam. Blicke, die einen schneller entblößten, als es jede Hand könnte. „Ich werde es Alpha Varian sagen“, platzte es aus mir heraus, obwohl ich es gar nicht wollte. „Er hat alle eingeladen.“ Die erste Wache hob eine Augenbraue. „Glaubst du, dem Alpha ist egal, was du willst?“ Die andere lachte. „Sie sieht nicht mal so aus, als ob sie seinen Namen kennt.“ „Doch“, flüsterte ich. Die erste Wache beugte sich so nah vor, dass ich seinen warmen Atem spürte. „Na los.“ Ich erstarrte. Meine Lippen öffneten sich, aber kein Laut kam heraus. Er lächelte. „Hab ich mir gedacht.“ Die Menge bewegte sich, die Musik schwoll an, und ich stand da wie ein Fleck auf Marmor.
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